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Kündigung
Die Maus will einen Aufstand proben.
Sie meint: "Das ist mein gutes Recht."
Bedenken werden fortgeschoben
Und jedem Anstand geht es schlecht.
Die Wohnung wurde ihr gekündigt.
Sie war noch nie im Mietrückstand.
Man hat sich glatt an ihr versündigt.
Und leider nahm das überhand.
Es kam zu einem Streitverfahren.
Die Maus wählt ihren Rechtsbeistand.
Sie kennen sich seit vielen Jahren.
Und sind in ihrer Art verwandt.
Man feilschte nie um die Gebühren.
Und war ein Vorfall hoffnungslos.
Dann war auch kein Prozess zu führen.
Die Hände lagen dann im Schoß.
Die Kündigung: Ein heißes Eisen.
Der Gegner: Außer Rand und Band.
Und man begann ihn einzukreisen,
die Strippen zog ihr Rechtsbeistand.
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Vogelnester
Verlassen sind die Vogelnester.
Wer klingelt, stößt nicht auf Gehör.
Entflohen ist das 'Staatsorchester'
zu einem fernen Starfrisör.
Es wird getrauert, keine Frage.
Man pocht und poltert an die Tür.
Und angesäuert ist die Lage,
denn sie sind meilenweit von hier.
Man greift zum Handy, möchte chatten.
Doch die Verbindung wird gekappt.
Wer mitfühlt könnte darauf wetten.
Die Eitelkeit ist eingeschnappt.
Man greift zu einer Gänsefeder.
Ein Blatt Papier ist schnell zur Hand.
Jedoch man zieht den Schwarzen Peter,
denn die Adresse, unbekannt.
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Bei den Rehen
Die Reh-Mama schaut nach dem Kitz.
Sie klettert auf den Jägersitz.
Dort will sie nach dem Rechten schauen.
Kontrolle, anstatt Gott-vertrauen.
Die Kinder liegen faul im Gras.
Das sieht sie ohne Opernglas.
Sie denkt, und das ist nicht gelogen,
mein lieber Fratz ist gut erzogen.
Die andren und ihr Sohnemann,
die streiten höchstens irgendwann.
Doch wenn, dann nur in leisen Tönen,
kurz später wird man sich versöhnen.
Dann schreckt sie auf, denn sie erspäht,
den Bauer, der die Wiese mäht.
Sie muss sofort die Kinder warnen.
In diesem Fall, da hilft kein Tarnen.
Nun rennt sie los, und hinterließ
den Jägersitz, und schreit am Spieß.
Am Waldrand hat ihr Kitz verkündet:
Die Panik, völlig unbegründet.
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Alimente
Am Karpfenteich wohnt eine Ente.
Ihr Erpel hat sich abgesetzt.
Doch er zahlt keine Alimente.
Von jedem wird sie aufgehetzt.
Und jeder rät ihr, sich zu wehren.
Und allseits hat man ihn verdammt.
Um ihre Rechte aufzuklären,
ging sie genervt zum Entenamt.
Sie watschelte durch lange Gänge.
Und etwas mulmig, ihr Gefühl.
Der Vorgang zog sich in die Länge.
Doch schließlich kam sie an ihr Ziel.
Der Entenstaat hat sie gerettet.
Ihr Quaken war des Schnabels voll.
Auf Kräutern war sie nun gebettet,
das fand sie unwahrscheinlich toll.
Ihr Macker konnte nicht entkommen.
Ein kleiner Zufall half dabei.
Er wurde neulich festgenommen
von einer Entenpolizei.
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Frischlingswurf
Ein Frischlingswurf und ihre Sau,
die haben sich im Wald verkrochen.
Die Rudel-Chefin weiß genau,
man hat sich nicht zu viel versprochen.
Kein Jäger, der ihr Treiben stört.
Ein Waldbesucher nicht zu sehen.
Kein Nachbar, der sich laut empört,
man wird nicht vor die Hunde gehen.
Es ist ein herrliches Idyll.
Und das kann jedersau begreifen.
So können sie, was Mutter will,
zu einer jungen Wildsau reifen.
Erobert wird die nahe Welt.
Und dann verlockt die ferne Weite.
Und jede ist auf sich gestellt.
Und keine Sau steht ihr zur Seite.
Der Jägersmann kriegt Wind davon.
Und abends geht er auf die Piste.
Er sucht nach einem Wildschweinsohn,
der steht auf seiner Abschussliste.
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Auf die Reise
Die kleine Maus ging auf die Reise.
Sie hoffte auf das große Glück.
Im Ausland zog sie ihre Kreise.
Und sprach: "kein Weg führt mich zurück!"
Es war nicht einfach, manchmal bitter.
Das Geld-verdienen war nicht leicht.
Sie suchte Jobs als Babysitter,
was kaum zum Überleben reicht.
Die Sprache wurde zur Barriere.
Sie war ein echtes Hindernis.
Und keiner gab ihr seine Ehre,
das war so sicher wie gewiss.
Das Heimweh nahm sie bald gefangen,
das fühlte sie und schämte sich.
Es konnte leicht zum Ziel gelangen.
Und das war nicht verwunderlich.
Es war nicht einfach, heimzukehren.
Sie fürchtete den Spott und Hohn.
Jedoch sie ließ sich dann belehren,
man küsste den 'verlornen Sohn'.
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Frühstücksei
Die Henne legt ein Frühstücks-Ei.
Sofort wird laut gegackert.
Der Hahn ist stolz und kommt vorbei.
Er hat sie angebaggert.
Den Nutzen zieht die Bäuerin
und ihr Gemahl, der Bauer.
Man klaut das Ei und macht Gewinn.
Da trägt die Henne Trauer.
Und sie beschließt, ich werde flieh'n.
Es komme, was da wolle.
Sie hat nur noch den einen Spleen,
und fällt fast aus der Rolle.
Doch sie vertraut sich keinem an,
beim Zäune-inspizieren.
Sie spricht auch nicht mit ihrem 'Mann',
sie möchte nichts riskieren.
Kein Schlupfloch ist im Maschendraht.
Sie muss den Plan verwerfen.
Gefangen in dem Hühnerstaat,
verliert sie fast die Nerven.
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Die Amsel
Noch greift die Amsel zu Insekten.
Ein Regenwurm ist auch beliebt.
Sie stöbert nach den Unentdeckten,
die es im Winter nicht mehr gibt.
Es jagt nie eine Amselmeute.
Denn jede ist für sich autark.
Gemeinsam macht man keine Beute.
Das gilt im Friedhof und im Park.
Nicht jede Amsel lässt sich halten.
Ein Teil fliegt zum Touristenort.
Jedoch die Jungen und die Alten
verzichten auf den Leistungssport.
Im Frühjahr, wenn Insekten sprießen,
kehrt jede Amsel gern zurück.
Den Sommer werden sie genießen
und jedes fette Beutestück.
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Die Schwalben
Die Schwalben fliegen in den Süden.
Das ist ihr zweites Vaterland.
Im Handgepäck sind Einkaufstüten
und etwas Reiseproviant.
Die Jungen nimmt man in die Mitte.
Das ist der beste Platz im Zug.
Das ist seit altersher so Sitte
bei einem langen Vogelflug.
Man überquert verschneite Alpen.
Das kostet 'Überwindungs'kraft.
Doch sehr zufrieden sind die Schwalben.
Der schwerste Teil ist nun geschafft.
Nun ernten sie erneut Insekten.
Das hat dem Hunger gut getan.
Schnell werden Schwalben Architekten.
Dann fängt man mit dem Nestbau an.
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Dein Hund
Du bist einst auf den Hund gekommen.
Doch du musst fort, nach anderswo.
Die Freundin hat ihn aufgenommen.
Darüber bist du wirklich froh.
Beim Abschied kullert deine Träne.
Du streichelst ihn und machst nicht halt.
Er macht dir sicher keine Szene,
und schließlich flüsterst du: "Bis bald."
Du fühlst den Hundeblick im Nacken.
Du gehst und lässt ihn hinter dir.
Du musst noch deine Koffer packen.
Und morgen bist du nicht mehr hier.
Der Arbeit gehst du an den Kragen.
Es geht voran, es wächst, gedeiht.
Jedoch an Sonn- und Feiertagen
versüßt kein Hund die freie Zeit.
Bald werden Zelte abgebrochen.
Die Freundin kriegt ein Souvenir.
Ihr Herzstück, einen Hundeknochen,
das schmeckt bestimmt dem lieben Tier.
Er siehst sie, und er tanzt vor Freude.
Er bellt und kläfft und rastet aus.
Man denkt an eine Hundemeute
im echolauten Treppenhaus.
Kein Mensch kann mehr Gefühle zeigen.
Er braucht zum Lieben keinen Grund.
