Die Schnecke
Roman Herberth
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Letztes Abendlicht

Gestern

Der Tag verglüht im letzten Abendlicht,
am Himmel steht bereits der Mond.
Du bist noch blass, du halbes Rundgesicht,
dein Anblick wirkt ganz ungewohnt.

Ein steiler Weg - er führt zu einer Bank.
Von dort sieht man den trägen Fluss.
Die Vögel zwitschern sich die Schnäbel blank.
Ich höre zu: ein Hochgenuss.

So nach und nach sinkt dann die Dämmerung
auf jeden Baum und Kieselstein.
Ich schwelge leicht in der Erinnerung
an Schilfgestrüpp bei Sonnenschein.

Der Rückweg schlängelt sich verträumt bergab.
Man spürt ein leises Lüftchen wehn.
Die Füße machen langsam aber sicher schlapp.
Jetzt ist es zehn.


Abendstimmung

Der Enkel schläft. Die Kerze brennt.
Der Hund jagt seine Flöhe.
Der Held im Flimmerkasten flennt.
Er ist nicht auf der Höhe.

Die Schwiegermutter strickt und strickt.
und klappert mit den Nadeln.
Der Opa ist längst eingenickt
und röchelt wie beim Radeln.

Die "gute" Decke schmückt den Tisch.
Die Rosen in der Vase
sind langgestielt und gartenfrisch.
Ihr Duft verwöhnt die Nase.

Die Abendstimmung lächelt still.
Der Hund kommt angekrochen.
Er schaut so lieb, das heißt er will:
statt Küsschen - einen Knochen.


Frühling

Die Blätter schlüpfen aus den Zweigen.
Sie waren lange zugedeckt.
Nun ist es Zeit, das Grün zu zeigen,
und Schlafendes wird aufgeweckt.

Wer Federn hat, putzt sein Gefieder.
Dem Winter geht die Puste aus.
Der Strassenmusikant spielt Lieder.
Ein Buchfink baut sein Vogelhaus.

Die Sonne winkt auf ihren Wegen
dem grünen Treiben freundlich zu.
Der Frühling kommt uns sehr gelegen.
Er lädt uns ein zum Rendezvous.


Sterne

Wenn ich nach den Sternen greife,
greift die Hand bestimmt ins Leere,
greift stattdessen alles Schwere,
das ich greifend nie begreife.

Wenn ich nach den Sternen jage,
jagt mein Sinnen und mein Streben
statt zur Mitte weit daneben
so, dass ich verstimmt verzage.

Wenn ich Sterne fest umschließe,
störe ich ihr schönes Blinken,
ihr verträumtes Zu-mir-winken,
schließe aus, was ich genieße.

Sterne sollen funkelnd leuchten.
Glitzern wie ein Edelstein -
aber nie für mich allein,
weil sie sonst nicht leuchten bräuchten.


Monat Mai

Grün beblättert sind die Bäume,
wonnig strahlt der Monat Mai.
Üppig wachsen Blütenträume
sowie Schatten - nebenbei.

Büsche zeigen ihre Breite,
ihre Pracht und Majestät;
immer von der besten Seite
in gewohnter Qualität.

Ihre Kraft blieb lang verborgen,
wagten erst den Freudensprung,
als die kalten Wintermorgen
zogen fort - auf Wanderung.

Aber nun gibt es kein Halten,
aufgeknospt wird Blatt um Blatt.
Künstler Lenz will neu gestalten:
Denn er hat die Grau-zeit satt.

Brüten dann die heißen Tage,
knarrt der Baum vertraut im Ast
und man flieht der Sonnenplage
unter jedes Blätterdach.

Monat Mai zieht seine Fäden,
nennt den Frühling freundlich du,
schließt die Leid- und Kummerläden
einfach für 'ne Weile zu.


Löwenzahn

Feiner gelber Löwenzahn,
wucherst wieder überall,
stehst mal einzeln, mal im Clan,
bist ein ganz besond'rer Fall.

Grossen Anspruch stellst du nicht.
Jeder Boden ist dir recht.
Legst auf Sonne kein Gewicht,
trotzdem wächst du gar nicht schlecht.

Hasen haben dich sehr gern,
aber nur den grünen Teil.
Doch das wissen Hasen-Herrn,
folglich bleibt die Wurzel heil.

Lockst Insekten tierisch an,
nährst die ganze Krabbelbrut.
Jedes Tier mit Riechorgan
eilt zu dir, denn du riechst gut.

Später wirst du umbenannt,
Pusteblume heißt das Wort.
Kinder nehmen dich zur Hand,
pusten deinen Samen fort.

Bläst kein Kind durchs Löwenhaar,
lässt der Wind den Fallschirm frei.
Flüge - unverwechselbar.
Bauchlandung ist nie dabei.

Jede Ritze wird erreicht,
keine Mauer ist zu hoch.
Wenn ich denke - ja vielleicht -
wächst du in den Ohren noch.


Aber dann

Der Frühling hat seit ein paar Tagen
mit seinen Reizen arg gegeizt,
die Sonne hat er unterschlagen,
er kriegt 'ne fünf für sein Betragen -
so wird ihm tüchtig eingeheizt.

Am Himmel herrscht die Wolkendecke,
sie weint sich ihre Augen wund.
Der Sonnenstrahl bleibt auf der Strecke.
Die Katze kauert in der Ecke
aus einem ganz bestimmten Grund.

Und wo sind die beliebten Zeichen,
die sonst der Lenz ausgiebig streut?
Der Frühling lässt sich nicht erweichen,
kann selbst dem Winter 's Wasser reichen,
zumindest an 'nem Tag wie heut'.

Ich warte auf sein Eigenleben.
Das fängt bestimmt schon morgen an.
Dann wird er über allem schweben.
Bis morgen will ich Ruhe geben,
aber dann ...


Frühling

Fangen wir am besten heut'
wieder ganz von vorne an,
weil der Frühling Blüten streut
auf die Vogellandebahn.

Alle Kälte, alles Eis,
sei vergessen für 'ne Zeit.
Blumen blühen zärtlich weiß,
strahlen stolz in Heiterkeit.

Bäume flechten Blatt auf Blatt,
jeder Ast will grünlich sein.
Jede Narbe heilt sich glatt.
Sonne träufelt Balsam ein.

Kinder jagen nach dem Ball,
toben herzerfrischend laut.
Kleine Krätsche - jäher Fall.
Keine Vorsicht eingebaut.

Vogelmutter hockt im Nest,
wärmt die ungebor'ne Brut,
freut sich aufs Geburtstagsfest,
denkt: "Das Wetter ist recht gut."

Lange währt der Frühling nicht,
doch er zeigt schon, was er kann,
übt sein Feiertagsgesicht,
aber nur - bis irgendwann.


Wiese

Leg dich flach auf eine Wiese,
streck die Arme seitlich aus.
Riech die Erde und genieße
diesen Urlaub von zuhaus.

Schließ die Augen und erträume
dir dein Leben kunterbunt.
Streife durch besternte Räume,
schwebe über jedem Grund.

Lass dich von den Blumen leiten,
nenne ihren Sprachschatz dein.
Feen werden dich begleiten
und dein Traum wird "Traum-Los" sein.


Wozu Sand gut ist

Was dringt in jede Ritze ein?
Und rieselt in der Hand?
Vor Jahren war es fester Stein.
Nun ist es loser Sand.

Er lagert häufig nah am Meer.
Die Füße lieben ihn.
Doch ist er feucht, dann ist es schwer,
dem Sandnass zu entflieh'n.

Er regelt fallend oft die Zeit,
doch nur minutenlang.
Er zeigt dir dann: es ist soweit.
Doch alles ohne Zwang.

Als Einzahl ist er namenlos.
Man spricht von einem Korn.
Das reibt im Schuh oft grenzenlos.
Dann sucht man es vor Zorn.

Doch wenn man dieses Sandkorn sucht,
so stellt man letztlich fest:
"Es ist gar keins, verflixt - verflucht.
Es ist ein ganzes Nest!"

Er wiegt die Kinder in den Schlaf,
ob rotzfrech oder fügsam brav.
Und schenkt dir einen süßen Traum.
Der hebt dich über Zeit und Raum.


Über das Glück

Du kannst das Glück nicht zwingen.
Es geht an dir vorbei.
Du hörst es fröhlich singen.
Das Glück ist vogelfrei.

Es sitzt dir auf der Nase.
Dein Blick schweift meilenweit.
Das Glück liegt auf der Straße.
Wer wandert - weiß Bescheid.

Das Glück kennt keine Schranken.
Es klopft an deine Tür.
Du fühlst es in Gedanken.
Du weißt oft nicht wofür.

Das Glück hat viele Namen.
Es ändert sein Zuhaus.
Es passt in keinen Rahmen
und manchmal reißt es aus.

Das Glück ist nicht zu fassen.
Es stellt sich plötzlich ein.
Es kann dich auch verlassen, -
dann wirst du traurig sein.


Zu kühl für diese Jahreszeit

Der Sommer zeigt sich äußerst kalt.
Und macht vor Tür und Toren halt.
Man ist vor Sonnenhunger krank
und holt den Mantel aus dem Schrank.

Kein Sonnenbad am Baggersee.
Man friert und fröstelt wie bei Schnee.
Das Wetter muffig, missgelaunt.
Der Monat im Kalender staunt.

Das Eis am Stiel bleibt ungeschleckt,
das sonst doch so vorzüglich schmeckt.
Man schlürft stattdessen heißen Tee
und greift zur Flasche "Hohes C".

Wie schnell hat man sich unterkühlt.
Das Fieber freut sich - wie man fühlt.
Es kitzelt erst im Rachenraum.
Dann ist man krank. - Ein Sommertraum.

Vom Sommer fehlt noch jede Spur.
Wo bleibt er nur?
Das Radio tönt mit Sachlichkeit:
Zu kühl für diese Jahreszeit.


Erstes Herbstgewitter

Das erste Herbstgewitter
fegt tobend durch den Baum.
Es raubt die braunen Blätter
und einen Sommertraum.

Erst gestern zog der Sommer
mit Blütenschmuck durchs Land.
Nun ist er schon vergangen.
der Nebel webt sein Band.

Die Dunkelheit währt länger.
Die Vögel ziehen fort.
Sie zwitschern fern im Süden.
Der Sonnenschein ist dort.

Das erste Herbstgewitter -
ein Blitz und Donnerknall.
Nun naht das Sommerende
und auch der Blätter Fall.


Texel

Unendliche Weite, tosendes Meer.
Möwengekrächze rings umher.
Wandernde Berge aus körnigem Sand.
Herzige Muscheln am endlosen Strand.
Quellender Nebel, Sturm und Gebraus.
Schafe auf Deichen und Blumen am Haus.
Schäumende Wellen, ein knarrender Steg.
Sanddorn und Sumpfwurz am einsamen Weg.
Weiden und Sonne, am Slufter Gerinnsel.
Summa Summarum: Ein Lob für die Insel.


Alte Sprüche neu geklopft

Es nieselt schont seit vielen Stunden.
Der Himmel zeigt sich Grau-in-Grau.
Wer hat nur diesen Mist erfunden.
Die Sehnsucht träumt von Himmelblau.
Der Nachbar spricht schon wie ein Buch:
"Das klärt sich auf zum Wolkenbruch."

Die Hitze quält an Sommertagen.
Es tropft der Schweiß ins Unterhemd.
Man stöhnt in seinem Unbehagen
und wird sich selber langsam fremd.
Ein Schulterklopfer lächelt noch:
"Das schwächt sich ab zum Hitzehoch."

Das Ende von den meisten Dingen
ist leider bitterer Genuss.
Beim Buch dagegen hört man singen:
"Das Beste kommt erst ganz zum Schluss."
Die letzte Seite ist erreicht.
Dort sinnt die Klugheit hohl und seicht.

An wirklich schönen Wochenenden
genießt Herr Jedermann die Zeit.
Er fährt mit Auto-Sonnenblenden
im Schritt und will noch meilenweit.
Das Radio unterbricht
für eine Straßenüberschau:
"Der zähflüssige Verkehr löst sich langsam auf
zu einem kilometerlangen Stau."


Dauerhaftes

Nichts wirst du auf Dauer haben.
Alles wird einmal begraben.
Hader, Missgunst, Neid und Streit
dauern keine Ewigkeit.

Blumensträuße werden welken.
Selbst das Feuerrot von Nelken
leuchtet eines Tags nicht mehr.
Dieses Wissen fällt uns schwer.

Schöne Gläser werden Scherben.
Apfel können schnell verderben.
Und das beste Porzellan
fängt einmal das Fallen an.

Selbst die Klugheit kommt abhanden.
Und was wir einst gut verstanden,
klingt uns neu und unbekannt.
Denn die Zeit raubt den Verstand.

Nichts wirst du auf Dauer haben.
Alles wird einmal begraben.
Nichts lebt ewig, allezeit.
Außer: die Vergänglichkeit.


Herbstanfang

Der Herbst gräbt erste Spuren
ins grüne Blätterdach.
Die Felder - abgeerntet.
Die Fluren liegen brach.

Die Hitze ist gebrochen.
Die Wolken wiegen schwer.
Sie treiben hoch am Himmel
wie Schiffe auf dem Meer.

Auf steilen, schrägen Lagen
gedeiht der herbe Wein.
Er trinkt für seine Reife
den letzten Sonnenschein.

Der Sommer ist gegangen.
Die Nächte werden lang.
Die welken Blätter fallen.
Herbstanfang.


Ein Geist im Gemäuer

Es spukt ein Geist hier im Gemäuer.
Er wimmert wie ein Katzenkind.
Die Ketten rasseln ungeheuer.
Und vor dem Fenster tobt der Wind.

Ein Rumpeln, Poltern - tief im Keller.
Es röchelt schaurig im Verlies.
Die Turmuhr schlägt. Mein Herz schlägt schneller.
Jetzt schreit der Spukgeist wie am Spieß.

Mein Herz pocht in der Hosentasche.
Ein weißes Laken schwirrt vorbei.
Ich werde eine Feige-Flasche
und bete eine Litanei.

Ein Windstoss rüttelt jäh am Fenster.
Mein Herz steht eine Weile still.
Dann lacht es, weil es Schreckgespenster
nur morgens gibt: im Alltagsdrill.