Er möchte es auch nicht verschweigen.
Dein bester Freund bleibt stets dein Hund.
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Berührung
Ein Schmetterling hat mich berührt.
Was wollte er mir näher bringen?
Er hat mich lächelnd aufgespürt.
Und meine Seele wollte singen.
Kein Zweifel, ich stand neben mir.
Und was geschah, nicht zu erklären.
Er war ein Rosenkavalier.
Von Liebe kann er sich ernähren.
Und während noch sein Zaunpfahl winkt.
Da seh’ ich dich mit blonden Haaren.
Doch meine Schüchternheit misslingt.
Und plötzlich bin ich mir im Klaren.
Der Schmetterling war früher dein.
Die Freiheit hast du ihm gegeben.
Jedoch er wollte nicht allein
die Einsamkeiten überleben.
Und gestern kam er auf mich zu.
Er wollte nur mein Herz beflügeln.
Es ist mit deinem längst per Du,
und nichts und niemand kann ihn zügeln.
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Ein Kettenhund
Es kläfft ein alter Kettenhund.
Er würde gerne Leine ziehen.
Und wer ihn sieht, erkennt den Grund.
Auch jeder andre würde fliehen.
Sein miserables Leben dreht
sich nur um seine Hundehütte.
Und keine Sau, die zu ihm steht.
Und keiner hört auf seine Bitte.
Bei jedem Schauer leckt das Dach.
Dann steht er ungewollt im Regen.
Und ist es nachts, dann wird er wach,
das kommt ihm äußerst ungelegen.
Bedauernswert ist dieses Tier.
Ganz langsam geht es vor die Hunde.
Und eng begrenzt ist sein Revier,
an jedem Tag, zu jeder Stunde.
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Abschiedsfest
Noch geht es rund im Vogelnest.
Ein Kommen und ein Gehen.
Doch bald steigt dort ein Abschiedsfest.
Man piepst: Auf Wiedersehen.
Ein Teil setzt an zum Höhenflug.
Erschwinglich sind die Preise.
Wer Angst hat fährt im Vogelzug.
Und zieht dort seine Kreise.
Den Norden lässt man hinter sich.
Es fehlt an Brot und Futter.
Der Süden lässt sie nie im Stich.
Und alles ist in Butter.
Das Heimweh macht die Seele krank.
Dann piepst man von Migräne.
Man schiebt es auf die lange Bank,
es kullert eine Träne.
Im Frühling kehren sie zurück.
Und jeder kommt ins Schwärmen.
Die ganze Welt empfindet Glück,
wenn sie am Morgen 'lärmen'.
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Schafe zählen
Ich zähle Schafe statt zu schlafen.
Einhunderteins, einhundertzwo
Sie machen mich zum Arbeitssklaven,
und blöken dazu schadenfroh.
Ich wäre gern im Unbewussten.
Stattdessen wächst und wächst die Zahl.
Ich höre ein paar Flöhe husten,
und denke nur, verdammt noch mal.
Und so verrinnen viele Stunden.
Mit jedem Schaf bin ich per du.
Und keines ist kurz angebunden.
Das heißt, ich mach' kein Auge zu.
Ich bin erstaunt, denn ich erwache.
Anscheinend fand ich doch den Schlaf.
Als letztes, das ist Ehrensache,
erschien zum Schluss ein schwarzes Schaf.
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Die Hyäne
Durchs Steppengras pirscht die Hyäne.
Sie nagt bereits am Hungertuch.
Sie schmiedet dennoch Zukunftspläne,
wonach sie sehnt, heißt Aasgeruch.
Sie schaut zum Himmel, Geier kreisen.
Nun hofft sie auf ihr Leibgericht.
Das wird die nahe Zukunft weisen.
(Die Gott-sei-Dank nicht widerspricht.)
Nun nagt sie gierig an den Knochen.
Das ist ein wahrer Gaumenschmaus.
Und kommt ein Geier angekrochen,
verteidigt sie ihr Saus und Braus.
Die ganze Steppe hört ihr Schmatzen.
Sie rülpst, und das ist ordinär.
Gesättigt ist sie, bis zum Platzen.
Kurz später ist ihr Akku leer.
Sie überlässt den Rest den Geiern.
Die stürzen auf das frische Aas.
Und weil sie nun alleine feiern,
hat jede Geierwally Spaß.
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Ein starker Bulle
Ein starker Bulle sinnt auf Rache.
Man hatte seinen Stolz verletzt.
Natürlich ist das seine Sache.
Erbost hat er sein Maul gewetzt.
Nun sucht er wilde Kampfgenossen.
Und er verspricht, was keiner hält.
Wer mitdenkt, hat für sich entschlossen.
'Ich zahle lieber Fersengeld.'
Der Bulle wurde stink-und-sauer.
Das war ein derber Niederschlag.
Er flucht zum Himmel, flucht zum Bauer
an jedem gott-verdammten-tag.
Nun sucht er Rat beim Friedensrichter.
Die Ampel zeigte Geh-verbot.
Er sah nur 'rot' und Bleichgesichter,
und seitdem ist der Bulle tot.
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Erst so und dann so
Erst fliegt ein Schmetterling im Bauch.
Man bettet ihn auf einem Kissen.
Doch leider ändert sich der Brauch.
Man möchte nichts mehr von ihm wissen.
Vom Schönen sind wir angetan.
Man preist es in den höchsten Tönen.
Dann folgt man einem andren Plan,
und möchte es sich abgewöhnen.
Ein Liebesschwur lässt uns nicht kalt.
Man fiebert und genießt die Stunden.
Kurz später hat die Axt im Wald,
ein neues Liebesnest gefunden.
Mir ist seit vielen Wochen klar.
Du bist mir ganz bestimmt nicht schnuppe.
Dann finde ich ein Frauenhaar
in meiner eingebrockten Suppe.
Ich denke an die schöne Zeit.
Wir glichen weißen Turteltauben.
Sie ist gescheitert, tut mir Leid.
Das soll dir nicht den Tiefschlaf rauben.
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Ein eitler Gockel
Die Legehenne ist verbittert.
Sie ist blamiert bis auf die Haut.
Weil dieser Gockel, unerschüttert,
ihr nicht mehr in die Augen schaut.
Sie ist, das weiß sie selbst am Besten,
nicht mehr das neueste Modell.
Beim Picken von den Küchenresten,
verliert sie häufig ein Duell.
Doch auch der bunte eitle Gockel
ist weder taufrisch, weder jung.
'Ich stoße ihn von seinem Sockel.
dann hat sein Kleinhirn einen Sprung.'
Im Hühnerhof hat sie gelauert,
denn sie verfolgte ihren Plan.
Das hat der Gockel schwer bedauert,
das hat ihm nämlich weh getan.
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Kleine Fische
Die kleinen Fische gehen baden.
Man trifft sich im Galeerenschiff.
Das hatte einen 'Motor'schaden.
Nun dient es als Korallenriff.
Die Badegäste sind putzmunter.
Und alle werden gut verpflegt.
Doch keine Angst, man geht nicht unter,
selbst wenn ein Sturm das Meer bewegt.
Gemeinsam teilt man sich die Happen.
Ein Raubfisch wird leicht ausgemacht.
Und will sein Maul nach ihnen schnappen,
wird er vom Fischschwarm ausgelacht.
Sie tauchen auf in kleinen Gruppen.
Und wer sie sieht, erkennt sogleich,
an ihrer Art wie sie sich schuppen,
sie stammen aus demselben Laich
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Schonzeit
Die Katze döst am Küchenherd,
und kramt in ihren grauen Zellen.
Sie plant, das scheint mir lobenswert,
das Mäusefangen einzustellen.
Das gilt nur für begrenzte Zeit.
Das sollte jedes Mausloch wissen.
Und wenn der Frühling Blüten schneit,
jagt sie erneut nach Leckerbissen.
Die Katze schnurrt und macht auf brav.
Nach Mäusen hat sie kein Verlangen.
Denn diese halten Winterschlaf.
Es ist unmöglich, sie zu fangen.
Das war der eigentliche Grund.
Und außerdem auf feuchten Wiesen,
verlautbart jeder Arztbefund,
wird jede Schnuppernase niesen.
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Ein Walfisch
Ein Walfisch schwimmt auf hoher See.
Von Backbord naht ein Fischerkutter.
Der Kapitän trinkt Kräutertee,
denn er chauffiert die Schwiegermutter.
Die schaut sich um, und sie entdeckt,
fast hautnah eine Walfischflosse.
Sie hätte sich sehr gern versteckt,
beängstigend sind die Kolosse.
Nun hofft sie, sie kommt heil davon.
Sie rief, und konnte nur noch schreien,
nach Kapitän und Schwiegersohn,
und machte lauthals Scherereien.