Es wandelt sich alles

Dem eitlen Sonnensegen
folgt eine Regenfront,
die uns mit Nieselregen
an keinem Ort verschont.

Das Pendel schwingt zur Seite
und nimmt die Träume mit.
Das Leid sucht schnell das Weite.
Dann naht der Gegenschritt.

Die Freude weicht der Trauer.
Doch folgt nach kurzer Zeit
- nach einer kleinen Dauer -
erneut die Fröhlichkeit.


Sommerzeit

Der Mensch wird ein Nomade,
doch nur zur Sommerszeit.
Er reist zu fernen Zielen
mit Koffern hoch und breit.

Er flieht die Städtewüsten.
Der Rucksack ist gefüllt
mit Hoffnungen und Wünschen
in Träume eingehüllt.

Die Sonne zeigt die Richtung.
Sie weist den Weg zum Ziel.
Der Mond in lauen Nächten
betört mit Lautenspiel.

Wenn Winde fröstelnd wehen.
Dann strebt der Mensch nach Haus.
Und zieht mitsamt den Kleidern
die Urlaubslaune aus.


Für Penner

Ihr Penner auf der Straße,
ihr tut mir wirklich leid.
Der Wind fegt durch die Blätter
und es beginnt die kalte Jahreszeit.

Wie geht es euch am Morgen
mit Händen - feucht und klamm?
Und immer kalte Füße
im Schlafsack hinterm Fahrbahndamm.

Die Lumpen, die euch blieben,
durchlöchert und zerfetzt,
die werden euch nichts nutzen,
wenn sich der Nebel zu euch setzt.

Ihr Penner auf der Straße:
mit Kohldampf, Schnaps und Bier.
Ich wünsche euch von Herzen
ein warmes und bequemes Nachtquartier.


Langer Samstag

Die Stadt ist auf den Beinen
und brodelt kreuz und quer.
Dazwischen strömt und hastet
ein lautes Menschenmeer.

Musik hallt auf den Plätzen.
Das heizt die Stimmung an.
Es überdröhnt das Bimmeln
der gelben Straßenbahn.

Es schiebt sich eine Schlange
vom kleinen Bratwurststand
gemächlich in die Menge
- mit Bratwurst in der Hand.

Die Münder schlucken, kauen,
und Senf tropft - falls er kann -
auf schöne neue Kleider
vom nahen Nebenmann.

Was ist der Grund des Trubels?
Wer macht die Hölle los?
Warum entstand der Rummel?
Was soll das ganze bloß?

Ein Samstag ist geboren.
Mit Zusatz heißt er "lang".
Die Läden sind geöffnet
bis kurz nach Sonnenuntergang.


Ein Pflänzchen im Asphalt

Ein Pflänzchen quält sich mit Gewalt
ans Licht der Welt - durch den Asphalt.
Kein grüner Freund ist weit und breit
trotz maienfroher Frühlingszeit.

Das Pflänzchen wird vor Angsten krank,
vor Lärm und Dreck und vor Gestank.
Nach vierzehn Tagen geht es ein.
Trotz Überdosis Sonnenschein.

Der Asphalt-Sieg war absehbar.
Und dennoch zeigt sich jedes Jahr
in grüngeblätterter Gestalt
ein Pflänzchen - mitten im Asphalt.


Dem Frühling ins Gesicht

Die Zeit der langen Unterhosen,
von Selbstgestricktem und vom Schal,
von Winterschlaf und Eis-Neurosen,
die ist vorbei - mit einem Mal.

Die klammen, blaugefror'nen Hände,
die kalten Stiche auf der Haut,
das Zittern, Frösteln hat ein Ende.
Und auch der Schnee ist längst getaut.

Es grüßen Blumen auf den Wiesen
in farbenfroher Blütenpracht.
Die Blätter knospen und sie sprießen,
weil unentwegt die Sonne lacht.

Die Vogelzüge aus dem Süden:
Sie zetern aufgeregt und schrill.
Sie zwitschern, ohne zu ermüden.
Ihr Schnabel hält kein Weilchen still.

Und auch der Mensch fühlt ein Erwachen.
Er blinzelt frech ins Sonnenlicht.
Er hört sein Herz vor Freude lachen
und schaut - wie ein Verliebter -
dem grünen Treiben ins Gesicht.


Im Büro

Frau Snake parliert wunderschön
mit ihrer Frau Kollegin Klön.
Die Arbeit ruht so manche Stunden.
Ein Thema - das ist schnell gefunden.

"Was macht denn ihre Nulldiät?"
"Es hungert mich von früh bis spät!
Ich fühle stets ein Loch im Magen
- und habe daran schwer zu tragen.
Na ja, die Pfunde müssen weg.
Man tut halt was - für seinen Speck.
Das Leben: eine Riesenqual!
Doch sagen sie mir noch einmal:
Wie geht's der Freundin der Cousine?"
Frau Klön erzählt mit ernster Miene.

Dann setzt der Redefluss kurz aus;
doch man entdeckt die andren Leute
- hier im Haus.
Man redet schamlos über Dritte.
Auf einmal steht er in der Mitte.
Man hüstelt leicht, bleibt künstlich still.
Weil man vor Dritten über Dritte
niemals reden will.

Frau Klön klemmt Akten untern Arm
und flötet seufzend voller Charme:
"Vor Arbeit fehlt uns jede Zeit
für einen Plausch und die Gesprächigkeit."

Dann huscht sie eilig aus dem Zimmer.
Was dann passiert, ist so wie immer.
Man spricht sich aus: erst kreuz, dann quer.
Und zieht letztendlich
über die Entschwund'ne her.


Wolkenherde

Es ballt sich eine dunkle Wolkenherde
schwarz am fernen Horizont.
Man fürchtet sich vor ihrer Drohgebärde
und hofft, man bleibt von ihr verschont.

Ganz schicksalhaft treibt sie der Stadt entgegen,
die noch die Sonne fühlt.
Man nimmt den kürzesten von allen Wegen
und grüsst nur eilig unterkühlt.

Nun hat sie schon die Vorstadt in Besitz genommen.
Kein Schäfer, der ihr Treiben hemmt.
Er wäre damit auch nicht weit gekommen.
Die Wolken hätten alles überschwemmt.

Am schlimmsten war ihr Anblick und Erscheinen,
ihr düster-graues schwarz-gefärbtes Bild.
Sie rieselt fein, sie hat nur einen Grund zum Weinen.
Nichts andres führte sie in ihrem Wolkenschild.


Ein Rabenleben

Der Rabe Krächz und seine Frau,
die wissen immer haargenau,
wo Bauern Weizenfelder mähen
und wo sie neue Saaten säen.

Sie kennen jeden Ackerrain.
Vom nahen Berg das Felsgestein.
Den Ausblick von den höchsten Bäumen,
die uferlängs den Bachrand säumen.

Kaum gibt die Nacht dem Tag die Hand,
da kreisen sie schon übers Land
und äugen schielend nach dem Futter.
Als Schlusslicht dient die Rabenmutter.

Auf einmal krächzt sie laut und wild.
Der Rabenvater ist im Bild.
Frau Rabe sieht in weiter Ferne
gereifte Sonnenblumenkerne.

Die Rabenmeute stürzt im Nu
auf diese Leckerbissen zu.
Sie stellen keine dummen Fragen:
(Wem dieses wohl gehören mag?)
und füllen ihren leeren Magen.

So gegen Mittag macht man Halt
auf einem Ast im Rabenwald.
Und döst mit anderen Kumpanen,
um dann den Rest des Tags zu planen.

Am Abend hockt man faul im Nest
und hält Gedachtes krächzend fest.
Der Opa kennt noch alte Bräuche
und singt von einer Vogelscheuche.


Am Meer

Die Wünsche werden winzig
bei Sonnenuntergang.
Der Tag ist ausgestanden,
mit ihm der Tatendrang.

Die Schiffe sind im Hafen
und liegen ankernd fest.
Die Möwen flattern kreischend
zurück zu ihrem Nest.

Der Strand - wie leergeblasen.
Es flutet sanft das Meer.
Und schwemmt auf weißen Wogen
geherzte Muscheln her.

Die Wünsche dieses Tages,
mit Schaum und Sand bedeckt,
verweilen in den Dünen
und halten sich versteckt.

Die Abendhimmelröte
verspricht (und sagt kein Wort)
die wärmsten Sonnenstunden
für morgen früh, am selben Ort.


Günstig abzugeben

Alte Lumpen und Klamotten,
Nippeskitsch und Omas Kleid.
Altes Eisen zum Verschrotten.
Volksempfänger aus der Nazizeit.
Dick verstaubte Silberkrüge.
Spiegel mit und ohne Schliff.
Alte Bilder - zur Genüge.
Sammeltassen ohne Griff.

Alles günstig abzugeben.
Denn: Wer alles dies besessen
ist der Sachen überdrüssig
- oder gar nicht mehr am Leben.

Kerzenständer, Zinnfiguren.
Liebesschwüre auf Papier,
fein verzierte Taschenuhren.
Und aus Wien - ein Souvenir.
Hüte aus vergang'nen Tagen.
Krempel, Kram und Allerlei.
Bücher für fast alle Lebenslagen
gut gepflegt und "lese-frei".

Hier erhalten Sie das Beste,
was die Lieben hinterließen,
was die Erben ausgesondert.
Kaufen Sie die Überreste!


April

Durch die bunte Blütenpracht
tobt ein kalter Sturm.
Der Tag ist länger als die Nacht.
Am Boden kriecht ein Regenwurm.

Der Frühling trägt sein neues Kleid.
Das Wetter spielt verrückt.
Es wärmt die Sonne und es schneit.
Geblümtes schaut geknickt.

Es pfeift die wilde Spatzenmeute.
Ihr Schnabel steht nicht still.
Sonne gestern - Hagel heute.
Es ist April.


Ein Jahr

Ein Jahr kennt viele Tage;
die Hitze auf dem Feld,
vom Wein die beste Lage,
den Clown im Zirkuszelt.

Es kennt die großen Namen,
den kleinsten Fliegendreck,
vom Baum den feinen Samen,
vom Rebhuhn das Versteck.

Es könnte viel erzählen;
von Habgier, Missgunst, Neid;
vom Lügen und vom Stehlen,
von Zwietracht und von Streit.

Es kennt: den Witz, das Lachen,
die Zartheit, die Geduld,
vom Kind den bunten Drachen,
die Unschuld mancher Schuld.

Ein Jahr ist voll an Leben.
Ein Teil ist wunderbar.
Doch Narben kann es geben!
Ein Jahr bleibt stets ein Jahr.


Lieber Wetterfrosch

Lieber Wetterfrosch, verschone
uns mit einer Tiefdruckzone.
Sende warme Meeresluft,
leicht gewürzt mit Blumenduft.
Lass die Winde mäßig wehen,
dass sie nicht dem Wetterhahn
gar zu arg den Kopf verdrehen
auf dem Kirchturm nebenan.
Sei hübsch überwiegend heiter.
Steig hinauf auf deine Leiter,
dass es nicht vom Himmel gießt.
Und uns den nächsten Tag vermiest.


Der Lebensstil

Ein Luftikus, ein Spring-ins-Feld,
ein Zirkusclown, ein Mann von Welt,
ein Naseweis, Dreikäsehoch,
ein Penner aus dem letzten Loch,
ein Vorstadtkönig, ein Barbier,
ein leichtes Mädchen vom Revier,
ein Stänkerer aus Leidenschaft,
ein Jogger ohne Saft und Kraft,
ein Schürzenjäger, ein Pirat,
ein Gaunertrio auf der Tat,
ein Brotzeitholer mit Elan,
ein Reisender der Eisenbahn:
Sie alle halten immer viel
von ihrem sogenannten Lebensstil.


Das Amt

Das Amt wirkt sehr geschäftig,
soweit das Auge schaut.
Die Akten wiehern heftig
und Türen schlagen laut.

Die Menschen stehen Schlange.
Sie schweigen vor sich hin.
Sie warten - brav und lange.
Sie glauben: Dies hat Sinn.

Es schwirren tausend Fragen.
Sie surren durch den Gang.
Als Antwort kommen Klagen
und fremder Stimmenklang.

Man wechselt viele Worte,
die man für wichtig hält.
Dann schließt das Amt die Pforte,
worauf es bald:
in einen tiefen Schlummer fällt.


Ein dreifach kräftiges Helau

Es kracht der Fasching in die Stille.
Die Stimmung steigt und die Promille.
Man knutscht aus Freude jede Frau.
Ein dreifach kräftiges Helau.

Die Tante Frieda tanzt vergessen.
Der Eintrittspreis war hoch bemessen.
Was störend wirkt, ist der Radau.
Ein dreifach kräftiges Helau.

Man schlüpft aus seiner Scheinfassade
in eine bunte Maskerade.
Und stellt sein Abziehbild zur Schau.
Ein dreifach kräftiges Helau.

Die Kinder dürfen Cowboy spielen
und auf die Menschenviecher zielen.
Es ist wie in der Tagesschau.
Ein dreifach kräftiges Helau.

Und fehlt ein Grund zum frohen Lachen,
dann holt der Wirt die scharfen Sachen.
Jetzt grinst sogar der Kabeljau.
Ein dreifach kräftiges Helau.

Die Menschen lärmen ausgelassen.
Sie schunkeln grölend durch die Gassen.
Konfetti deckt das Asphaltgrau.
Ein dreifach kräftiges Helau.

Die Prinzen winken ihren Narren
und spannen sie vor ihren Karren.
Denn Könige sind immer schlau.
Ein dreifach kräftiges Helau.

Ein Narr lacht nur für kurze Dauer,
denn hinterher befällt ihn Trauer.
Am Aschermittwoch macht er blau.
Ein dreifach wehmütig Helau.


Schade

Wir hüpfen stets von Ast zu Ast.
Wir treten auf der Stelle.
Wir wünschen uns, dass alles passt.
Am besten: auf die Schnelle.

Wir träumen von dem fremden Baum,
mit bunt-geritzten Zeichen.
Erreichen werden wir ihn kaum.
Es ist zum Stein-erweichen.

Wir hangeln kreuz, wir hangeln quer.
Wir steigen bis zur Spitze.
Wir kraxeln fluchend hin und her,
geraten so in Hitze.

Wir wollen immer hoch hinaus.
Der Stamm, er hat ein Ende.
Wir geben uns nie selbst Applaus.
Und spucken in die Hände.

Wir mäkeln über jedes Blatt
und nennen seine Schwächen.
Das Blatt hat dieses langsam satt
und wird sich dafür rächen.

Wir kriegen nie den Ranzen voll.
Wir wollen alles haben.
Wir finden überhaupt nichts toll,
Bald fressen uns die Raben.

Wir hocken stumm auf einem Ast,
bestaunen fremde Sterne.
Wir stöhnen über unsre Last
und haben sie doch gerne.

Wir springen manchmal toll herum
und schlagen Purzelbäume.
Doch der Verstand nimmt uns das krumm,
verwässert unsre Träume.

Am meisten hassen wir den Ast,
auf dem wir grade sitzen.
Wir sind ein unzufried'ner Gast
und fangen an zu ritzen.

Am Anfang ist der Einschnitt klein.
Wir schnitzen: Langeweile.
Wir schneiden später tiefer rein.
Benutzen schließlich Beile.

Der Ast, er setzt sich nicht zur Wehr.
Wir kennen keine Gnade.
Wir sägen kräftig hin und her,
der Ast kann eines Tags nicht mehr

und fällt.
Dann finden wir das schade.


Moin, Moin

Zwischen Deich und Düne,
Schilfgestrüpp und Watt,
zwitschert eine Insel
ausgezeichnet platt.
Moin, moin heißt's beim Bäcker.
Moin, moin, ich versteh'.
Moin, moin flutscht die Qualle.
Moin, moin, ruft die See.

Neben platten Tönen
und lautem Möwenschrei,
tutet es vom Hafen.
Der Leuchtturm blinkt dabei.
Moin, moin schallt die Glocke.
Moin, moin grüßt die Stadt.
Moin, moin allerorten.
Moin, moin ich bin platt.

Zwischen Deich und Düne
Watt und weitem Meer
eilt ein blondes Fräulein
hüllenlos daher.
Moin, moin sag ich freundlich
Fräulein Himmelblau
sagen sie mal ehrlich:
Sind sie die Meerjungfrau?


Ein nettes Fest

Wir feiern bis nach Mitternacht.
Ein Korken nach dem andern kracht.
Wir freuen uns, das ist das Tolle.
Und Geld spielt eine Nebenrolle.

Der Sekt rinnt prickelnd durch den Schlund.
Heut' juckt das Fell. Heut' geht es rund.
Und die verfluchten Alltagssorgen,
die lecken uns am A ... bis morgen.

Man schlürft den edlen Frankenwein.
"Komm sei so gut, schenk noch mal ein.
Dem Glücklichen schlägt keine Stunde.
Herr Ober, eine neue Runde."

Ein kleiner Schnaps, der hält uns jung.
Die Meute schnäpselt sich in Schwung.
Erst zwitschern leise, weiche Klänge,
das artet aus in Grölgesänge.

Mein Kopf brummt wie ein Wespennest.
So endet dieses nette Fest.
Es war sehr lustig, vielen Dank.
Doch Morgen - ist mein Kater krank.


Wie wär das auf die Dauer?

Wenn alles wie am Schnürchen klappt,
wenn nie ein Köter nach uns schnappt,
wenn uns die Trübsal niemals quält,
wenn jemand uns die Zwiebeln schält,
wenn niemals Sand im Schuhwerk steckt,
wenn alles mundet, alles schmeckt,
wenn alles immer bestens wär,
wenn alles einfach ging - statt schwer?

Das wäre schön, doch in der Tat -
auf lange Sicht - einfach zu fad.


Das dicke Ei

Neulich fand ich - war es gestern?
Unterhalb von Vogelnestern,
das bekannte dicke Ei,
prall gefüllt mit Allerlei.

Einen Irrsinn - ohne Schaden,
einen lang verlor'nen Faden,
Gift und Rache - teils verspritzt,
Ideale - aufgeschlitzt.

Freundschaftsschwüre vierter Klasse,
eine heile Untertasse,
Zwietracht, Hader, Gier und Neid.
Lügenmärchen, Zwist und Streit.

Federn, die mir jemand rupfte,
Taschentücher - vollgeschnupfte,
Unrat, der mich niederschlug,
Mistbazillen, Selbstbetrug.

Deshalb schlug ich jenes Ei
mit der Faust. Es ging entzwei.
Und die Geier dieser Stadt
frassen sich am Inhalt satt.


Sommergedanken

Über mir ein blauer Himmel.
Unter mir die Gartenbank.
Rechts und links ein Blumenteppich
und ein Kasten Bier im Schrank.

Vogelzwitschern in den Bäumen.
Amseln rascheln unterm Strauch.
Tabak in der Hosentasche
und die Sonne leckt den Bauch.

Denkbar wäre jetzt so vieles.
Heute bleibt es ungedacht.
Denn ich lass mich einfach treiben
und mein Hirn schläft ruhig und sacht.

Über mir ein Blauer Himmel.
Unter mir die Gartenbank.
Und statt eines Kasten Bieres
gähnt nun Leere aus dem Schrank.


Wer wohl?

Wer schleckt an jedem Zuckerbrot?
Wen schlägt man mit der Patsche tot?
Wer surrt sein Lied an Fensterscheiben?
Wen kann man niemals ganz vertreiben?

Wer ist ein Zimmerakrobat?
Wer fliegt auf Mist und Kopfsalat?
Wer turnt an der Gardinenstange?
Wem ist vor keinem Fausthieb bange?

Wer kraxelt alle Wände hoch -
fällt nie herunter - freut sich noch?
Wer tanzt so frech auf uns'rer Nase?
Wer schwirrt um jede Blumenvase?

Wem gilt ein derber, böser Fluch?
Wen hat man ungern zu Besuch?
Wer macht ganz selten eine Fliege?
Was macht mich wild, wenn ich's nicht kriege?

Wer bleibt in Spinnenfäden kleben?
Wer zahlt dafür mit seinem Leben?
Wer fühlt sich immer wohl bei dir?
Die Stubenfliege - sei nett zu ihr!


Was ist mit dem Winter los

Der Winter naht in diesem Jahr
erst mit dem letzten Zug.
Es ist schon weit nach Januar
- man denkt sofort: wie sonderbar -
und spricht gar von Betrug.

Der Winter kann gar nichts dafür
Was war sein Missgeschick?
Er stand vor einer Schließfachtür,
man wollte von ihm Nachgebühr:
ein übler, fauler Trick.

Er hatte gar kein Geld dabei,
nur etwas weißen Schnee.
Er fluchte laut mit einem Schrei,
dass dieses hinterhältig sei.
und dachte noch: Oh, weh.

Dann weinte er ganz hemmungslos,
weil er den Zug verpasst.
Er dachte noch: Was mach' ich bloss,
sein Arger wurde riesengross.
Er wurde ihm zur Last.

Doch eines Tags war es genug.
Er fasste sich ein Herz.
Er fragte nach dem nächsten Zug.
Er wolle gern zur Frühjahrskur.
Die Auskunft sagte ihm dann nur:
Der nächste fährt im März.


Der grosse Fang

Die Beine baumeln überm Bach,
der Hintern küsst den Boden.
Die Ufersteine - rund und flach.
Ich denke über Dinge nach.
Das ist noch nicht verboten.

Der Bach, er schlängelt durch das Tal.
Das Angeln führt zu Strafen.
Die Fische flitzen - gross an Zahl.
Der Haken wurmt - verdammt noch mal,
die Polizei wird schlafen.

Der Haken hängt an einem Seil
und will mit Wurmling baden.
Ein Mann am andern Uferteil,
wünscht fröhlich-grinsend Petri-Heil.
Ein Glückwunsch kann nicht schaden.

Die Fische halten sich den Bauch.
Sie schuppen sich vor Lachen.
Der Wurm am Haken lächelt auch,
- denn ich vergass den alten Brauch,
das Seilstück festzumachen.

Und so misslingt ein grosser Fang.
Die Angelschnur geht unter.
Und ungefangen, ohne Zwang,
schwimmt Flossiges den Bach entlang.
Die Gräten sind putzmunter.


Ein steifer Hals

Ein steifer Hals ist kein Vergnügen.
Ein Arbeitsplatz kein Himmelbett.
Ein Beichtstuhl ist kein Ort zum Lügen.
Ein Kühlschrank ist kein Bügelbrett.

Ein Schneemann ist kein Halsabschneider.
Ein Kochtopf ist kein Taschentuch.
Ein Bleistift ist kein Blitzableiter.
Ein Regenschirm kein Lesebuch.

Ein Felsen ist kein Ort zum Pflügen.
Ein Hustensaft ist kein Kaffee.
Ein steifer Hals ist kein Vergnügen
und tut - halsstarrig - weh.


Erkenntnis

Du redest wirr, du redest Blech,
du nimmst den Mund voll, meckerst frech.
Du schwätzt nur Humbug, dummen Quatsch
und spritzt mit Worten als wär's Matsch.
Du schwafelst, dass sich 'Gott' erbarm'.
Dein Geist ist dürftig - eher arm.
Du sprudelst wie ein Jauchefass.
Ich werde schon vom Zuhör'n nass.
Du redest Mist und Hühnerkacke.
- Ich schlage dir auf deine Backe.
Auf einmal wird mir offenbar,
dass ich der Schwätzer selber war.


In der Ruhe liegt die Kraft

Kurz nach acht. Man ist in Eile.
Keine Zeit für lange Weile.
Kaffee trinken, Brötchen essen.
Zähneputzen nicht vergessen.
Schnell ein Schluck Orangensaft.
- In der Ruhe liegt die Kraft.

Wo befindet sich mein Schlüssel?
Sicher liegt er in der Schüssel,
wo sich Kleinigkeiten türmen,
und vereint den Gipfel stürmen.
Krimskrams wuchert sagenhaft.
- In der Ruhe liegt die Kraft.

Nächtens hat man schlecht geschlafen.
Ausgemüdet - hageln Strafen.
Jede Arbeit wird misslingen,
Und statt Lob nur Tadel bringen.
Man ist fertig - abgeschlafft.
- In der Ruhe liegt die Kraft.

Gott-sei-Dank es blinken Sterne
in des Himmels weiter Ferne.
Alle Eile, die wir haben,
wird bis morgen früh begraben.
Diesen Tag hat man geschafft.
- In der Ruhe liegt die Kraft.


Kaffeepause

Beliebt ist eine Kaffeepause,
ob fern der Heimat, ob zuhause.
Denn dieser wohlbekannte Duft
riecht besser als die Zimmerluft.

Was wichtig scheint - wird aufgeschoben
und seiner Wichtigkeit enthoben.
Es zählt allein der Kaffeedurst
und alles andere ist "wurscht".

Ein Kaffee schmeckt selbst Untertassen,
wenn wir zu gierig nach ihm fassen.
Er weckt die Kräfte und zumeist
den ausgelaugten Lebensgeist.

Wie wohlig warm rinnt's durch die Kehle
und wandert weiter bis zur Seele.
Das alles schenkt uns ein Kaffee.
Man freut sich immer. Wie ich seh'.

Beliebt ist eine Kaffeepause.
Man fühlt sich förmlich wie zu Hause.
- selbst bei der Arbeit im Büro - .
Doch besser schmeckt er anderswo.


Gegensätze

Dicke, dünne - grosse, kleine,
Herzensgute, hundsgemeine.
Dichtbehaarte, kahlgeschor'ne.
Hochbetagte, neugebor'ne.
Kinderreiche und die ohne.
Mädchen aus der Roten Zone.
Nervensägen, nette Gören.
Menschen, die die Ruhe stören.
Unbekannte, Prominente.
Alte mit geringer Rente.
Ausgelaugte und auch die
voller Kraft und Energie.
Wollen immer nur das Eine:
Nämlich froh und glücklich sein.

Doch sie stolpern über Steine,
straucheln, fallen und ich meine:
Dies kann erst der Anfang sein
zu einem ausgewachs'nen "Schwein".


Das Leben ist ein Fragezeichen

Das Leben ist ein Fragezeichen.
Manchmal läuft es krumm.
Und man flucht dann ohnegleichen:
"Oh, wie blöd, wie dumm,
wie besch..eiden, oh wie schwer,
oh wie hirnlos, oh wie leer,
wie verflixt und zugenäht,
oh wie doof, wie aufgebläht,
wie verhext und feenfern,
nur der Teufel hat mich gern.
Das Leben ist ein Fragezeichen,
das unter allem Krummem funkt:
Punkt.


Narrenzeit im Land

Es naht die Zeit von Karamel,
von süssen Faschingskrapfen.
Ein Mauerblümchen schminkt sich grell
und wird dadurch zum Top-Modell.
Der Wirt muss schneller zapfen.

Die Oma geht als Räuberbraut
- ihr Enkel als Matrose.
Der Trubel ist ihm viel zu laut,
weshalb er ängstlich um sich schaut.
Die Angst geht in die Hose.

Konfetti regnet auf das Haar.
Die Trübsal kommt abhanden.
Man schreit "Helau", das ist ja klar.
Es schunkelt grölend eine Bar
im Glitzern der Girlanden.

Die Narren nehmen überhand
zu unser aller Freude.
Das Volk ist ausser Rand und Band.
So ist das Leben, Leute.
(Doch nur - für heute.)


Nicht oft

Ein Jäger ohne Schießgewehr,
ein Seemann ohne Schiff,
ein Staatsvolk ohne Militär,
ein Messer ohne Schliff,
ein Garten ohne Morgentau,
ein Obstbaum ohne Frucht,
ein Abend ohne Tagesschau,
ein Treffer ohne Wucht,
ein Frühling ohne Blütenpracht,
ein Apfel ohne Wurm,
ein Sternenhimmel ohne Nacht,
ein Wächter ohne Turm,
ein Auto ohne Blech und Rost,
ein Fenster ohne Glas,
ein Keller ohne Wein und Most,
ein Lachen ohne Spass,
ein Rendezvous ganz unverhofft.
Das alles gibt es -
doch nicht oft.


Schweine

Schweine grunzen frohe Weisen,
schnüffeln quiekend im Morast,
stochern mit den kurzen Rüsseln
nach den Körnern - voller Hast.