Schnell hat der Walfisch abgedreht.
Er möchte nämlich seine Ruhe.
Und was er nie so recht versteht,
das ist hysterisches Getue.
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Im Schweinestall
Ein Ferkel ist zu kurz gekommen.
Es war nicht sonderlich robust.
Man hat es selten ernst genommen,
und deshalb schob es tierisch Frust.
Es konnte kaum zum Ziel gelangen.
Denn jede Zitze war besetzt.
Der Hunger nahm es dann gefangen,
das hat es bis ins Mark verletzt.
Die starken Brüder und die Schwestern,
verhöhnten es mit Rat und Tat.
Und täglich hörte es sie lästern:
'Du Schande, für den Schweinestaat.'
"Das ist doch wirklich kein Benehmen.
Aus dem Geschwätz wird keiner schlau.
Wer das behauptet, soll sich schämen!"
So grunzt empört die Muttersau.
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Die Martinsgans
Die Gans schaut dumm aus einer Röhre
und ihre Haut ist knackig braun.
Ihr Wohlgeruch, mein Gott ich schwöre,
zieht über meinen Gartenzaun.
Ein schlauer Fuchs, der riecht den Braten.
Es knurrt sein Magen, doch er weiß,
vom Angriff wäre abzuraten,
denn diese Spur ist viel zu heiß.
Dann wird tranchiert mit einem Messer,
und jeder macht sich an sie ran.
Die Menschen wissen es nicht besser.
Man wartet kurz, dann greift man an.
Nun hört man, wie die Knochen knacken.
Und jeder spricht mit vollem Mund.
Jedoch es gilt schnell zuzupacken.
Die Gans wiegt nur noch ein, zwei Pfund.
Man hat sich nicht zuviel versprochen.
Im Magen herrscht ein Freudentanz.
Und alle abgenagten Knochen
sind ein Relikt der Martinsgans.
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Scherereien
Ein Esel könnte lauthals schreien.
Sein bestes Stück steht im Verdacht,
das führt bestimmt zu Scherereien,
dass sie tagtäglich Schulden macht.
Er hat sich darum nie gekümmert.
Er ließ ihr immer freie Hand.
Jetzt wo die Lage sich verschlimmert,
ist alles, außer Rand und Band.
Der Esel stellte sie zur Rede.
Und kleinlaut klang ihr Protokoll.
Sie stammelte noch Stoßgebete,
und fragte, was sie machen soll.
Dem Esel war die Sache peinlich.
Die Aufsichtspflicht hat er verletzt.
Er hat als Mann, das ist wahrscheinlich,
die Pflichten in den Sand gesetzt.
Der Esel sammelt seine Kräfte.
Und er iaht zu seiner Braut.
Ich regele die Staatsgeschäfte,
die Schulden werden abgebaut.
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Eine Eule
Mir redet eine Eule ins Gewissen.
Verbreitet ist ihr guter Ruf.
Sie hat nie auf Granit gebissen,
egal was sie mit Worten schuf.
Die Weisheit hat ihr Hirn gepachtet.
Und keiner macht ihr etwas vor.
Sie war bislang noch nie umnachtet.
Und war kein Ochse vor dem Tor.
Markant ist ihre Lesebrille.
Denn sie schützt vor dem Sonnenlicht.
Im tiefen Wald herrscht immer Stille,
wenn ihre Prophezeiung spricht.
Ihr kluger Rat hat mich gerettet.
Doch Zaster hat sie nicht verlangt.
(und darauf hätte ich gewettet)
Dann habe ich mich groß bedankt.
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Die deutsche Henne
Die sogenannte deutsche Henne
bewohnt ein DIN-A4-Papier.
Und die, die ich persönlich kenne,
verteidigt immer ihr Revier.
Sie ist verdammt zum Eierlegen
wie jedes andre Federvieh.
Sie kann sich nur beschränkt bewegen
in einer Legebatterie.
Sie träumt ganz häufig von Getreide.
Denn jede Nahrung schmeckt nach Fisch.
Sie hackt aus Frust nach jeder Seite,
und jeder Friede trügerisch.
Das Licht der Welt bleibt ungesehen.
Kein Gockel ist in sie vernarrt.
Sie muss sogar im Schlafen stehen,
und hat niemals im Sand gescharrt.
Ihr Wesen kommt nicht zur Entfaltung.
Es dreht sich alles nur ums Ei.
Doch winkt für sie die Bodenhaltung,
dann hört man ihren Freudenschrei.
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Vor dem Glühweinstand
Die Schlange vor dem Glühweinstand,
die hatte sich den Mund verbrannt.
Es plagten sie die kalten Füße,
das drückte auf die Tränendrüse.
Sie weinte, denn das traf sie schwer,
Sie schämte sich kurz hinterher.
Bald waren ihre Augen trocken,
und dann erstand sie Ringelsocken.
'Ich stelle mich noch einmal an.'
Gedacht, gesagt und sie begann
(man würde es ihr nie verzeihen)
sich nun am Ende einzureihen.
Ihr Vordermann greift zum Getränk.
Sie streckte leicht ihr Handgelenk.
Da hörte sie: 'Sehr dumm gelaufen,
wir haben nichts mehr zum verkaufen.'
Die Schlange schlug sich an die Brust.
Dann giftet sie sehr selbstbewusst:
'Sind auch die Glühweinbuden pleite,
mein Flachmann steht mir treu zur Seite.'
Ein Igel
Ein Igel tigert durch den Garten.
Verhängnisvoll für ein Insekt.
Das war nicht anders zu erwarten.
Sein Jagdinstinkt hat 'Blut' geleckt.
Er inspiziert Gemüsebeete
und macht es jedem Käfer schwer.
Oft stellt er sie empört zur Rede.
Verkostet wird dann hinterher.
Tagtäglich macht er reiche Beute.
Wer gärtnert, ist davon entzückt.
Er hat an ihm die helle Freude,
wenn er auf seinen Garten blickt.
Dem Gärtner kommt er sehr gelegen.
Doch anders denkt sein Schäferhund.
Er bellt und kläfft und hält dagegen,
und reibt sich seine Nase wund.
Wie die Raben
Sie klauen diebisch wie die Raben.
Und lügen dreister als gedruckt.
Sie zählen sich zu Waisenknaben
und keiner hat je aufgemuckt.
Sie würden niemals revoluzzen.
Und spielen gern den Biedermann.
Sie würden nie ihr Nest beschmutzen.
Sie bleiben Haus- und Hoftyrann.
Sie halten sich für die Elite.
Beim Händeschütteln zeigt man Stolz.
Sie ziehen niemals eine Niete.
Und sind aus edlem Tropenholz.
Selbst wenn sie offenkundig fehlen.
Vertuschen sie den Schmutz am Kleid.
Und wenn sie einen Lorbeer stehlen,
dann heißt es nie: Das tut uns Leid.
Eine Mücke
Im Fluss-Schlamm unter einer Brücke
begegnet mir ein kleines Tier.
Es stellt sich vor: Mein Name, Mücke.
Der Uferrand ist mein Revier.
Geschlüpft bin ich vor ein paar Wochen.
Ich habe den Beruf verfehlt.
Ich habe bislang nie gestochen,
und weder Mensch noch Tier gequält.
Sie hob die Füße um zu schwören.
'Ich bin ein großer Pazifist.
Den Frieden will ich niemals stören,
weil das nicht meine Sache ist.'
Man muss sich nicht von Blut ernähren.
Denn Nektar gibt es ja genug.
Sie hielt nicht ein, mir zu erklären,
das Morden sei kein schöner Zug.
Sie flog auf meine linke Wade.
War alles Trug und Hinterlist?
Die rechte Hand kennt keine Gnade,
und sie zerquetscht den Pazifist.
Der kleine Piepsmatz
Der kleine Piepsmatz ist ein Star.
Ganz früher sang er um die Ehre.
Jetzt dreht sich, das ist sonnenklar,
sich sein Gesang um die Karriere.
Er ist sehr häufig auf Tournee.
Er kennt Hotels und Städtenamen.
Er fühlt sie wie auf Odyssee,
und täglich grüßen andre Damen.
Er singt von Freiheit und Natur.
(Das hat er hinter sich gelassen.)
Er hofft, zurück führt eine Spur.
Dort will er sich mit sich befassen.
Dann ist der große Star erkrankt.
Sein Künsterleben nahm ein Ende.
Man hat ihn glanzlos 'abgedankt'.
Und er bezog die Altersrente.
Das Angesparte reichte nicht.
Dann gab er, um zu überleben
Gesangs- und Notenunterricht,
um samstags ein Glas Bier zu heben.
Zukunftspläne
Ein schlauer Fuchs hat große Pläne.
Er wähnt sich schon im Saus und Braus.