Rosa Ferkel reißen Witze
und Sau Mutter lacht dazu -
ausser bei vermenschten Zoten.
Sowas bringt sie aus der Ruh'.

Vater Eber schnaubt zufrieden,
denn die Ferkel sind sein Werk.
Und er ringelt sich sein Schwänzchen,
Borsten stehen ihm zu Berg.

Diese quietschvergnügte Meute
hat doch wirklich Schweineglück.
Ausser - es wär' Schlachttag heute,
und der Bauer holte sich ein fettes Stück.


Ein Osterhase im Winter

Ein klitzekleiner Osterhase,
der bohrt verstört in seiner Nase.
Geduckt hockt er am Wegesrand.
Sein Blick schweift traurig übers Land.

Die Löffel wirken langgezogen.
Die schnöde Welt hat ihn betrogen.
Was ist des Hasen Missgeschick?
Man würdigt ihn mit keinem Blick.

Er hoppelt einsam durch die Fluren,
legt hakenschlagend Hasenspuren.
Und kommt ein Wanderer daher,
dann hasenfusst er kreuz und quer.
Es dämmert schon. -
Der Wandersmann, der sieht's nicht mehr.

"Warum", beginnt der Hase seine Klage,
"bin ich beliebt am Ostertage,
doch niemals, wenn es stürmt und schneit?"

Berechtigt scheint mir seine Frage!
Ein Besserwisser weiß Bescheid:
"Im Winter zählt bei allen nur
- die Weihnachtszeit."


Ein - oder zwei Esel

Ein Esel tritt mit seinem Huf
und sagt, das sei sein Hauptberuf.
Er meckert dabei störrisch, frech
und redet wirres, hohles Blech.

Die Dornen sind sein Lieblingsplatz.
Er ieht und aaht in jedem Satz.
Er frisst die Dummheit, fühlt sich schlau.
Sein Name lautet: Meister Grau.

Zu jeder Sache weiß er Rat.
Ein Esel-Ei schmeckt delikat.
Zumindest wenn man es verschluckt.
Doch später wird es ausgespuckt.

Ein Esel nutzt die meiste Zeit
für ausgedehnten Zwist und Streit.
Verleumdet alles, was sich regt
und eine and're Meinung pflegt.

Er selber sei ein grosser Geist,
das denkt er sich, was glatt beweist,
wie eselhaft er von sich denkt,
da er sich selber Glauben schenkt.

Du meinst vielleicht, ich spreche nur
von einem Esel - keine Spur.
Ich meine nicht das arme Tier.
Es ist missbraucht zum Schimpfwort hier.
Du denkst, dass ich ein Esel sei!
Da hast du recht, schon sind wir zwei.


Ein Wort

Ein Wort bleibt quer im Halse stecken.
Natürlich stoppt der Redefluss.
Der Sprecher kann daran ersticken.
Das ist bestimmt kein Hochgenuss.
Er japst nach Luft und stottert prächtig.
Das Wort verkantet immer mehr.
Dann rutscht es langsam und bedächtig
die Speiseröhre hin und her.
Auf einmal liegt es schwer im Magen.
Der Sprecher radebrecht verstört.
Er muss es ungesagt ertragen.
Es bleibt wohl ewig ungehört.
Dann geht es auf die lange Reise
und windet sich im Darm davon.
Es ändert seine Lebensweise
und endet statt als Wort - als Ton.


Fasching

Morgen darfst du Maske zeigen.
Morgen lacht der Maskenball.
Morgen darf die Trauer schweigen.
Morgen tanzt der Karneval.

Morgen darfst du fröhlich lachen.
Morgen ist ein Spass erlaubt.
Morgen fließen scharfe Sachen.
Morgen krönt ein Hut dein Haupt.

Morgen werden wir zu Narren.
Morgen pfeift der Faschingszug.
Morgen funkeln alte Karren.
Morgen gilt ein Jux als klug.

Morgen herrscht der Faschingstrubel.
Morgen grölt die Narretei.
Morgen kostet man vom Jubel.
Übermorgen kommt ein Kater.
So geht dieser Spass vorbei.


Ein Pinguin

Ein kleiner, flotter Pinguin,
mit einem schwarzen Frack.
Der wollte in die Sonne zieh'n.
Sein Schuhzeug zierte Lack.

Er lutschte noch ein Eis am Stiel,
das ihm ein Seehund gab.
Er sprach von seinem Reiseziel
und nahm den Wanderstab.

Er legte los im Watschelgang.
Er kam nicht recht vom Fleck.
Da dachte er: "Der Weg ist lang!
Mein Ziel hat keinen Zweck."

Er kehrte um, da war ihm wohl.
Er folgte seiner Spur.
Die führte ihn zurück zum Pol.
Dort fragte er:
"Ein Pinguin mit Sonnenbrand?
Was soll das nur?"


Wünsche

Ich wünsche dir fürs neue Jahr:
Gesundheit, Glück und Gottes Segen,
den Sternenglanz auf deinen Wegen
und einen Retter bei Gefahr.

Ich wünsche dir den Kinderblick,
das Staunen über kleine Sachen,
den Spass, die Freude und das Lachen
bei Arger oder Missgeschick.

Ich wünsche dir auf wilder See,
dass du den Weg zum Hafen findest
und alle Stürme überwindest.
Dein Lotse sei die gute Fee.

Ich wünsche dir Geborgenheit.
Die Möglichkeit zum lauten Klagen
und Trost in deinen schweren Tagen
des Kummers und der Bitterkeit.

Was du dir wünscht, das werde wahr.
Es mögen deine Träumereien
im Garten sprießen und gedeihen.
Mein Wunsch für dich: ein gutes Jahr.


Es möge dir wohl ergehen

Es treffe dich kein Hagelschauer,
kein Tiefschlag und kein Fliegendreck,
kein Backstein einer morschen Mauer
und auch kein brauner Kaffeefleck.

Sei gut gelaunt an trüben Tagen.
Und freue dich zu jeder Zeit.
Nichts Schweres liege dir im Magen.
Und pflege die Gemütlichkeit.

Es blühe dir auf deinen Pfaden
die kunterbunte Blumenpracht.
Und sei verschont von jedem Schaden,
der deinem Herzen Kummer macht.


März

Im Frühling schmilzt die Sonne
die weiße Winterpracht.
Es plätschert allerorten.
Es gluckert durch die Nacht.

Am Wegrand wachsen Blumen
ins helle Sonnenlicht.
Und viele Menschen zeigen
ein Feiertagsgesicht.

Im Garten zwitschern Vögel,
sie zogen bis hierher.
Sie weilten in der Ferne
und flogen übers Meer.

Im Frühling blüht das Leben
in jedem grünen Keim.
Wir staunen gottergeben
und fühlen uns in der Natur - daheim.


Danke für das Himmelblau

Danke für das Himmelblau.
Danke für die Nebelschwaden.
Danke für den Morgentau
im gewebten Spinnenfaden.

Danke für den Strassenstaub.
Danke für die Apfelsine.
Danke für verwelktes Laub
und den Fleiß der Arbeitsbiene.

Danke für den Weihnachtsmann.
Danke für den Nieselregen.
Danke für den Lebensplan
und den Gottessegen.



Die Zeit - Thema

Die Zeit kennt keine Eile,
Sie hat für jeden Zeit.
Sie wandert eine Weile,
und steht für uns bereit.

Sie lässt sich niemals hetzen
und Umkehr kennt sie nicht.
Sie ist nicht zu ersetzen.
Sie ändert ihr Gesicht.

Die Zeit lässt sich nicht halten.
Sie schreitet stündlich fort.
Sie lässt sich nicht verwalten
und weilt an jedem Ort.

Die Zeit ist stets bescheiden.
Die Zeit hält immer Wacht,
Zu allen Tageszeiten
und auch im Dunkel
einer sternenlosen Nacht.


Die Zeit - Variation

Die Zeit rollt in die Ewigkeit
und nimmt die Tränen mit.
Sie lästert nie. Sie lächelt breit.
Wir halten mit ihr Schritt.

Sie kennt kein Ruhen, keine Rast.
- Sie macht sich nichts daraus.
Sie trödelt nie, wenn's ihr nicht passt,
und schläft im Schneckenhaus.

Die Zeit winkt allen freundlich zu.
Nicht jeder winkt zurück.
Sie lädt uns ein zum Rendez-vous.
Zuweilen lacht das Glück.

Die Zeit rollt ohne Pferdekraft.
Es scheint: Sie hat noch Zeit.
Sie schenkt uns manchmal neue Kraft.
Und führt uns fort - aus der Vergangenheit.


Jeder Tag

Jeder Tag will neu begonnen werden.
Morgens ist er fad und hüllenleer.
Augen öffnen: schafft schon Seh-Beschwerden,
alles dösig, matt und körperschwer.

Doch an manchen Tagen kannst du singen,
nichts, was deine Laune dir vermiest.
Alles Handeln fügt sich im Gelingen,
was auch immer du zu tun beschließt.

Immer neu musst du den Tag umarmen,
denn was gestern war, ist längst vorbei.
Manche Tage kennen kein Erbarmen:
Der Abgrund naht - du bist nicht schwindelfrei.

Schimpfe wie ein Rohrspatz und beweine
diesen Tag und bleibe unrasiert.
Zeige Borsten wie die Stachelschweine,
doch bitte sei nicht resigniert.

Dieser Tag wird nie mehr wiederkehren,
weil er keinen Rückweg finden kann.
Höhern Orts kannst du dich zwar beschweren,
doch er fängt deswegen nicht von vorne an.


Gebet

Bewahre mich vor Zank und Streit,
vor Niedertracht und Hinterlist.
Und zeige mir zu jeder Zeit,
was Gott- und wohlgefällig ist.

Beschütze mich in meiner Not.
Sei meine Zuflucht, meine Wacht.
Und schenke mir mein täglich Brot.
Und gib auf meine Freunde acht.

Doch wenn ein Zweifel mich befällt,
dann führe mich zurück zu dir.
Und sei mein Trost in dieser Welt.
Und geh nicht fort: Sei nah bei mir.


Wie es manchmal geht

Mit manchem bin ich lang beschäftigt.
Es beißt sich in mir fest.
Es zehrt an mir und leicht entkräftet
wird mir mein Hirn zum Wespennest.

Gedanken schwirren wie benommen,
verfolgen mich - selbst noch im Traum.
Der Zustand wird mir schlecht bekommen.
Ich habe mich nicht mehr im Zaum.

Der kleinste Anlass reizt zum Streiten.
Man hat zum Streiten keinen Grund.
Doch irgendwann nach "sorgenvollen Zeiten",
da lacht man auf - und grinst: "Na und?"


Wer?

Wer gibt auf jede Pflanze acht?
Wer führt uns sicher durch die Nacht?
Wer mildert jedes Tränenleid?
Wer übt an uns Barmherzigkeit?
Wer kennt den Weg, wer weiß stets Rat?
Wer ist bei uns am Gletschergrat?
Wer ist der Retter in der Not?
Wer schenkt uns Wasser, Wein und Brot?
Wer hegt und pflegt den kleinsten Samen?
Der ewig-gute Schöpfer. Amen.


Und dann?

Das Wasser schleift die Steine glatt.
Im Herbst verwelkt ein grünes Blatt.
Der Häftling wird ein freier Mann.
Und dann?

Der Samen sprießt. Es wächst ein Baum.
Er dehnt sich aus durch Zeit und Raum.
Die Menschheit hält den Atem an.
Und dann?

Die Ebbe geht. Es folgt die Flut.
Die Ente sorgt für ihre Brut.
Ein Gockel kräht, so lang er kann.
Und dann?

Der Wind weht stürmisch durch das Land.
Der Wohlstand raubt uns den Verstand.
Wir leben nur bis irgendwann.
Und dann?


Lass mich durch mein Leben streifen

Lass mich durch mein Leben streifen
wie ein Fuchs durch freies Feld.
Lass mich sehen und begreifen,
was die Zeit mir offenhält.

Wind und Wetter, Wolkengießen.
Sonnenstrahl auf Buntsandstein,
feuchter Tau auf grünen Wiesen.
Liebe, Trost, Geborgensein.

Schatten an der Wasserquelle,
Vogelzwitschern in der Luft.
Dämmerung und Morgenhelle,
Meeresbrandung, Blütenduft.

Lass mich durch mein Leben streifen
wie ein Fuchs durch freies Feld.
Lass mich sehen und begreifen,
dass stets einer zu mir hält.


Laufen

Das Laufen hilft dem Denken auf die Beine.
Dem Hirn entfleucht der Moderduft.
Bist du zu zweit, bist du alleine.
Du lebst neu auf - an frischer Luft.

Am schönsten ist es zwischen alten Bäumen,
die Füsse rascheln vogelhaft im Laub.
Das Herz kann sich zu fernen Ufern träumen.
Für alles Sorgenvolle wird die Seele taub.

An manchen Stellen bleibst du sinnend stehen.
Du blickst zurück und schaust erstaunt.
Es machte Mühe, meilenweit zu gehen.
Doch dir ist wohl und du bist gutgelaunt.


Im nachhinein

Nimm dein Leben auf die Schulter,
wenn es nicht mehr gehen kann.
Wenn es sein muss - auf die leichte.
Fang ein neues Lachen an.

Lass den Kummer böig stürmen,
rette dich - egal wohin.
Dreh im Schlupfloch langsam Däumchen.
Schaff dir somit Zeitgewinn.

Sei nicht allzusehr verwegen.
Zeige Stolz und frohen Mut.
Hab Geduld bei Dauerregen.
Alles renkt sich und wird gut.

Steck den Kopf nicht zwischen Steine.
Leg dich flach auf warmen Sand.
Manchmal fühlst du dich alleine.
Weine Tränen auf die Hand.

Nimm die Sorgen, wie sie kommen.
Rege dich nicht künstlich auf.
Schon von vielem hast du angenommen:
Dieses wird dir schlecht bekommen.

Doch es kam im nachhinein
anders als du dachtest:
Und so wird es immer sein.


Einer

Einer wischt den Tresen blank,
einer schleppt den Kleiderschrank,
einer geht als Lohnbuchhalter,
einer steht am Bahnhofsschalter.

Einer regelt den Verkehr,
einer segelt übers Meer,
einer locht und zwickt den Fahrschein,
einer mästet brav sein Sparschwein.

Einer lehrt das Schullatein,
einer keltert Most und Wein,
einer schüttelt fremde Pfötchen,
einer backt die röschen Brötchen.

Einer klimpert am Klavier,
einer braut das dunkle Bier,
einer quält die Schreibmaschine,
einer melkt die Honigbiene.

Einer singt im Opernhaus,
einer pflückt den Blumenstrauss,
einer fährt den schweren Laster,
einer kehrt das Strassenpflaster.

Einer kommt und einer geht.
Damit das Ganze
nicht stille steht.


Wer gibt mir die Sprache

Wer gibt mir die Sprache, das Wort, den Verstand?
Wie heißt dieser Jemand Unbekannt?
Wo führt er mich hin? Wo komme ich her?
Das Wasser dreht Mühlen und fließt ins Meer.

Wer schenkt mir am Abend erholsamen Schlaf?
Wer fürchtet weder Raubtier noch Schaf?
Wer lässt mir die Freiheit, zu sein wie ich bin?
Das Wasser fließt endlos vor sich hin.

Wer teilt meine Zweifel und trägt mich ein Stück?
Wer nimmt mich am Arm und führt mich zurück?
Wer weiß, was ich denke? Wer spricht mir ins Ohr?
Das Wasser fließt durch ein Schleusentor.

Wer kann mit mir weinen? Wer weint tröstend mit?
Wer ist mein Begleiter auf Schritt und Tritt?
Ich fühle und ahne, mein Geist ist zu schwach.
Das Meer ist am Anfang immer ein Bach.


Du

Du bist meine Sehnsucht,
mein Weg und mein Ziel.
Du reichst mir die Hände,
du gibst mir so viel.
Du kennst meine Sorgen,
mein Jammern, mein Leid,
mein Irren und meine
Einsamkeit.
Du weißt, wie ich lache,
du siehst meine Not.
Du kennst meine Schwächen
- mein tägliches Brot.
Du bist meine Brücke
im Strudel der Zeit.
Du hälst mich geborgen
bis an die Schwelle
der Unendlichkeit.



Sei dankbar

Sei dankbar einer Blumenwiese,
der Taube auf dem Dach,
der frischen, kühlen Meeresbrise,
dem Weidenbusch am Bach.

Sei dankbar einer Dornenhecke,
dem Buchfink auf dem Strauch,
der Spinne an der Zimmerdecke
- natürlich auch.

Sei dankbar allen Jahreszeiten,
der bunten Blütenpracht,
den Spatzen, die sich lärmend streiten,
und nachts dem Mond,
der dich bewacht.


Du hältst zu mir

Du hältst zu mir, wenn niemand zu mir hält.
Du bist bei mir, wenn keiner sich zu mir gesellt.
Du wischt mir meine Tränen vom Gesicht.
Und manchmal denke ich: Es gibt dich nicht.

Du grüsst mich, wenn mich keiner grüssen mag.
Du bist ein Regenschirm an einem trüben Tag.
In jeder Pflanze bist du unergründlich nah.
Und manchmal denke ich: Du bist nicht da.

Du klagst nicht, wenn ich dich nicht sehen will.
Du bleibst mir wohlgesinnt und wartest still.
Doch wenn ich traurig bin, dann hast du Zeit.
So spüre ich ein Stück von deiner Wirklichkeit.


Hoffnung

Der Himmel voller Geigen
hängt schief und wolkenschwer.
Die frohen Lieder schweigen.
Ein Sturm tobt auf dem Meer.

Der Duft von roten Blüten
legt eine Pause ein.
Es ist ein Wolf zu hüten
und Gänse obendrein.

Dem lauen Frühlingswehen
folgt Kälte, Frost und Eis.
Mir wird vom Däumchendrehen
schon schwindelig und heiß.

Der Frohsinn schläft im Schatten.
Mein holder Glücksstern döst.
Ich zahle tausend Raten
bis mich ein Sonnenstrahl erlöst.


Es ist dein Recht

Es ist dein Recht, davonzuschleichen,
so wie ein Dieb es tut bei Nacht.
Was wolltest du damit erreichen?
Was hat dich nur dazu gebracht?

Dein Motto waren immer grosse Töne,
dass all das Wunderbare, Schöne
dir jeden Liebeszweifel raubt.
Ich Rindvieh habe dir geglaubt.

Nun bist du fort, kehrst nie mehr wieder.
Im Radio trällern Schnulzenlieder.
Sie schmettern durch das ganze Haus.
Ab heute bleibt der Kasten aus.

Es war dein Recht davonzuschleichen.
Du sagst, du hattest keine Wahl.
Du musstest einfach von mir weichen.
Dann bleibe, wo der Pfeffer wächst -

zumindest bis zum nächsten Mal.


In meinem Kopf

In meinem Kopf erblühen manchmal Rosen
und Disteln wuchern silbrig nebenan.
Der Leichtsinn führt sich auf wie die Mimosen,
er klappt zusammen, fängt von vorne an.

Die Sonnenfinsternis ist ausgeblieben,
doch bleibt ein Platz für Dunkles reserviert.
Zwar hat die Sonne Wolkengrau vertrieben,
doch manchmal ist sie schwach, so dass man friert.

Es wachsen die Gefühle mit den Jahren,
das Wichtige verliert sich mit der Zeit.
Man kennt Gefühle, wie sie früher waren,
doch heute stehen andere bereit.

So viele Dinge, die mir wichtig scheinen,
verlieren ganz allmählich ihr Gewicht,
verlagern sich, bis sie sich selbst verneinen,
verschwinden wortlos, wie ein morscher Ast der bricht.

Doch wächst stets andres nach auf dem Gelände,
ganz ausserhalb von Zeit und Raum und Norm.
Ich nehme staunend neues in die Hände,
erfühle seine völlig fremde Form.

Das Fremde blüht zu wohlbekannten Rosen,
die ranken kreuz und quer in meinem Kopf.
Sie sind so zahlreich wie die Herbstzeitlosen
und überwintern nie im Blumentopf.


Früher - Später - Heute - Morgen

Früher war ich ausgelassen,
froh gestimmt und aufgeweckt,
ging beschwingt durch alle Gassen,
war mit Leichtsinn eingedeckt.

Kannte keine schlechten Launen,
war ein Kind der Heiterkeit.
Hörte immer mit Erstaunen:
Reden über Traurigkeit.

Später zogen grau geschwärzte
Wolkenschwaden auf mich zu.
Fielen auf mich und es schmerzte.
Aus - vorbei - die Seelenruh.

Ganz zerschunden und zerschlagen,
kroch ich hilfehreischend, krumm;
bis zum Hals im Unbehagen
mut- und ziellos, feig herum.

Hör ich heute Jammerlieder,
geh ich manchmal einfach weg.
Denn sonst gärt in mir dann wieder
jener alt-bekannte Dreck.

Würde gerne drüber stehen,
wäre gern vor Lachen toll.
Würde gern mit meinen Zehen
drüber steigen - würdevoll.

Wenn ich mir das Morgen träume,
bin ich, wie ich früher war:
Aufgekratzt und ich versäume
nichts von dem, was wunderbar.

Ziehe pfeifend meine Runden,
schalkhaft, sprudelnd, aufgedreht.
Habe mich erneut gefunden
bis alles wieder von vorn losgeht.


Mein Boot

Mein Boot schwimmt ohne Hast durchs Wellental.
Die Ruder liegen unbenutzt im Bug.
Des Morgens kitzelt mich ein Sonnenstrahl,
beschnuppert mich, als wär's das erste Mal.
Das hab ich gern und krieg doch nie genug.

Die Planken sind aus hartem Holz gezimmert,
die Querverbindungen sind so verstrebt,
dass dieses Boot zwar ächzt und leise wimmert,
wenn sich der Seegang wegen Sturm verschlimmert,
doch dass das Boot den Windsturm überlebt.

Beim Bootsbau war kein Fachmann aufzutreiben.
Es ist ein Boot der Marke Eigenbau.
Wie es geschah, das kann ich nicht beschreiben,
das Boot wird schwankend überm Wasser bleiben,
wenn ich den Sternen und dem Meer vertrau.

Kann mich mein Boot nicht schützen und nicht tragen
und mich dann doch einmal im Stiche lässt.
Wenn schroffe Klippen aus dem Wasser ragen
und tausend Stürme ihren Angriff wagen,
dann halt ich mich an einer Planke fest.

Die Planke treibt gelangweilt kreuz und quer.
Ich halt mich fest mit meiner linken Hand.
Die Strömung schiebt das Holzstück vor sich her.
Sie kennt die Richtung durch das weite Meer
und spült mich sanft zum Palmenstrand.


Menschenleben

Das sogenannte Menschenleben,
das gibt es nur im Ich-Format.
Kein Fremder kann dir seines geben
und deine Wunden überkleben -
da hilft auch keine Wundertat.

Dein Nachbar kann das schönste sagen,
was ihn zu seinem Frohsinn bringt.
Dein Leben musst du selbst ertragen,
auch wenn die Zweifel an dir nagen
und jeder Handgriff dir misslingt.

Ein jeder legt auf seiner Reise
am besten seinen Massstab an;
denn jeder lebt auf seine Weise,
zieht seine eignen krummen Kreise
und niemals die vom Nebenmann.

Du kannst die andern zwar beneiden
und träumen, so wie sie zu sein.
Dein Leben kannst nur du entscheiden,
nur du allein.


Keine Träume

Träume kann ich euch nicht schenken.
Weißes gilbt und färbt sich grau.
Doch die Tassen in den Schränken,
mal ich für euch himmelblau.

Keine Träne kann ich weinen,
wenn die Trübsal in euch wohnt.
Doch ich kann mit beiden Beinen
für euch hüpfen: Richtung Mond.

Angste kann ich euch nicht nehmen.
Unsinn wuchert überall.
Doch ich kann mich für euch schämen,
wüsste aber keinen Fall.

Schritte kann ich für euch gehen,
doch ihr selber bleibt zurück,
würdet nur am Flussrand stehen
von dem längst vergang'nen Glück.

Worte kann ich für euch stammeln
die ein andrer mir erdacht.
Türen schließen und verrammeln,
Wache halten in der Nacht.

Blumen könnt ich für euch pflücken,
doch ich lass sie gerne stehn,
denn es macht mir stets Entzücken
pfeifend dran vorbeizugehn.

Lachen müssen wir uns geben,
Weinen kann man ganz allein.
Doch der Trumpf in einem Leben,
wird bestimmt das Lachen sein.


Vorsätze

Ich will dem Sonnenschein vertrauen
der Trübsal keine Nahrung geben.
Ich will mir keinen Tag verbauen
und aus dem Vollen leben.

Ich will der Kleinlichkeit entfliehen
und an den bunten Blumen riechen.
Anstatt den falschen Schluss zu ziehen,
mich ängstlich zu verkriechen.

Ich will mir wieder unbetrübt begegnen
auf neuen und auf alten Plätzen.
Und sollte es vom Himmel regnen,
mich zu mir setzen.

Ich will das Hier und Jetzt bedenken
und keine dummen Fehler machen.
Ich will mir neue Träume schenken
und lachen, lachen, lachen.


Was zum Teufel?

Was zum Teufel nutzt es mir,
wenn ich weiß: man lügt mich an.
Wenn ich weiß: die nette Tour
wird benutzt als fieser Plan.

Was zum Teufel kümmert mich,
wenn mich jemand hintergeht.
Wenn das Wort: Ich-freue-mich
nur als Floskel noch besteht.

Was zum Teufel schert es mich,
wenn ein Mensch die Zähne bleckt.
Und durch diese Hinterlist
mein Vertrauen zu ihm weckt.

Was zum Teufel soll ich tun,
wenn die Lüge Bände spricht.
Und mein Teufel sagt zu mir:
"Lach der Lüge ins Gesicht!"


Ich kenne ...

Ich kenne meine Wünsche,
mein Sehnen und mein Ziel.
Die Wahrheit meiner Worte
und meinen Lebensstil.

Ich kenne meine Tränen,
mein Schicksal und mein Leid,
die Schmerzen schwarzer Tage
und meine Traurigkeit.

Ich kenne meine Stärken,
mein erstes Liebesglück.
Den Rausch aus jenen Tagen
und meinen Rückwärtsblick.

Ich kenne meine Schwächen,
den Weg zum Untergang.
Mein Irren und mein Tasten
- am Stock entlang.

Ich kenne meine Wünsche
und meinen neuen Plan.
Im Dickicht lebt verborgen:
das Ziel von meinem nebenan.


Im Norden

Wo die Hügel - Berge heißen
und die Möwen gellend kreisen,
fand mein letzter Urlaub statt.
Ich muss sagen: "Ich war platt."

Meereskronen, Nordseekinder.
Schwarzgefleckte Geestlandrinder.
Fachwerk weiß - mit klugem Spruch
und im Hafen - Fischgeruch.

Reich geschnitzte Häusergiebel.
Reetgedeckt statt Dächerziegel.
Jeder Leuchtturm blinkt charmant
übers Watt ins flache Land.

Sonne, Regen und Gezeiten
übten sich im fairen Streiten.
Wechselten sich ab am Tag.
Doch eher träg, behäbig
erschien mir dort der Menschenschlag.


Erwartungen

Was erwarte ich vom Leben?
Butterbrote und Verstand.
Füsse, um mich zu bewegen,
und ein warmes Nachtgewand.

Einsamkeit auf Seitenwegen,
Unkrautduft am Wegesrand,
Wiesen, um mich drauf zu legen
und am Meer den weißen Sand.

Wolken, die am Himmel wandern.
Früh am Tag ein Vogellied.
Eine Brücke zu den andern,
dass Gedanken-Tausch geschieht.

Keine lange Langeweile,
keine Ziele, keinen Plan,
keine Hektik, keine Eile,
Ruhe, die ich finden kann.

Von der Sonne warme Strahlen,
die die Kälte nicht verschont.
Und im Kopf die Postleitzahlen,
wo die liebe Freundin wohnt.

Vieles kann das Leben geben.
Manchmal will ich wohl zu viel.
Darum gebe mir das Leben,
was es geben will.