Und lächelnd zeigt er seine Zähne,
denn rosig sieht die Zukunft aus.
"Sehr lästig ist das Beutejagen.
Ich baue einen Hühnerstall.
Dann ernte ich an Feiertagen,
verzichtet wird auf den Krawall."
Beauftragt hat er Architekten.
Er feilschte um das Honorar.
Er sah die Kosten, die versteckten.
Am Schluss war alles klipp-und-klar.
Er inserierte in der Zeitung.
Gesucht sind Hennen ohne Hahn.
Und Hühner ohne Hahnbegleitung,
doch keine Dame heuert an.
Der Spaß hat sehr viel Geld gekostet.
Es kam zu keinem Happy-End.
Die Eingangstür ist schon verrostet.
Der schlaue Fuchs ist insolvent.
Ein Zirkusfloh
Ein Floh behauptet stock und steif.
Ich bin zwar klein doch zirkusreif.
Ich stamme ab von Akrobaten,
hier ist mein Ausweis und die Daten.
Schon oft rief ich: Manege frei!
Und jeder folgte meinem Schrei,
ob Löwen oder Elefanten,
man hat mich niemals missverstanden.
Ich war ein Künstler auf dem Seil,
zum Glück blieb ich bis heute heil.
Mit Beifall wollte keiner sparen.
Und dazu schmetterten Fanfaren.
Mein Ruhm umspannt die halbe Welt.
Ich bin ein Star im Zirkuszelt.
Ein Zugpferd für die breiten Massen.
Mit mir könnt ihr euch sehen lassen.
Er lobte sich den ganzen Tag.
Und hoffte auf den Zeitvertrag.
Jedoch der Chef, das war die Höhe,
steht leider nicht auf Zirkusflöhe.
Auf der Weide
Ein Bulle schwärmt von einer Kuh.
Und nachts macht er kein Auge zu.
Denn sie ist fesch und gut gewachsen.
Vom sturen Kopf bis zu den Ha en.
Wenn er sie trifft, dann wallt sein Blut.
Die Schüchternheit ist auf der Hut.
Sie schaut ihn an, er hat verstanden,
er könnte sicher bei ihr landen.
Die Augen reden, doch er schweigt.
Er ist ihr herzlich zugeneigt.
Er sagt nicht: Fräulein, sie gestatten.
Sein Mahlwerkzeug hat einen platten.
Es war genau am Almabtrieb.
Da muhte er: 'Ich hab dich lieb.'
Und stuppste sie in ihre Seite,
'denn du bist meine Kragenweite.'
Man trennte sie von Stall und Hof.
Das fanden beide schrecklich doof.
Nun müssen sie ein Jahr lang warten.
(Die Liebste schreibt nun Ansichtskarten.)
Ein fettes Ferkel
Ein fettes Ferkel könnte schreien.
Es ist bestimmt für den Verkauf.
Es möchte liebend gern gedeihen.
Denn viel zu kurz sein Lebenslauf.
Der Metzger reibt sich schon die Hände.
Er kneift in seinen weichen Speck.
Es quiekt, als wäre das sein Ende.
Ein Ausweg, und es wäre weg.
Der Metzger handelt mit dem Bauer.
Sie sind sich uneins mit dem Preis.
Und man erkennt nach kurzer Dauer:
Das Ferkel kriegt man nicht vom Eis.
Ein Dritter denkt an seine Kinder.
Das Ferkel wird zum Kuscheltier.
Und so entgeht es einem Schinder.
Er handelt und bezahlt dafür.
Das kleine Ferkel, voller Jubel.
Vom Metzger ist es nicht bedroht.
Und es gewöhnt sich an den Trubel.
Es lebt und ist nicht mausetot.
Ein Maulwurf
In einem sehr gepflegten Garten
hat sich ein Maulwurf breit gemacht.
Es war nicht anders zu erwarten.
Er buddelt täglich und bei Nacht.
Man will ihn in die Falle locken.
Er lässt sich aber nicht drauf ein.
Sein Kommentar, der äußert trocken,
Kein Maufwurf fiele darauf rein.
Bei Maulwurfgift ist er erheitert.
Er nimmt es seinem Geber krumm.
Doch dessen Absicht ist gescheitert.
Aus seiner Wäsche, schaut er dumm.
Die Jagd verleiht ihm sogar Flügel.
Er baut im Untergrund ein Haus.
Und zahlreich sind die Maulwurfshügel.
Und er wächst über sich hinaus.
Ein Küken
Ein Küken schlüpft aus einem Ei.
Es gluckt die Mutterhenne.
Der Hahn schaut nur ganz kurz vorbei.
Mit wenig Zeit, wie ich erkenne.
Man fragt nie nach der Vaterschaft.
Kein Test muss es beweisen.
Das Fremdgeh'n wurde abgeschafft
in allen Hennenkreisen.
Die Mutter mahnt: "Mein liebes Kind.
Du darfst dich frei entfalten.
Doch bist du für die Regeln blind,
wird keiner zu dir halten.
Natürlich gilt das nicht für mich.
Ich stähle dir den Rücken.
Und lass dich keinen Tag im Stich,
denn du bist ja, mein Küken."
Tief im Wald
Ein Keiler stößt im tiefen Wald
auf eine wunderschöne Bache.
Er hat sich gleich in sie verknallt.
Und was er fühlt, ist seine Sache.
Man tauscht sich aus: Woher? Wohin?
Sie freuten sich, dass sie sich trafen.
Der Keiler lächelt, sagt: "Ich bin
bislang in keinem Ehehafen."
Auch sie gibt ihr Gemeimnis preis.
Der Keiler lauscht, und ist zufrieden.
Denn diese Dame wie er weiß,
ist schon seit Tag und Jahr geschieden.
Dann macht er ihr ein Kompliment,
sie habe gut geformte Ha en.
ihr ganzes Wesen sei im Trend,
und auch ihr Speck sei fett gewachsen.
Die Bache meint, das trifft sich gut.
Ich will erneut mein Jawort geben.
Und hast du nur ein Fünkchen Mut,
dann kann die Zukunft was erleben.
Das Eier legen
Es war im Wonnemonat Mai,
wo Hühner einen Hahn begehren.
Da legte sie ihr estes Ei.
Sie konnte es sich nicht erklären.
Wie kam das Ding in meinen Bauch.
Mein Schnabel könnte es nicht fassen.
Gedanklich stand sie auf dem Schlauch.
Ihr kleines Hirn, das musste passen.
Sie fragte nach beim Sittenwächter,
er war bekannt als dummes Huhn.
Und weithin schallte sein Gelächter.
Sie dachte weiter nur: 'Was nun?'
Ein Glücksfall war die alte Henne.
Sie war so herzensgut und fair.
Du bist nun groß, und ich erkenne,
du bist nicht länger pubertär.
Von nun an zählst du zu den Frauen.
Der Gockel ist auch dein Gemahl.
Zum Eierlegen, im Vertrauen,
braucht man kein Hochzeits-Ritual.
Der Bauer rechnet alle Tage.
Er ist bekannt als sturer Kopf.
Doch sinkt bei dir die Eiablage,
dann landest du im Suppentopf.
Sturer Esel
Ein Esel bockt und stellt auf stur.
Er tratscht nicht gern im Treppenflur.
Es lauschen nämlich alle Wände.
Und jedes Wort spricht später Bände.
Am Anfang tauscht man nur ein Wort.
Dann schwingt man Reden, und sofort
verbreiten sich im Nu Gerüchte.
Die leben fort als Sach-Berichte.
Man spricht sich aus von Frau zu Frau.
Und macht sich durch die andre schlau.
Das ist verpönt bei allen Herren,
weil sie nicht gern ihr 'Maul' aufsperren.
Es bleibt nicht aus, es tagt der Streit.
Verletzt wird eine Eitelkeit.
Gemieden werden Flur und Treppen,
denn keine macht sich gern zum Deppen.
Schnell ist der Vorsatz abgetaucht.
Die Friedenspfeife wird geraucht.
Man tauscht sich aus, die Wände hören.
Und keine lässt sich davon stören.
Es fehlen Zähne
Der alten Katze fehlen Zähne.
Sie trägt schon lange ein Gebiss.
Bei Vollmond plagt sie die Migräne.
Und wenn es dunkelt, hat sie Schiss.
Sie lauscht, wenn fette Kröten unken.
Die Richtschnur ist ein Horoskop.
Sie klammert sich am Hoffnungsfunken.
Und tigert durch ein Biotop.
Sie geht nicht gerne vor die Hunde.
Sie hat ein höheres Niveau.
Sie hasst auch jede Schrecksekunde
und ein gewagtes Risiko.
Sie ist schon alt und wird nicht jünger.
Ein Kater ist ihr einerlei.