Je nachdem

Du kannst mir deine Meinung geigen.
Du kannst mit Fingern auf mich zeigen.
Du kannst mich abgrundtief verachten.
Du kannst mir nach dem Leben trachten.
Du kannst dich über mich beklagen.
Du kannst mich mit der Axt erschlagen.
Du kannst mich in die Pfanne hauen.
Du kannst mir aber auch vertrauen.
Du kannst mein plattes Fahrrad schieben.
Du kannst mich mögen und mich lieben.


Der Tag

Der Tag legt seine Brille
für eine Weile weg.
Er sehnt sich nach der Stille.
Das ist sein letzter Wille.
Er hat genug vom Sonnendeck.

Die Nacht schließt ihm die Lider.
Streicht zärtlich durch sein Haar.
Sie fällt auf ihn hernieder,
bedeckt die müden Glieder -
so wie es Jahrmillionen war.

Der Tag genießt die Ruhe,
zieht dunkle Socken an.
Nimmt's Nachthemd aus der Truhe.
Verstaut die Tagesschuhe
und fängt dann leis' zu schnarchen an.


Durch die Sterne

Lachend durch die Sterne laufen,
links am grossen Bär entlang.
Bei der Sonne kurz verschnaufen,
warten bis zum Untergang.

Umstieg in den grossen Wagen.
Jupiter seufzt tief und raunt.
Gib nicht acht auf seine Klagen,
heute ist er schlecht gelaunt.

Plötzlich Milch auf g'rader Strasse.
Fuss vom Gas: Jetzt nur die Ruh'!
Vorsicht links, die Blumenvase,
- die ist futsch, das hat se nu!

Drüben wirkt das Licht noch greller,
spielt dort nicht die Galaxie
mit den Sternen: Fang mich schneller?
- Aber nein - Nur Phantasie.

Langsam geht der Sprit zu Ende.
Keine Angst, das Ziel ist nah.
Hinten kommt die Zeitenwende
und die Nebel von --- Andromeda.


Der Regen

Der Regen tropft aufs Ziegeldach,
auf graue Häuserwände.
Auf Wellblechhütten schlägt er Krach.
Von Büschen tröpfelt er nur schwach
auf braunes Matschgelände.

Der Regen kommt, wann es ihm passt.
Es gießt so manche Stunde.
Der Regen trommelt ohne Hast
und bleibt ein Weilchen unser Gast.
Wir fluchen eine Runde.

Der Regen tropft aufs Häusermeer
und auf die Sonnenblende.
Die Wolke weint. - Jetzt ist sie leer.
Von nun an tropft es gar nicht mehr.
Der Regen hat ein Ende.


Ein grauer Tag

Graue Schleier, die sich reihen.
Jeder Sonnenstrahl verstellt.
Kein verzücktes Kinderschreien,
welches sich zu mir gesellt.

Jeder sitzt verstimmt zuhause,
ödet kahle Wände an.
Selbst das Leben macht 'ne Pause.
Und es löffelt Lebertran.

Tee mit Rum will gar nicht schmecken.
Niemand kommt heut' zu Besuch.
Nichts kann meine Neugier wecken
- weder Zeitung noch ein Buch.

Träge, faul wird rumgehangen.
Auch das Hirn ist längst verstockt.
Raben krächzen auf den Stangen,
wo sonst Bruder Frohsinn hockt.


Ich wäre gern ...

Ich wäre gern ein Meilenstein,
ein weiches Himmelbett,
ein Elefant aus Elfenbein,
ein langes Bügelbrett.

Ich wäre gern ein Federball,
ein gelbes Segeltuch,
ein aufgeräumter Schweinestall,
ein Kindertagebuch.

Ich wäre gern ein Ruderboot,
ein Stück vom Rettungsseil,
das Pergament vom Butterbrot,
am Strassenrand ein Richtungspfeil.

Ich wäre gern ein Ofenrohr,
ein Ast mit Vogelnest,
ein altes Netz am Fussballtor,
ein Lampion beim Gartenfest.

Ich wäre gerne zu was nütze.
Das Leben aber ist gemein.
Der Regen fällt in eine Pfütze.
Und ich ......... hinein.


Wenn alle Stricke reißen

Wenn alle Stricke reißen,
wenn selbst ein Tau nicht hält,
wenn alles Gute, Schöne
in sich zusammenfällt.
Wenn Freunde, Feinde werden,
wenn niemand mit mir lacht,
wenn alles Wunderbare
in sich zusammenkracht.
Wenn alle Lügen siegen,
wenn mich die Armut quält,
wenn nur ein Teufelsbraten
als engster Freund mir zählt.
Wenn alle Tränen fließen,
wenn jede Hoffnung sinkt,
und wenn dann wieder alles
zum Himmel stinkt.
Dann will ich überlegen:
"Was hab ich falsch gemacht?"
Die Antwort kann nur lauten:
"Du hast zuviel gedacht!"


Am Morgen

Am Morgen schweigt die Welt noch still.
Sie träumt vom Seelenfrieden.
Es fehlt der schroffe Alltagsdrill.
Die Welt kann machen, was sie will.
Es ist ihr Glück beschieden.

Kein Auspuffknattern schreckt sie wach.
Kein Fließband in der Halle.
Nur bunte Vögel trällern schwach.
Das endet bald und kurz danach
entstehen Lärmkrawalle.

Die Ampelfarben blinken grell.
Ein Schutzmann pfeift nach Noten.
Die Autos rasen - jagend schnell.
Der Notarzt schwingt schon sein Skalpell
und denkt: "Ihr Idioten!"

Doch irgendwann erwacht die Nacht.
Es herrscht erneut die Stille.
Die Welt ruht friedlich und gibt acht,
dass niemand ein Getöse macht.
Dann putzt sie ihre Brille.


Wenn die Enten ...

Wenn die Enten quakend schnattern,
wild mit ihren Flügeln flattern,
Tauben auf den Dächern gurren,
Katzen faul am Ofen schnurren,
wird das Harte - aufgeweicht
und das Schwere - federleicht.

Wenn die Dschungelelefanten
und die ihnen Anverwandten
auf dem Glatteis Polka tanzen
- zum Vergnügen ihrer Wanzen,
wird Vergilbtes - blütenweiß
und die kalten Füsse - heiß.

Wenn die Affen auf den Bäumen
von den Menschen-Affen träumen,
wenn die Mäuse auf dem Rasen
Wege bau'n und Einbahnstrassen,
flieht der Kummer und das Leid
- wenigstens für kurze Zeit.


Geburts-Tag

Sicher tritt in meinem Leben
ein Geburts-Tag nie mehr ein.
Könnte alles dafür geben,
es würd' nie mehr Anfang sein.

Manche wohlgesinnten Leute
fragen ganz naiv im März:
"Hast du nicht Geburts-Tag heute?"
und mir klingt das wie ein Scherz.

Habt ihr mich als Geist gesehen?
Bin ich noch nicht auf der Welt?
Leb ich, wo die Sternlein stehen,
oben dort am Himmelszelt?

Dieses kann ich gar nicht glauben!
Spür ich nicht den Übermut,
und des Lebens süsse Trauben?
Schmeckt nicht manche herz-haft gut?

Leb ich noch im Paradiese?
Gibt es keine Erdenpflicht?
Lieg ich auf 'ner Wolkenwiese?
Rauche ich vielleicht noch nicht?

Auf die ganzen vielen Fragen:
wie das mit mir wirklich sei,
kann ich nur die Wahrheit sagen:
Mein Geburts-Tag ist vorbei.


Was ich nicht bin!

Ich bin kein Schwerenöter,
kein Troubadour d'Amour,
kein dummer Strassenköter,
der kläfft in einer Tour.

Ich bin kein Tiefseetaucher,
kein Kapitän zur See,
kein Endlos-Kettenraucher,
kein Weihnachtsmann im Schnee.

Ich bin kein Jahrmarktsschreier,
kein Tänzer auf dem Seil,
kein Beutestück für Geier,
kein Affenhinterteil.

Ich bin kein Rattenfänger,
kein weißes Blatt im Klo,
kein blinder Einzelgänger,
kein zirkusreifer Floh.

Ich bin kein Freund des Streitens,
kein Lächler bei Geschmarr,
kein Krückstock zum Begleiten.
Ich bin kein - nein, ich bin ein Narr.


Gross- und kleinkariert

Es ist nie zu spät zu lernen,
ganz egal wie alt ich bin.
Immer muss ich mich entfernen
von der Suche nach dem Sinn.

Immer neu muss ich gestalten,
- ohne Planung, ohne Ziel -
keine Freiheit lässt sich halten,
wenn sie sich entfernen will.

Grosse Töne kann ich spucken.
Doch die Spucke trifft zumeist
(würde ich mich nicht schnell ducken)
meinen kleinkarierten Geist.

Alle "Weisheit" ist verloren,
nenn ich ihre Werte mein,
schreite niemals ungeschoren
über einen Stolperstein.

Altes will vergessen werden,
wenn es gut war, bleibt es jung,
schafft mir keinerlei Beschwerden,
lebt neu auf und kommt in Schwung.

Keine noch so grosse Trauer
bleibt mir lebenslänglich treu.
Hinterher bin ich meist schlauer.
Grund genug, dass ich mich freu'.

Es ist immer Zeit zu lernen,
selbst wenn morgen Sabbat wär.
Manchmal schau ich in den Sternen
meinen Träumen hinterher.


Der neue Weg

Verzweifelt war ich schon sehr oft.
Vom Leben blieb ich nicht verschont.
Doch manchmal kam ganz unverhofft
auf zarte Weise, sanft und soft
- ein neuer Weg - meist ungewohnt.

Die ersten Schritte sind gewagt,
Vertrauen spielt nicht immer mit.
So mancher Zweifel an mir nagt,
so manches, das mir Angst einjagt,
so mancher ungeahnte Tritt.

Am Wegesrand steht nie ein Schild,
das mir die "linke" Richtung weist.
Ein Fremder bin ich - nie im Bild
(nur weniges, das immer gilt
und über allen Wegen kreist)

Kein Blindenhund bellt bei Gefahr,
kein Leuchtturm sendet Lichtsignal.
So tapp ich vorwärts Jahr um Jahr,
vergesse wie es früher war.
Geh hügelabwärts bis ins Tal.

Mein Weg zielt auf den Horizont,
er schlängelt reichlich wie ein Bach,
ist matschig, feucht - wo Nässe wohnt,
vom Unglück werd ich nicht verschont
und spinnt sich Träume nach und nach.

Von allen Seiten weht der Wind,
so manch ein Missgriff hat gesiegt,
ich find' mich oft im Labyrinth,
doch sag' ich trotzig wie ein Kind:
dass noch das beste vor mir liegt.


Mit den Wolken

Grüss die Wolken hoch am Himmel,
zieh mit ihnen übers Meer.
Raus aus allem Mensch-gewimmel,
bleib nicht länger erdenschwer.

Schwebe über Gut und Böse,
über Richtig und Verkehrt,
über Macht und Gelderlöse,
sei ein Mensch und unbeschwert.

Mach dich auf, um fortzufliegen,
pack dir keine Dummheit ein,
lass den Koffer unten liegen
vollgestopft mit Traurigsein.

Hände aus den Hosentaschen,
breite deine Arme aus,
schlüpf geschickt durch Haltemaschen,
klatsch dir, wenn es glückt, Applaus.

Schaffst du doch nicht aufzusteigen,
nimm es bitte nicht zu schwer,
sondern schau dem Wolkentreiben
voller Sehnsucht hinterher.


Rede wie du willst

Erklärbar ist so vieles nicht,
was dich beängstigt und bewegt.
Es steigt nie ganz ans Tageslicht,
was sich als Schleier um dich legt.

Du findest überhaupt kein Wort,
das alles wahr beschreibt.
Dann wirst du still und schweigst sofort,
so dass der Schmerz im Innern bleibt.

Du denkst sehr oft: Nur ich allein
hab niemand, der mich ganz versteht.
Das führt dich schnell zum Traurigsein,
das meistens lange mit dir geht.

Drum rede einfach, weil man dann
durch Einfühlung und Phantasie,
vom Schmerz den Grund erahnen kann
und mit dir fühlt aus Sympathie.

Und wenn dein Mund nach Worten ringt,
verzweifelt nach Vergleichen sucht.
Dann hört man wie dein Schmerzblues klingt,
der dich belastet und verflucht.

Du spürst sofort den Saitenklang,
der in dem andern mit dir tönt.
Allein durch deinen Wortgesang
wird dir dein Schmerz zum Teil "verschönt"

Doch kennt er diese Saite nicht,
weiß nicht einmal, dass es sie gibt,
dann ende deinen Schmerzbericht,
sonst machst du dich nur unbeliebt.

Zu reden ist stets ein Versuch
Und das Ergebnis niemals klar
Genauso wie bei einem Buch:
das Ende nie vorhersagbar.


Das Leben wiegt zwei Tonnen schwer

Das Leben wiegt zwei Tonnen schwer.
Man trägt es ganz alleine.
Man ruft nach Hilfe "Kommt mal her,
mir zittern schon die Beine!"

Nach vielem Rufen naht ein Mann.
Er humpelt auf zwei Krücken.
Er schaut sich meine Bürde an
und zeigt mir dann den Rücken.

Nun sitz' ich da mit meiner Last.
Ich strample mit den Beinen.
und steck' kopfüber im Morast
und kann mich nur beweinen.

Der Tag steht still, dann folgt ein Stück
mit Namen: Wohlbehagen.
Dann naht ein Augenblick voll Glück
und kurz darauf die nächsten Lebensfragen.


Schicksal

Das Schicksal streut mir Sand in meine Schuhe.
Die Füsse sind seitdem vom Laufen wund.
Mein Herz klopft laut. Es lässt mir keine Ruhe.
Und jede Fröhlichkeit kommt auf den Hund.

Das Lachen schweigt, der Kummer sitzt im Nacken.
Beim Frühstück koste ich vom Trauerkloss.
Mein Seelenschmerz ist nirgendwo zu packen.
Ich wäre gern mein Unbehagen los.

Es scheint, der Nieselregen nimmt kein Ende.
Es scheint, die Sonne bleibt fortan versteckt.
Es folgt die ungeahnte Schicksalswende,
die alle Lebensgeister aus dem Schlafe weckt.


Lernerfolg

Ich lernte Schreien, Zappeln, Schnaufen.
Und wie man einen Schnuller hält.
Das Weinen, Lachen und das Laufen.
Und dass es wehtut, wenn man fällt.

Ich lernte Plappern, Zählen, Reden,
ein Spiel zu spielen, auch allein.
Im Gottesdienst: das fromme Beten.
Das Glücklich- und das Traurigsein.

Ich lernte Rechnen, Lesen, Schreiben,
das Einmaleins, die Notenschrift.
Die Kunst, mir selber treu zu bleiben,
wenn mich ein Schlag des Schicksals trifft.

Ich hab' gelernt, mich zu entfalten,
trotz Regen, Wind und Sturmgebraus.
Jetzt soll ich meine Schnauze halten,
das schlägt dem Fass den Boden aus.


Immerhin

Alte Fehler kehren wieder,
machen sich im Sessel breit.
Singen freche Lästerlieder
voller Unerträglichkeit.

Keine Dummheit kommt abhanden,
denn sie beißt sich an uns fest.
Schlingt vertraulich alte Bande,
lockt uns zärtlich in ihr Nest.

Vielem kann man sich entwöhnen.
Nur die Kleinsicht bleibt uns treu,
der wir untertänig frönen
- ungezügelt, ohne Scheu.

Dummheit schläft auf uns'ren Kissen.
Gerne legen wir uns drauf.
Doch wenn wir das Dumme wissen,
schütteln wir das Bettzeug auf.


Ein Sturm

Wenn sich ein Sturm zusammenbraut,
verlässt mich die Zufriedenheit.
Egal wohin mein Auge schaut:
Im Blickfeld thront die Traurigkeit.

Wenn meine Schwermut zahnlos lacht,
versinkt mein Mut im Untergrund.
Er treibt sein Spiel im Brunnenschacht
und steckt mir Knebel in den Mund.

Wenn sich ein Sturm zur Ruhe legt
und sich mit Sonnenschein bedeckt.
Wenn mich das Tief nicht mehr bewegt,
bemerke ich: Das Leben schmeckt!


Unterschiedlich

Manchmal rechne ich in Stunden.
Manchmal zähle ich das Jahr.
Manchmal denk' ich für Sekunden:
"Traumhaft, herrlich, wunderbar!"

Manchmal ist ein Tag in Eile.
Manchmal steht er trotzig still.
Manchmal kommt die Langeweile,
ohne dass ich diese will.

Manchmal träume ich am Tage.
Manchmal bin ich nächtens wach.
Manchmal geht mir eine Frage
mehr als eine Woche nach.

Manchmal tropfen die Sekunden
zäh wie Honig tagelang.
Doch sie drehen ihren Runden
unbeirrt
vom Sonnenauf- zum -untergang.


Dein Ich

Du hast es immer mit dabei.
Es läuft dir niemals weg.
Es isst mit dir dein Frühstücksei
und teilt mit dir den Schreck.

Es geht mit dir auf Schritt und Tritt,
seitdem du weinst und lachst.
Es folgt auch in die Zukunft mit.
Egal was du noch machst.

Verkümmert dir dein Seelenheil.
So ist es ihm bekannt.
Es denkt sich dabei seinen Teil
und hilft dir mit Verstand.

Du stürzt und fällst. Es steht zu dir.
Dein Leben lebst du nicht allein.
Es hat für alles ein Gespür:
ob Regenwetter, Sonnenschein.

Es hält dich fest. Du schenkst ihm Raum.
Das Leid wird halb so fürchterlich.
Es träumt mit dir so manchen Traum.
Dein Freund in dir - dein Ich.


Beichte

Selbstgefällig, selbstgerecht
dresche ich die dümmsten Phrasen.
Und mein Schwein pfeift gar nicht schlecht
- doch zu laut und aufgeblasen.

Voller Fehl- und Vorurteil
richte ich - mir fremde Pläne.
Tratschend halt' ich Unsinn feil.
Hämisch zeig' ich meine Zähne.

Besserwissend schwätzt mein Mund.
Plappernd nennt er tausend Gründe.
Doch er kommt nicht auf den Grund.
Schwafeln - das ist eine Sünde.

Kleinkariert und ich-besessen
grölt mein feister Unverstand.
Und ein kluges Wort stattdessen
ist mir fremd und unbekannt.
Dass ich mich ändern muss,
liegt auf der Hand.


Das Leben

Wir hetzen durch die Jahre.
Und schimpfen allezeit.
Es lösen sich die Haare.
Sie sind schon Mangelware.
Die Glatze macht sich breit.

Es eilen die Sekunden.
Wir rennen hinterher
und denken: Schöne Stunden,
wie wir sie einst empfunden,
die gibt es heut' nicht mehr.

Ganz langsam rieselt Leben
wie Sand durch unsre Hand.
Es wird nur eines geben.
Wir stehen stumm daneben
und träumen vom Schlaraffenland.


Mag sein: es geht mir viel zu gut

Es drückt zur Zeit kein Sorgenschuh,
kein Schmerz, kein Unbehagen,
kein Fladen einer dummen Kuh,
kein Mühlstein meinen Magen.

Kein Fliegendreck auf meinem Tisch,
kein Muskelkrampf beim Baden,
kein ölverseuchter Meeresfisch,
kein Liebeskummerschaden.

Kein aufgewärmtes Frikassee,
kein platter Fahrradreifen,
kein ungefülltes Portemonaie,
kein schwarzer Zebrastreifen.

Kein Schmierfink, keine Tagesschau,
kein Trommeln und kein Brausen,
kein Esel namens Meister Grau,
und auch kein Ohrensausen.

Mag sein: es geht mir viel zu gut.
Das Unglück hat noch Weile.
Im Glück hingegen hat die Flut
erstaunlich grosse Eile.


Vier-Gänge-Menü

Rennen, hasten, eilen, hetzen
kreuz und quer von Amt zu Amt.
Immer wieder Schnabel wetzen.
Wer hat mich dazu verdammt?

Immer fehlen Formulare.
Alles braucht Bestätigung.
Stempel sind oft Mangelware
und ein Grund der Wanderung.

Keine Öffnungszeit versäumen,
denn sonst muss ich, in der Tat,
meine kleine Bude räumen.
Und dann hab' ich den Salat.

Vor den Türen stehen Schlangen.
Vorwärts geht es nur gemach.
Kann ein Bürger mehr verlangen?
Doch ein Bürger denkt nicht nach.

Endlich bin ich an der Reihe
und dann trifft mich fast der Schlag.
"KOMM'SE MORGEN KURZ NACH ZWEIE.
BEI MIR IST JETZT SCHLUSS - GUTEN TAG!"


Rutscht mir doch den Buckel runter

Rutscht mir doch den Buckel runter.
Vielen Spass bei dieser Fahrt,
treibt den Unfug bunt und bunter,
fahrt vom Hals zum Po hinunter.
Wenn ihr wollt: ein neuer Start.

Könnt mich irgendwo auch lecken,
denkt bloss nicht, das macht mir Spass;
denn ich spüre mit Erschrecken
euren Hang zum Speichellecken,
dadurch werde ich nur nass.

Meinen Kopf, den könnt ihr waschen.
Dieses ist mir piep-egal.
Steigt mir in die Hosentaschen,
doch ich lass mich nicht vernaschen,
denn ihr alle könnt mich mal.


Elendsquartier

Wenn man verdammt ist, hier zu leben,
ist man auf manches nicht gefasst.
Es gäbe Gründe, mutlos aufzugeben,
weil einem überhaupt nichts passt.
Am Anfang sieht man hier den kleinsten Dreck.
Doch später schaut man drüber weg.

Der eine hängt sich NPD-Parolen
an seine graue Einganstür.
Den Saustall soll der Teufel holen,
denn ihm gehört hier das Revier.

Das Elend kann man ungeschminkt verspüren.
Ein Blinder merkt es am Geruch.
Die Armut schneuzt betroffen hinter Schloss und Türen
und sucht verzweifelt nach dem Taschentuch.

Die besten Freunde sind die "scharfen Sachen".
Im Notfall hilft ein Fusel-Wein.
Erst kommt die Freude auf - und Lachen.
Doch hinterher der Kater und das Traurigsein.

Wenn man verdammt ist, hier zu leben,
mit nichts als seinen Sorgen im Gepäck.
Dann bleibt man lebenslänglich kleben
an diesem gottvergess'nen Fleck.
Am Anfang denkt man nur an all das Leid,
doch etwas später an die Ohnmacht
der Erbärmlichkeit.


Armut

Armut blüht an allen Enden,
hier in diesem Wohlstandsstaat.
Wuchert an den feuchten Wänden.
Isst statt Fleisch nur Fleischsalat.

Flüchtet sich in dunkle Ecken,
hinterlässt kaum eine Spur.
Spielt besonders gern Verstecken
hinter der Gardinenschnur.

Gräbt in die Gesichter Kerben.
Lungert rum im Asphaltgrau.
Schneidet sich an Flaschenscherben.
Macht besoffen Nabelschau.

Kehrt der Innenstadt den Rücken.
Igelt sich im Rinnstein ein.
Schläft im Vollrausch unter Brücken
zwischen Kippen, Schnaps und Wein.

Macht den andern keine Mühe.
Fordert nie, verhält sich still.
Kriegt statt Brocken nur die Brühe,
die kein andrer löffeln will.

Klagt nur unter seinesgleichen.
So entstehen Streit und Zank.
Kotz dabei sich Fragezeichen
voller ekligem Gestank.

Keiner will der Armut trauen.
Jeder zeigt beim Anblick Scheu.
Niemand sieht ihr Elends-Grauen.
Deshalb bleibt sie vielen treu.


Aufgesetzte Freundlichkeiten

Die aufgesetzten Freundlichkeiten,
die kann ich auf den Tod nicht leiden.
Sie schwätzen wie ein Saufkumpan
und schmerzen wie ein hohler Zahn.

Betrogen wird hier auf die schnelle.
Die Hinterlist ist stets zur Stelle.
Es schulterklopft so "herzlich rein".
In Wahrheit bellt es hundsgemein.

So manches dämmert erst nach Jahren.
Bei manchem werd' ich nie erfahren,
was hinter dem Getue steckt.
Und wüsst' ich es, ich wär' erschreckt.

Den Speichelfluss der schönen Worte
vergleiche ich mit einer Torte.
Nach aussen lecker - Ebenmass.
Doch der Geschmack - ein Geierfrass.


Wie es halt so ist

Man quasselt viel und diskutiert.
Es schimpft sich Therapie.
Du wirst von A bis Z studiert.
Das schafft dich irgendwie.

Man holt aus dir das letzte Wort,
man gibt dir Rätsel auf,
man schubst dich dann von Ort zu Ort,
du nimmst es stumm in Kauf.

Man stellt dir Fragen ohne Sinn,
man wäscht dir deinen Kopf,
man plant für dich den Hauptgewinn.
Das ist ein Blumentopf.

Man redet dir oft Unsinn ein.
Das ist nicht angenehm.
Du wirst behandelt wie ein Stein
und bist nur ein Problem.


Spuckst du wieder grosse Töne?

Spuckst du wieder grosse Töne?
Leierst du das alte Lied,
dass das Wahre, Edle, Schöne
schnell entschwindet und entflieht?

    Spucke aus in grossem Bogen
    allen Rotz, der dich verschleimt
    und du fühlst dich - ungelogen -
    wie ein Same, der neu keimt.

Hörst du wieder Raben krächzen
im verhassten Jammertal,
wo das Stöhnen und das Achzen
dir verwandeln Glück in Qual.

    Höre auf dein Innenleben,
    weil es mit dir reden will.
    Anfangs wirst du Antwort geben,
    später bleibst du sicher still.

Blasen dir die Trübsalsstürme
frostig, eisig ins Gesicht?
Nimmt das räudige Gewürme
dir das helle Sonnenlicht?

    Friere deine Hassgedanken
    in entleg'ne Keller ein.
    Sichre ihn durch tausend Schranken.
    Dann wirst du zufrieden sein.


Mit Pfiff

Weinen könnt' ich furchtbar laut
über unsre Obrigkeit,
die sich selber Schlösser baut -
jetzt und für die Ewigkeit.

Ständig reden sie daher,
was sie alles für uns tun.
Argumente wiegen schwer,
um sich danach auszuruh'n.

Doch sie haben Sympathie
mit dem Dummen, der sie wählt.
Und sie schaffen irgendwie,
dass er gerne Zwiebeln schält.

Wohnen durchaus sehr bequem.
Viele gar mit Personal.
Und umschiffen angenehm,
was man kennt als Lebensqual.

Heute wünsch' ich diesen Herrn:
Sehr viel Spass im Narrenboot.
Seid gegrüsst, doch habt mich gern,
denn ich sehe nur noch Rot.


Dummheit

Die Dummheit zwickt dich in die Waden,
sie kommt geballt und nie allein,
sie führt zu dauerhaftem Schaden,
und will dafür belobigt sein.

Sie darf mit stolzer Brust regieren,
sie wird auf viele Art vermehrt,
sie kommt zu dir auf allen Vieren,
Sie lebt ihr Leben unbeschwert.

Du kannst dich ihrer nicht erwehren,
sie lauert unter jedem Dach
und nirgends kannst du dich beschweren,
denn ihr Verstand ist geistesschwach.

Sie wird dich lebenslang begleiten,
sie hängt sich lähmend an dich an,
du kannst dich gegen sie entscheiden,
sie bleibt, soweit dein Auge sehen kann.


Ordnungsamt

Hier zeigt der Staat sich furchtbar hart.
Es wird mit Freundlichkeit gegeizt
selbst nette Worte werden eingespart.
Der Dummheit wird hier tüchtig eingeheizt.

Der Apparat ist abgebrüht.
Die Doofheit meckert Blech.
Die Hundsgemeinheit blüht und blüht,
sie wiehert keck und frech.

Man gibt dir ständig das Gefühl,
du habest hier kein Recht.
Und jedes Wort klingt eisig-kühl,
die Blödheit ist hier echt.