Da freuen sich die jungen Dinger,
und meistens kichern sie dabei.
Sie lächelt auch, die Jugendjahre,
die waren Sahne und Kompott.
Bald kommt ihr Tag für eine Bahre.
Dann schwebt ihr Geist zum Katzengott.
Der Klappergaul
Er hat geschuftet, war nie faul.
Die Rede ist vom Klappergaul.
Er schlug sich immer klug und wacker.
Nun geht er nicht mehr auf den Acker.
Vorüber ist der Arbeitsstress.
Im Pferdestall steht das PS.
Darüber ärgert sich der Bauer.
(Das kann nicht gut geh'n auf die Dauer.)
Ein Ausweg wurde dann gesucht.
Auch die Gewerkschaft hat geflucht.
Verfasste ein paar Kampfpamphlete.
So kam der Bauer ins Gerede.
Man warf ihm vor, und das zu recht.
Dem Arbeitnehmer geht es schlecht.
Denn alle würden ausgebeutet.
Und jeder weiß, was das bedeutet.
Der Bauer, in Erklärungsnot,
gewährte ihm ein Gnadenbrot.
Er lebte gut bis an sein Ende.
Und freute sich an seiner Rente.
Ein kleiner Hund
Ein kleiner Hund liegt an der Kette.
Er jault und winselt jämmerlich.
Und ich gewinne jede Wette,
sein Spielkumpan ließ ihn im Stich.
Er zerrt umsonst an seiner Leine.
Der Widerhaken sitzt zu fest.
Ein guter Ausweg, wie ich meine,
ein Ziel, das sich nicht sehen lässt.
Entnervt lässt er die Hoffnung fahren.
Und trostlos wird ihm sein Geschick.
Sogar das Jaulen will er sparen.
Es winkt für ihn kein Hundeglück.
Gewagt sind alle kleinen Schritte.
Er bellt, doch das dient keinem Zweck.
Kein Lichtblick ist die Wellblechhütte.
Denn an der Decke blüht ein Leck.
Sein Frauchen hat ihn dann gerettet.
Und sie hat ihren Hund befreit.
Er ist nicht länger angekettet.
Und tief erfüllt von Dankbarkeit.
Der Gockel
Der Gockel hat gekonnt gekräht.
Nun kann er endlich Frühstück machen
Das Radio hat er aufgedreht.
Das wird ihn morgens munter machen.
Dann kocht er sich ein weiches Ei.
Gefragt sind dabei Freilaufhennen.
Die Qualität ist einwandfrei.
Er konnte selbst das Huhn erkennen.
Auch bei der Butter für das Brot
gibt er sich wirklich echte Mühe.
Sie ist kein Sonderangebot.
Und glücklich sind die Weidekühe.
Gesättigt ist der bunte Hahn.
Vom Kohldampf ist nichts mehr geblieben.
Jetzt fängt erneut die Arbeit an,
das freut natürlich seine Lieben.
Ein Bulle
Ein Bulle hat die Fa en satt.
Denn zickig sind die Weidekühe.
Die Herzenswünsche, die er hat,
verpuffen, trotz der großen Mühe.
Er raspelt süß, er raspelt Holz,
doch das beeindruckt nicht die Damen.
Und so verliert er seinen Stolz.
Er passt halt nicht in ihren Rahmen.
Er hätte gerne abgeklärt.
Warum die Kühe ihn missachten.
Den Wunsch hat er umsonst genährt.
Die Wiese bebte, weil sie lachten.
Er war teils wütend, teils entsetzt.
Moralisch war das eine Schande.
Das Eutervolk hat ihn verletzt.
Und er verfluchte diese Bande.
"Halt ein!" beschwörte eine Kuh.
"Ich möchte gerne mit dir grasen.
Was einzig zählt: Mein Ich, dein Du."
So werden Sorgen weggeblasen.
Altenteil
Der Specht sitzt auf dem Altenteil.
Im Wald lässt er die Bäume heil.
Er bleibt im Nest, wenns draußen dämmert.
Denn schließlich ist er nicht behämmert.
Wenn einer mault, du fauler Hund,
und tut es seinen Enkeln kund,
und wird zu einer Nervensäge,
dann drohen ihm bekanntlich Schläge.
Sein Tisch wird jeden Tag gedeckt.
Er greift zum Wurm und zum Insekt.
Er zwitschert Rotwein später Lieder.
Denn das ist gut für sein Gefieder.
Am Abend stemmt man einen Krug,
nicht maßlos, denn er ist ja klug.
Er wird sich prächtig unterhalten
mit Gästen oder seiner Alten.
Beim Stammtisch träumt man gern zurück,
an früher, und dem Hauch vom Glück.
Dann schwelgt man in Erinnerungen,
die schönen Stunden sind gelungen.
Beim Besuch von Schmetterlingen
Wenn Schmetterlinge mich besuchen,
verfliegt sofort der Alltagstrott.
Ich reiche dann Kaffee und Kuchen.
Das macht die Gaukler flink und flott.
Wir sitzen auf der Steinterrasse.
Der Schirm schützt mich vor Sonnenbrand.
Sie sitzen auf der Untertasse,
und trippeln auf dem Tellerrand.
Wir sitzen da, man hört uns schweigen.
Wir widmen uns dem Pott Kaffee.
Es lockt uns nicht: das Meinung geigen.
Und auch kein Loblied über Klee.
"Mein lieber Freund," sagt einer heiter
"Wir danken dir für Speis' und Trank.
Doch es ist Zeit, wir müssen weiter,
wie schon gesagt: Mein Herz sagt Dank."
Wenn Schmetterlinge mich besuchen,
ist alles Leid der Welt geheilt.
Und habe ich Kaffee und Kuchen,
dann wird es brüderlich geteilt.
Der Frechdax
Der Frechda stürzt ins Bodenlose.
Das ist normal und liegt im Trend.
Die Talfahrt, lautet die Prognose,
ist leider äußerst vehement.
Da stürzen Staaten in die Miese.
Man rechnet hoch, und folgert dann:
Ein Sparkpaket hilft aus der Krise,
betrübt schaut dann der kleine Mann.
Der Bürger fühlt sich ausgebeutet.
Er revoluzzt, er kommt nicht weit.
Ein Staatsmann hat noch angedeutet.
Ihr blutet auch in nächster Zeit.
Der kleine Mann hat nichts zu lachen.
Und längst zu Ende sein Latein.
Die Reichen werden Kasse machen.
Wer reich war, wird noch reicher sein.
Die Staatsgewalt kennt kein Erbarmen
und unterstützt das Kapital.
Vielleicht erkennen das die Armen,
bei ihrem Kreuzchen bei jeder Wahl.
Frosch und Storch
Der Frosch steigt auf die Barrikaden.
Ein Klapperstorch belästigt ihn.
Der will ihm zweifelsohne schaden.
Das ist sein Wunsch und auch sein Spleen
Der Frosch hat Angst vor seiner Waffe.
Ein Schnabel ohne Waffenschein.
Und deshalb laust ihn schon ein Affe.
Und er erleidet Höllenpein.
Der Storch wird demnächst südwärts reisen.
Der Frosch hofft innigst, dass es klappt.
Kein Mörder soll am Himmel kreisen,
der frech nach seinen Schenkeln schnappt.
Netzwerk
Die Spinne ist schon oft gescheitert.
Sie hätte sich so gern vernetzt.
Und ihren Horizont erweitert.
Man hat sie in den Sand gesetzt.
Darüber war sie sehr verbittert.
Für ihren Weitblick war man blind.
Und oft hat sie aus Wut gezittert,
weil viele so gehässig sind.
Zerstört hat man die dünnen Fäden.
Die Willkür waltet Tag für Tag.
Das führt bestimmt zu Dauerschäden.
Das nimmt sie heftig in Beschlag.
Sie gibt nicht auf, und kämpft dagegen.
Ein Niederschlag bewirkt bei ihr.
Mit aller Macht hält sie dagegen.
Und sie behauptet ihr Revier.
Trotz Misserfolg baut sich die Spinne
ein Netzwerk, das oft nicht gefällt.
Sie schuftet, werkt und hält nicht inne,
und taucht tief ein in ihre Welt.
Es stellt sich die Frage
Die kleine Maus stellt sich die Frage:
Was ist der Sinn der Mäusewelt?
Was folgt am Ende meiner Tage,
wenn der verfli te Hammer fällt.
Genügt ein tiefes Gott-vertrauen?
Die Nächstenliebe, anstatt Zorn.
Das Straßen- und das Tunnelbauen.
Die Jagd nach einem Weizenkorn.
Als Maus bin ich nicht frei von Sünde,
und ich ertappe mich dabei.
Dann suche ich die wahren Gründe:
Mich drückt und plagt ein Kuckucksei.
Gefragt sind treue Wegbegleiter,
mit einem Herz am rechten Fleck.
Dann bin ich frohgemut und heiter,
und das dient einem guten Zweck.
Ein Auerochse
Ein Auerochse grast am Bach.
Und schmackhaft sind die Pflanzenteile.
Er ist seit ein paar Stunden wach.
Und pflegt geruhsam keine Eile.
Die Zeitgenossen schlafen noch.
Und wollen nichts davon versäumen.
Der Auerochse meint jedoch:
'Es ist zu schön, um noch zu träumen.
Doch wären alle auf dem Sprung,
wird man die Stille unterbinden.
Dann muht sogar die Dämmerung.
Das stört bestimmt mein Wohlbefinden.'
Erst gestern hat er laut getönt:
'So wundervoll sei jeder Morgen.'
Das hat er sich schnell abgewöhnt,
aus Angst vor seinen Zukunftssorgen.
Er schätzt die Dinge wie sie sind.
Bedauernswert die Weggefährten,
denn viele sind für Schönes blind.
Und das wird auch nicht anders werden.
Suicid
Ein Regenwurm bleibt auf der Strecke.
Die Henne bringt ihn um die Ecke.
Ihr Schnabel hat schnell zugepackt,
und dann auf ihm herumgehackt.
Sie strahlt und macht jetzt gute Miene,
und gaggert: "Diese Proteine,
die sind ein wahrer Gaumenschmauß,
Kein Huhn lässt diese Mahlzeit aus."
Ein jeder Regenwurm erkenne.
Gefährlich ist die Legehenne.
Und wer nicht schleunigst vor ihr flieht.
Macht einen glatten Suicid.
Klapperschlange
Jetzt hat die Schlange ausgeklappert.
Und wer sie hörte, nahm Reißaus.
Die Beute hat sich nicht verplappert,
sonst wäre bald ihr Ofen aus.
Die Schlange ändert ihr Verhalten.
Sie pfeift auf die Begleitmusik.
Bekanntlich bleibt ja nichts beim Alten.
Dann lauscht sie ihrer Selbstkritik.
Sie wird nun durch die Wiesen schleichen.
Und überrascht ein Beutetier.
So lässt sich schnell ein Ziel erreichen.
Und sie verdaut, das passt zu ihr.
Das Klappern ist wie Säbel-rasseln.
Es fruchtet nicht und legt sich quer.
Die Chancen wird man sich vermasseln.
Und das erkennt man hinterher.
In die Politik
Ich möchte nicht nur Eier legen.
Ich gehe in die Politik.
Und stemmt der Bauer sich dagegen,
ereilt ihn bald ein Missgeschick.
Erst werfe ich mit faulen Eiern.
Tomaten landen hinterher.
Dann werden seine Flüche leiern.
Sie nehmen zu und werden mehr.
Natürlich wird er sich empören.
Es stinkt ihm und er flucht auf mich.
Ich werde seine Ruhe stören,
und das nicht nur gelegentlich.
Bald sieht er ein, die irre Henne,
benimmt sich wie ein Hoftyrann.
Und wenn ich mich nicht von ihr trenne,
dann macht sie mich zum Hampelmann.
Zum Klug-sein hat er sich entschlossen,
das war ein echter Paukenschlag,
Nun wissen alle Zeitgenossen,
die Henne sitzt im Bundestag.
Die Drohne
Die Drohne flirtet mit der Biene.
Ihr Kommentar: Das geht zu weit.
Und dennoch macht sie gute Miene:
Sie habe leider keine Zeit.
'Den Nektar kannst du später sammeln.
Das läuft dir sicher nicht davon.
Komm lass uns chillen, lass uns gammeln.
Ein bisschen Spaß, was macht das schon.'
Ihr guter Vorsatz kommt ins Wanken.
Und sicher führt er bald zum Ziel.
Und sie erwischt sich beim Gedanken:
Die Drohne hat viel Se -Appeal.
Doch höchstens eine halbe Stunde.
erklärt die Biene pflichtbewusst.
Dann drehe ich erneut die Runde,
und fröne meiner Arbeitslust.
Was dann geschah, wird nicht berichtet.
Es war bestimmt nicht jugendfrei.
Und deshalb wird darauf verzichtet.
Es ist ja schließlich einerlei.
In der Karibik
In der Karibik kreuzen Fische.
Die meisten lieben Sand und Meer.
Ein Teil will in die Sommerfrische.
Sie glauben fest, dort tanzt der Bär.
Ihr Wunsch ist nicht mehr auszurotten.
Sie hoffen auf den Alpenblick.
Doch dafür brauchen sie Klamotten,
die Fischhaut leider nicht so dick.
Ein alter Fischkopf gibt den Segen.
Der Weg zum Ziel ist meilenweit.
Man weiß ja nie auf fremden Wegen.
Was macht ihr, wenn der Himmel schneit?
Die Sommerfrischler zeigen Nerven.
Sie haben vieles nicht bedacht.
Jetzt wollen sie das Handtuch werfen.
Und das ist mehr als angebracht.
In der Karibik kann man leben,
das gilt auch für den kleinen Fisch.
Es wird nur selten Ärger geben,
als Gräte auf dem Küchentisch.
Zu tiefst erschroken
Die Wildsau ist zu tiefst erschroken.
Ein Krokodil stapft durch den Wald.
Sie macht sich schleunigst auf die Socken.
Sonst macht sie dieses Wesen kalt.
Sie hetzt besessen durch die Landschaft.
Sie schwitzt trotz ihrer Gänsehaut.
Und trifft sie ihre Wahlbekanntschaft.
Dann grunzt sie heftig und sehr laut.
Doch keine will ihr Glauben schenken.
Und mancher tippt sich an die Stirn.
Es lästert allseits das Bedenken.
"Du tickst nicht richtig im Gehirn."
Doch wer nicht hört, dem winkt der Schaden.
Begeistert war das Krokodil.
Denn es verschlingt den Schweinebraten.
Das Jagen war ein Kinderspiel.
Die Amsel und ihre Kinder
Die Amsel will mit ihren Kindern,
genauso wie im letzten Jahr,
im kalten Deutschland überwintern.
Darüber sind sich alle klar.
Beim Flug bis an die nächste Hecke,
ist sie von Kopf bis Fuß geschafft.
Sie bliebe sicher auf der Strecke.
Für einen Fernflug fehlt die Kraft.
Die Amseln fressen keinen Besen,
obwohl sie Allesfresser sind.
Sie schnappen kleine Lebewesen,
dann sind sie für die Beeren blind.
Wenn Frost und Kälte lange währen,
verändert sich ihr Speiseplan.
Man greift nach Früchten und nach Beeren,
sie passen sich dem Wetter an.
Wenn Regenwürmer promenieren.
Dann wird ihr Jagdinstinkt geweckt.
Man wird nicht lange diskutieren.
Man hält den Schnabel, denn es schmeckt.
Abschiedsfest
Die Kühe auf der Sommerweide
vergnügen sich beim Abschiedsfest.
Und jede zeigt die Butterseite.
Ab morgen gibt es Stall-Arrest.
Die Kühe muhen ungehalten,
denn ihnen stinkt der Stallgeruch.
Und Liebe kann sich nicht entfalten,
es kommt kein Bulle zu Besuch.
Sie sehnen sich nach Wiesenkräutern,
und haben längst genug vom Heu.
Sie sind am Murren und am Meutern.
Zu allem Übel piekst die Streu.
'Der Kuhstall wird bald anders tönen,'
so meint der Bauer lapidar.
'Sie werden sich daran gewöhnen,
es wird gemault wie jedes Jahr.'
Doch sollte es vorm Fenster schneien,
verstummen Stimmen der Kritik.
Denn keine wäre gern im Freien.
Man bricht sich ungern das Genick.
Erster Klasse
Ein Regenwurm wohnt erster Klasse.
Er fühlt sich wohl in seinem 'Dreck'.
Kein Hausherr bittet ihn zur Kasse.
Er gleicht dem Madenkind im Speck.
Von allen Seiten: Leckerbissen,
teils Bio- und teils Hausmannskost.
Der Regenwurm muss nichts vermissen.
Er fühlt sich blendend im Kompost.
Und keiner macht ihm etwas streitig.
Es ist genug für alle da,
ganz spät am Abend oder zeitig,
und alles ist zum Beißen nah.
Der Regenwurm, der hat gut lachen.
Doch manchmal folgt man seiner Spur.
Dann wird man ihn zur Minna machen,
und hängt ihn an die Angelschnur.
Ein Löwe
Ein Löwe flößt dir Ehrfurcht ein.
Es wäre falsch mit ihm zu zanken.
Sonst wird man schnell zum 'Armen Schwein',
denn er schlägt zu mit seinen Pranken.