Und der Beamte ist gemein,
er trieft vor Schleim und Rotz.
Im Grunde ist er wie ein Schwein,
ein echter Hinterfotz.


Kleine Kinder

Kleine Kinder spielen gerne
mit den Grossen Blinde-Kuh.
Zählen nachts die Himmelssterne.
Grosse lächeln nur dazu.

Kleine Kinder stellen Fragen.
Grosse lügen ungeschminkt.
Achten mehr auf ihr Betragen.
Oder, ob die Windel stinkt.

Kleine Kinder sollen wissen:
Grosse haben immer Recht.
Kleine werden oft beschissen.
Darum geht es Kleinen schlecht.

Kleine Kinder werden älter,
denken laut: Nun bin ich gross.
Und sie schielen auf Gehälter
auf den Reibach und auf Moos.

Lustvoll zeugen sie nun Kinder
- kaum dem Windelnass entflohn -
werden Herren mit Zylinder
und besteigen einen Thron.


Drohende Entlassung

Wir buckeln um verlauste Kröten.
Wir dienern eifrig, tiefgebückt.
Die Ehre übt beim Teufel flöten.
Von Schwermut werden wir erdrückt.

Wir betteln wie zerlumpte Gören:
"Ihr hohen Herren, seid uns gut.
Verzeiht, wenn unsre Bitten stören."
Uns fehlt allmählich jeder Mut.

Wir kriechen wie die Weinbergschnecken.
Verschleimt und weiß glänzt unsre Spur.
Wir sind geübt im Speichellecken
und sind wie Schafe nach der Schur.

Wir winseln um die Arbeitsstelle.
Wir sehen schwarz und nicht mehr bunt.
Und immer höher schlägt die Welle.
Und morgen liegen wir auf Grund.


Reiche

Reiche kriegen nie genug.
Hamstern hier und da ein Stück.
Leben satt von dem Betrug.
Nennen ihre Taten klug
und beschneiden fremdes Glück.

Reiche jammern übers Geld,
wenn es ans Bezahlen geht.
Doch bevor ein Groschen fällt,
wird die Rechnung aufgestellt
und die Wahrheit umgedreht.

Reiche halten streng Diät
mit den Konten in der Schweiz.
Wenn der Fiskus mahnend kräht,
werden Schulden aufgebläht.
Damit hat sich dann der Geiz.

Aber Reiche sind spendit
und beim Spenden vornedran,
- wenn er winkt, der Herr Profit.
Gerne geben sie Kredit -
und bereichern sich daran.


Soll man jammern?

Soll man jammern, soll man klagen,
soll man alles stumm ertragen,
soll man sagen: "Ist schon gut!"
wenn man überschäumt vor Wut?

Soll man sich mit Fäusten wehren,
soll man sich bei Gott beschweren,
soll man laut um Hilfe schrei'n
oder grunzen: "Dummes Schwein"?

Soll man jedes Unrecht schlucken,
soll man sich gar selbst bespucken,
wenn ein Zweiter zänkisch schreit
im Namen seiner Ungerechtigkeit?


In ein paar Tagen

Die Arbeit ruht in ein paar Tagen.
Man nennt uns wieder arbeitslos.
Man stellt die alten, dummen Fragen:
"Was machen Sie mit Ihrer Freizeit bloss?"

Die Antwort bleibt im Halse stecken.
Die Frage ist ja wirklich dreist.
Man stottert dann:
"Ich atme, um nicht zu ersticken,
und dünge meinen Lebensgeist."

Die Arbeit bleibt uns bald verschlossen.
Man wird zum Nichtsnutz degradiert.
Nach aussen grinst man unverdrossen.
Doch innen - hüstelt man geniert.

Genügend Arbeit ist vorhanden.
Und dennoch wird man ausgestellt.
Ein Schildastreich aus deutschen Landen.
Man speist uns ab mit Arbeitslosengeld.


Friede, Freude, Eierkuchen

Friede, Freude, Eierkuchen,
heißt der Stoff im Wohlstandsstaat.
Doch da kann man lange suchen
zwischen Hohlkopfkrautsalat.

Jedes Jahr wird alles besser!
Lautet frech das dicke Ei.
Doch man stochert mit dem Messer
stets im faden, alten Brei.

Wer nicht wagt, wird nie gewinnen!
Tönt es hohl aus fremdem Kopf.
Doch was soll ich schon beginnen
mit dem Blumenübertopf.

Wohlgenährt sind dicke Fische.
Halten viel von Staatsmoral,
blubbern immer flotte, frische
Sprüche gegen Seelenqual.

Freiheit, jubiliert der eine,
ist mein höchstes, hehres Gut.
Doch ich brauche grosse Scheine,
weil sonst jede Arbeit ruht.

Hört jetzt endlich auf, zu fluchen,
singt, so schlage ich euch vor:
Friede, Freude, Eierkuchen!
Denn das geht so schön ins Ohr.


Vieles kann ich nicht verstehen

Vieles kann ich nicht verstehen,
sprachlos steh' ich vis-...-vis.
Bis zum Grund kann ich nicht sehen.
Und das nervt mich irgendwie.

Wenn die Leute hastig rennen,
um gelangweilt dort zu sein,
weil sie nur die Eile kennen.
Dieses leuchtet mir nicht ein.

Jede Nacht vor einem Kasten
und von Leben keine Spur,
ohne dabei auszurasten.
Das ist eine Wahnsinnskur.

Nach Metall und Münzen jagen.
Dies den lieben, langen Tag.
Keine Zeit, um mal zu fragen,
ob man dieses Jagdziel mag.

Ellenbogen sind ein Mittel,
um am Trog ganz vorn zu steh'n.
Dann erhält man einen Titel
und man ist gut angeseh'n.

Wie gesagt:
vieles kann ich nicht versteh'n.


Ein Fremder

Ein Fremder lebt in unserm Land
als Bürger vierter Klasse.
Er wird missbraucht am Förderband.
Er kehrt den Dreck vom Gehsteigrand
und Blätter aus der Gasse.

Man zollt dem Fremden keinen Dank,
wenn er den Gehsteig reinigt.
Man schimpft: Du riechst nur nach Gestank,
nach Kloblauchduft im Kleiderschrank
mit Arbeitsschweiß vereinigt.

Der Mohr hat seine Pflicht getan.
Jetzt soll er schnell verschwinden.
Und brauchen wir ihn irgendwann,
dann rufen wir ihn einfach an.
Ein Dummer lässt sich finden.

Wie kleinkariert ist diese Sicht.
Wie hirnlos und umnachtet.
Wie hohl tönt dieser Sachbericht,
aus dem die Dummheit tönern spricht
und die den Gast missachtet.

Er war gefragt. Nun soll er geh'n.
Er ließ sich von uns blenden.
Am Anfang war er gern geseh'n.
Doch jetzt, da sich die Winde dreh'n,
da will man ihn,
zurück in seine Heimat senden.


Traum

Der Hitzkopf wird ein zahmes Lamm.
Der Geizhals wird spendit.
Das Recht schert alle über einen Kamm.
Die Menschheit macht Profit.

Der Kaiser kriegt ein Taschengeld.
Er dankt aus Freude ab
und hinterlässt der dritten Welt
den Thron und seinen Stab.

Der Lohn der Arbeit ist das Brot
und selbstgebauter Wein.
Es gibt kein Elend, keine Not:
ein Grund zum Fröhlichsein.

Zum Streiten braucht man kein Gewehr.
Man hat ja seinen Mund.
Erst schimpft man los und hinterher
verflüchtigt sich der Grund.

Die Menschen werden mit der Zeit
wie Früchte auf dem Baum:
geschmackvoll, voller Einzigartigkeit.
Doch alles bleibt ein Traum.


Die Dummheit ist weit fortgeschritten

Die Meere sind mit Öl verseucht,
so dass die Fischbrut röchelnd keucht.
Die Robben sterben wie die Fliegen.
Der Totschlag wird den Rest besiegen.
Der Sachverhalt ist noch umstritten.
Die Dummheit ist weit fortgeschritten.

Wenn einer sagt: Hier riecht es faul.
Dann heißt es: Halten Sie Ihr Maul!
Was wissen Sie von diesen Dingen.
Die Mehrheit soll das Recht erzwingen.
Der Mehrheit ist der Geist entglitten.
Die Dummheit ist weit fortgeschritten.

Ein kleiner Dieb kommt gleich in Haft.
Und wird für seine Tat bestraft.
Ein edler Herr mit weißem Kragen,
ein Grossbetrüger sozusagen,
ist angeseh'n und wohlgelitten.
Die Dummheit ist weit fortgeschritten.

Die Militärs auf dieser Welt,
die fressen neben Brot auch Geld.
Doch lassen sie die Rechnung offen.
Der Kleine zahlt sie, in dem Hoffen:
so wird der Völkermord beschnitten.
Die Dummheit ist weit fortgeschritten.

Als neugebor'ner Erdensohn,
da hält man nichts von Ruhm und Lohn.
Kurz später denkt man an die Ehre
und noch viel später an Karriere.
Man kraxelt hoch auf jener Leiter.
Man fühlt sich klüger und gescheiter.
Man zahlt nach unten mittels Tritten.
Die Dummheit ist weit fortgeschritten.


Die Welt geht vor die Hunde

Die Welt geht vor die Hunde.
Die Geier kreisen schon.
Die Menschheit geht zugrunde
und keiner kommt davon.

Die Willkür grosser Herren,
die Gier nach Ruhm und Macht
wird jeden Weg versperren,
der klug ist und durchdacht.

Das Gift der kleinen Leute
aus Hader, Missgunst, Neid
holt täglich seine Beute.
Der Wahnsinn macht sich breit.

Die Welt geht vornehm baden.
Dem Haifisch ist das recht.
Die Menschheit hat den Schaden.
Und fühlt sich furchtbar schlecht.


Wir, wir, wir

Wir ziehen unsre Kreise
auf diesem Erdenball.
Wir treten in die Sch...
Wir kommen so zu Fall.

Wir stehen an den Ecken.
Wir suchen einen Schatz.
Der ist nicht zu entdecken.
Wir schlagen laut Rabbatz.

Wir rudern auf den Meeren
der Ich-Vergangenheit.
Wir können uns nicht wehren.
Das Wasser macht sich breit.

Wir tanzen für Sekunden.
Wir jauchzen laut und hell.
Wir drehen kleine Runden
im Kinderkarussell.

Wir schielen zu den Sternen.
Wir sehnen uns zum Mond.
Wir wollen uns entfernen
von dem, was sich nicht lohnt.

Wir klimpern mit Moneten.
Wir jagen nach dem Geld
Wir glauben den Gebeten:
"Nur Moos regiert die Welt."

Wir werden täglich älter.
Es welkt ein Blumenstrauss.
Es blühen die Gehälter.
Das Leben fällt -
wegen dichter Nebelschwaden -
auf unbestimmte Dauer aus.


Rechthaberei

Alle Welt fühlt sich betrogen.
Jeder, der dem Recht misstraut.
Denn man wird zu oft belogen
oder übers Ohr gehaut.

Ungebeten tauchen Fragen
aus dem Meer des Zweifels auf.
Dieses führt zu lauten Klagen
und das Leid nimmt seinen Lauf.

Immer fühlt man sich verraten.
Unrecht blüht im Gartenbeet.
Weder Sichel, Sense, Spaten
helfen, dass ein Blatt sich dreht.

Alle Hoffnung lässt man fahren.
Was man riecht, stinkt nach Morast.
Und wo sonst sich Geier scharen,
hockt man quengelnd als ihr Gast.

Aus der Traum: vom wahren Leben.
Aus der Traum: Zufriedenheit.
Keine Weitsicht wird es geben
auf dem Schiff: Behäbigkeit.

Schuld und Unschuld. Wer soll richten?
Wer bemisst das Strafurteil?
Wer soll je ein Unrecht schlichten
mit dem Massstab: Seelenheil.


Das Gesetz des Stärkeren

Der Starke schlägt den Schwachen.
Dem Schwachen geht es schlecht.
Da ist nichts dran zu machen.
Der Stärkere hat recht.

Gewalt kennt keine Gnade.
Sie wütet überall.
Das Recht wird zur Fassade.
Der Starke ist am Ball.

Ein Fausthieb in den Magen
verschließt so manchen Mund.
Nun kann er nichts mehr sagen.
Es fehlt die Luft für einen Grund.

Der Schwache kann nichts werden.
Der Starke überwacht
mit seinen Drohgebärden
das Recht. So bleibt er ewig
an der Macht.


Die ungeschminkte Wahrheit

Wir greifen nach den Akten
seit Jahren dick verstaubt
und blättern in Papieren,
die bald der Reißwolf raubt.

Es spukt in gelben Blättern
die Kriegsvergangenheit.
Die Bombenkatastrophen
aus längst vergang'ner Zeit.

Ein Mütterchen schreibt bettelnd:
Verehrte Obrigkeit,
mir fehlt es jetzt an allem
in dieser schweren Zeit.

Kein Bett, um drin zu schlafen.
Die Kammer eisig kalt.
Kein Kleid, um mich zu wärmen.
Der Winter macht nicht halt.

Ich flehe untertänigst.
Kein Los blieb mir erspart.
Erweisen sie sich gütig.
Mein Leben war sehr hart.

Dann grüsst sie sehr ergebenst
und dienert voller Zwang.
Der Antrag wird genehmigt.
Es dauert - jahrelang.

Die Akte gelblich, schmutzig,
die fast im Staub ertrinkt,
erzählt auf ihre Weise
die Wahrheit - ungeschminkt.


Beharrlichkeit

Grosses wird auf Dauer klein,
glatt wird jeder Zacken.
Schmutz und Dreck wird wieder rein
und die Vielzahl lebt allein
in den Steinbaracken.

Doofes nennt man später klug.
Hartes wird erweichen.
Weniges ist auch genug.
Wahrheit wechselt zum Betrug
hinter Fragezeichen.

Gutes wird durch Grobheit schlecht.
Schönheit runzelt Falten.
Und ein Unrecht nennt man Recht.
Doppelt falsch ist einfach echt.
Hier darf Logik walten.

Wissen redet und wird stumm.
Immer naht die Wende.
Stille herrscht und dann Gebrumm.
Nur der Mensch bleibt ewig dumm
- bis ans Lebensende.



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