Er ist der König und er brüllt
sehr oft in lauen Dschungelnächten.
Und wenn er seinen Hunger stillt,
bedient er sich bei den Geschwächten.
Nicht täglich geht er auf die Jagd.
Doch wenn die kleinen Löwen weinen,
ist Beute-jagen angesagt.
Und dann verköstigt er die Kleinen.
Er hat ein festes Stammrevier.
Vor seiner 'Hütte' will er thronen.
Dort kennt er jedes Säugetier,
und weiß wo Untertanen wohnen.
Die Tiere sind oft angenervt.
Es wäre falsch sich zu beschweren,
weil er sofort die Krallen schärft,
um sich vom Einwand zu ernähren.
Vogelnester
Verlassen sind die Vogelnester.
Wer klingelt stößt nicht auf Gehör.
Entflohen ist das 'Staatsorchester'
zu einem fernen Starfrisör.
Es wird getrauert, keine Frage.
Man pocht und poltert an die Tür.
Und angesäuert ist die Lage,
denn sie sind meilenweit von hier.
Man greift zum Handy, möchte chatten.
Doch die Verbindung wird gekappt.
Wer mitfühlt könnte darauf wetten.
Die Eitelkeit ist eingeschnappt.
Man greift zu einer Gänsefeder.
Ein Blatt Papier ist schnell zur Hand.
Jedoch man zieht den Schwarzen Peter,
denn die Adresse unbekannt.
Alimente
Am Karpfenteich wohnt eine Ente.
Ihr Erpel hat sich abgesetzt.
Doch er zahlt keine Alimente.
Von jedem wird sie aufgehetzt.
Und jeder rät ihr, sich zu wehren.
Und allseits hat man ihn verdammt.
Um ihre Rechte aufzuklären,
ging sie genervt zum Entenamt.
Sie watschelte durch lange Gänge.
Und etwas mulmig, ihr Gefühl.
Der Vorgang zog sich in die Länge.
Doch schießlich kam sie an ihr Ziel.
Der Entenstaat hat sie gerettet.
Ihr Quaken war des Schnabels voll.
Auf Kräutern war sie nun gebettet,
das fand sie unwahrscheinlich toll.
Ihr Macker konnte nicht entkommen.
Ein kleiner Zufall half dabei.
Er wurde neulich festgenommen
von einer Entenpolizei.
Frischlingswurf
Ein Frischlingswurf und ihre Sau,
die haben sich im Wald verkrochen.
Die Rudel-Chefin weiß genau,
man hat sich nicht zu viel versprochen.
Kein Jäger, der ihr Treiben stört.
Ein Waldbesucher nicht zu sehen.
Kein Nachbar, der sich laut empört,
man wird nicht vor die Hunde gehen.
Es ist ein herrliches Idyll.
Und das kann jedersau begreifen.
So können sie, was Mutter will,
zu einer jungen Wildsau reifen.
Erobert wird die nahe Welt.
Und dann verlockt die ferne Weite.
Und jede ist auf sich gestellt.
Und keine Sau steht ihr zur Seite.
Der Jägersmann kriegt Wind davon.
Und abends geht er auf die Piste.
Er sucht nach einem Wildschweinsohn,
der steht auf seiner Abschussliste.
Auf die Reise
Die kleine Maus ging auf die Reise.
Sie hoffte auf das große Glück.
Im Ausland zog sie ihre Kreise.
Und sprach: "kein Weg führt mich zurück!"
Es war nicht einfach, manchmal bitter.
Das Geld-verdienen war nicht leicht.
Sie suchte Jobs als Babysitter,
was kaum zum Überleben reicht.
Die Sprache wurde zur Barriere.
Sie war ein echtes Hindernis.
Und keiner gab ihr seine Ehre,
das war so sicher wie gewiss.
Das Heimweh nahm sie bald gefangen,
das fühlte sie und schämte sich.
Es konnte leicht zum Ziel gelangen.
Und das war nicht verwunderlich.
Es war nicht einfach, heim zu kehren.
Sie fürchtete den Spott und Hohn.
Jedoch sie ließ sich dann belehren,
man küsste den 'verlornen Sohn'.
Frühstücksei
Die Henne legt ein Frühstücks-Ei.
Sofort wird laut gegackert.
Der Hahn ist stolz und kommt vorbei.
Er hat sie angebaggert.
Den Nutzen zieht die Bäuerin
und ihr Gemahl, der Bauer.
Man klaut das Ei und macht Gewinn.
Da trägt die Henne Trauer.
Und sie beschließt, ich werde flieh'n.
Es komme, was da wolle.
Sie hat nur noch den einen Spleen,
und fällt fast aus der Rolle.
Doch sie vertraut sich keinem an,
beim Zäune-inspizieren.
Sie spricht auch nicht mit ihrem 'Mann',
sie möchte nichts riskieren.
Kein Schlupfloch ist im Maschendraht.
Sie muss den Plan verwerfen.
Gefangen in dem Hühnerstaat,
verliert sie fast die Nerven.
Die Amsel
Noch greift die Amsel zu Insekten.
Ein Regenwurm ist auch beliebt.
Sie stöbert nach den Unentdeckten,
die es im Winter nicht mehr gibt.
Es jagt nie eine Amselmeute.
Denn jede ist für sich autark.
Gemeinsam macht man keine Beute.
Das gilt im Friedhof und im Park.
Nicht jede Amsel lässt sich halten.
Ein Teil fliegt zum Touristenort.
Jedoch die Jungen und die Alten
verzichten auf den Leistungssport.
Im Frühjahr, wenn Insekten sprießen,
kehrt jede Amsel gern zurück.
Den Sommer werden sie genießen
und jedes fette Beutestück.
Berührung
Ein Schmetterling hat mich berührt.
Was wollte er mir näher bringen?
Er hat mich lächelnd aufgespürt.
Und meine Seele wollte singen.
Kein Zweifel, ich stand neben mir.
Und was geschah, nicht zu erklären.
Er war ein Rosenkavalier.
Von Liebe kann er sich ernähren.
Und während noch sein Zaunpfahl winkt.
Da seh ich dich mit blonden Haaren.
Doch meine Schüchternheit misslingt.
Und plötzlich bin ich mir im Klaren.
Der Schmetterling war früher dein.
Die Freiheit hast du ihm gegeben.
Jedoch er wollte nicht allein
die Einsamkeiten überleben.
Und gestern kam er auf mich zu.
Er wollte nur mein Herz beflügeln.
Es ist mit deinem längst per Du,
und nichts und niemand kann ihn zügeln.
Ein Kettenhund
Es kläfft ein alter Kettenhund.
Er würde gerne Leine ziehen.
Und wer ihn sieht, erkennt den Grund.
Auch jeder andre würde fliehen.
Sein miserables Leben dreht
sich nur um seine Hundehütte.
Und keine Sau, die zu ihm steht.
Und keiner hört auf seine Bitte.
Bei jedem Schauer leckt das Dach.
Dann steht er ungewollt im Regen.
Und ist es nachts, dann wird er wach,
das kommt ihm äußerst ungelegen.
Bedauernswert ist dieses Tier.
Ganz langsam geht er vor die Hunde.
Und eng begrenzt ist sein Revier,
an jedem Tag, zu jeder Stunde.
Die Hyäne
Durchs Steppengras pirscht die Hyäne.
Sie nagt bereits am Hungertuch.
Sie schmiedet dennoch Zukunftspläne,
wonach sie sehnt, heißt Aasgeruch.
Sie schaut zum Himmel, Geier kreisen.
Nun hofft sie auf ihr Leibgericht.
Das wird die nahe Zukunft weisen.
(Die Gott-sei-Dank nicht widerspricht.)
Nun nagt sie gierig an den Knochen.
Das ist ein wahrer Gaumenschmauß.
Und kommt ein Geier angekrochen,
verteidigt sie ihr Saus und Braus.
Die ganze Steppe hört ihr Schmatzen.
Sie rülpst, und das ist ordinär.
Gesättigt ist sie, bis zum Platzen.
Kurz später ist ihr Akku leer.
Sie überlässt den Rest den Geiern.
Die stürzen auf das frische Aas.
Und weil sie nun alleine feiern,
hat jede Geierwally Spaß.
Vollgetankt
Ein Esel hatte vollgetankt.
Er konnte es partout nicht lassen.
Zur Häuserwand ist er geschwankt.
Die Freunde konnten es nicht fassen.
Er dachte, dass er trocken sei.
Das hat sich leider nicht bestätigt.
Es folgte eine Litanei
und lang war die Gardinenpredigt.
Nun sprach er kleinlaut und geknickt.
'Ihr könnt mir wirklich voll vertrauen.
Ich werde, was sich wirklich schickt,
in Zukunft keine Sch(eiße) bauen.'
Egal was kommt, wir sind dir gut.
Der Teufel möge dich nicht necken.
Sei klug und immer auf der Hut,
er stellt dir nach an allen Ecken.
Ein starker Bulle
Ein starker Bulle sinnt auf Rache.
Man hatte seinen Stolz verletzt.
Natürlich ist das seine Sache.
Erbost hat er sein Maul gewetzt.
Nun sucht er wilde Kampfgenossen.
Und er verspricht, was keiner hält.
Wer mitdenkt, hat für sich entschlossen.
'Ich zahle lieber Fersengeld.'
Der Bulle wurde stink-und-sauer.
Das war ein derber Niederschlag.
Er flucht zum Himmel, flucht zum Bauer
an jedem gott-verdammten-tag.
Nun sucht er Rat beim Friedensrichter.
Die Ampel zeigte Geh-verbot.
Er sah nur 'rot' und Bleichgesichter,
nun ist der starke Bulle tot.
Vogel und Katze
Ein Vogel jubelt, doch zu früh.
Er sollte seinen Schnabel halten.
Denn im Geäst gleich vis-a-vis
will sich die Hinterlist entfalten.
Noch bleibt die Katze unentdeckt.
Verharrt fast still, und reibt die Pfoten.
Beim Anblick hat sie Blut geleckt.
In der Natur ist nichts verboten.
Der Vogel zwitschert Hit auf Hit,
denn er hat viele Songs auf Lager.
Sogar die Mieze schunkelt mit,
begeistert hört sie alte Schlager.
Das hat die Katze eingelullt.
Der Appetit ist ihr vergangen.
Und die Musik war daran schuld.
Der Vogel wurde nicht gefangen.
Erst so und dann so
Erst fliegt ein Schmetterling im Bauch.
Man bettet ihn auf einem Kissen.
Doch leider ändert man den Brauch.
Man möchte nichts mehr von ihm wissen.
Vom Schönen sind wir angetan.
Man preist es in den höchsten Tönen.
Dann folgt man einem andren Plan,
und möchte es sich abgewöhnen.
Ein Liebesschwur lässt uns nicht kalt.
Man fiebert und genießt die Stunden.
Kurz später hat die A t im Wald,
ein neues Liebesnest gefunden.
Mir ist seit vielen Wochen klar.
Du bist mir ganz bestimmt nicht schnuppe.
Dann finde ich ein Frauenhaar
in meiner eingebrockten Suppe.
Ich denke an die schöne Zeit.
Wir glichen weißen Turteltauben.
Sie ist gescheitert, tut mir Leid.
Das soll dir nicht den Tiefschlaf rauben.
Ein eitler Gockel
Die Legehenne ist verbittert.
Sie ist blamiert bis auf die Haut.
Weil dieser Gockel, unerschüttert,
ihr nicht mehr in die Augen schaut.
Sie ist, das weiß sie selbst am Besten,
nicht mehr das neueste Modell.
Beim Picken von den Küchenresten,
verliert sie häufig ein Duell.
Doch auch der bunte eitle Gockel
ist weder taufrisch, weder jung.
'Ich stoße ihn von seinem Sockel.
dann hat sein Kleinhirn einen Sprung.'
Im Hühnerhof hat sie gelauert,
denn sie verfolgte ihren Plan.
Das hat der Gockel schwer bedauert,
das hat ihm nämlich weh getan.
Ein Kräher
Ein Kräher krächzt, und macht auf wichtig.
Er schaut sich in der Gegend um.
Er schmollt und ärgert sich dann tüchtig.
Kein Beifall aus dem Publikum.
Wohin er blickt, nur Schlagersänger.
Und sie verbreiten ihren Pop.
Mit Herz und Schmerz, als Bauernfänger.
In Hitparaden sind sie Topp.
Ihr ganzes Sinnen und ihr Trachten
ist zweifelsohne kommerziell.
Und wenn sie in ihr Mikro schmachten.
Dann juckt den Hörern fast das Fell.
Er hört, jedoch er will nicht hören.
Der gute Ton wird so verhunzt.
'Ich könnte einen Meineid schwören,
das Krächzen, das ist wahre Kunst.'
Kleine Fische
Die kleinen Fische gehen baden.
Man trifft sich im Galeerenschiff.
Das hatte einen 'Motor'schaden.
Nun dient es als Korallenriff.
Die Badegäste sind putzmunter.
Und alle werden gut verpflegt.
Doch keine Angst, man geht nicht unter,
selbst wenn ein Sturm das Meer bewegt.
Gemeinsam teilt man sich die Happen.
Ein Raubfisch wird leicht ausgemacht.
Und will sein Maul nach ihnen schnappen,
wird er vom Fischschwarm ausgelacht.
Sie tauchen auf in kleinen Gruppen.
Und wer sie sieht, erkennt sogleich,
an ihrer Art wie sie sich schuppen,
sie stammen aus demselben Laich .
Schonzeit
Die Katze döst am Küchenherd,
und kramt in ihren grauen Zellen.
Sie plant, das scheint mir lobenswert,
das Mäusefangen einzustellen.
Das gilt nur für begrenzte Zeit.
Das sollte jedes Mausloch wissen.
Und wenn der Frühling Blüten schneit,
jagt sie erneut nach Leckerbissen.
Die Katze schnurrt und macht auf brav.
Nach Mäusen hat sie kein Verlangen.
Denn diese halten Winterschlaf.
Es ist unmöglich, sie zu fangen.
Das war der eigentliche Grund.
Und außerdem auf feuchten Wiesen,
verlautbart jeder Arztbefund,
wird jede Schnuppernase nießen.
Ein Walfisch
Ein Walfisch schwimmt auf hoher See.
Von Backbord naht ein Fischerkutter.
Der Kapitän trinkt Kräutertee,
denn er chauffiert die Schwiegermutter.
Die schaut sich um, und sie entdeckt,
fast hautnah eine Walfischflosse.
Sie hätte sich sehr gern versteckt,
beängstigend sind die Kolosse.
Nun hofft sie, sie kommt heil davon.
Sie rief, und konnte nur noch schreien,
nach Kapitän und Schwiegersohn,
und machte lauthals Scherereien.
Schnell hat der Walfisch abgedreht.
Er möchte nämlich seine Ruhe.
Und was er nie so recht versteht,
das ist hysterisches Getue.
Die Martinsgans
Die Gans schaut dumm aus einer Röhre
und ihre Haut ist knackig braun.
Ihr Wohlgeruch, mein Gott ich schwöre,
zieht über meinen Gartenzaun.
Ein schlauer Fuchs, der riecht den Braten.
Es knurrt sein Magen, doch er weiß,
vom Angriff wäre abzuraten,
denn diese Spur ist viel zu heiß.
Dann wird tranchiert mit einem Messer,
und jeder macht sich an sie ran.
Die Menschen wissen es nicht besser.
Man wartet kurz, dann greift man an.
Nun hört man, wie die Knochen knacken.
Und jeder spricht mit vollem Mund.
Jedoch es gilt schnell zuzupacken.
Die Gans wiegt nur noch ein, zwei Pfund.
Man hat sich nicht zuviel versprochen.
Im Magen herrscht ein Freudentanz.
Und alle abgenagten Knochen
sind ein Relikt der Weihnachtsgans.
Scherereien
Ein Esel könnte lauthals schreien.
Sein bestes Stück steht im Verdacht,
das führt bestimmt zu Scherereien,
dass sie tagtäglich Schulden macht.
Er hat sich darum nie gekümmert.
Er ließ ihr immer freie Hand.
Jetzt wo die Lage sich verschlimmert,
ist alles, außer Rand und Band.
Der Esel stellte sie zur Rede.
Und kleinlaut klang ihr Protokoll.
Sie stammelte noch Stoßgebete,
und fragte, was sie machen soll.
Dem Esel war die Sache peinlich.
Die Aufsichtspflicht hat er verletzt.
Er hat als Mann, das ist wahrscheinlich,
die Pflichten in den Sand gesetzt.
Der Esel sammelt seine Kräfte.
Und er iaht zu seiner Braut.
Ich regele die Staatsgeschäfte,
die Schulden werden abgebaut.
Vor dem Glühweinstand
Die Schlange vor dem Glühweinstand,
die hatte sich den Mund verbrannt.
Es plagten sie die kalten Füße,
das drückte auf die Tränendrüse.
Sie weinte, denn das traf sie schwer,
Sie schämte sich kurz hinterher.
Bald waren ihre Augen trocken,
und dann erstand sie Ringelsocken.
'Ich stelle mich noch einmal an.'
Gedacht, gesagt und sie begann
(man würde es ihr nie verzeihen)
sich nun am Ende einzureihen.
Ihr Vordermann greift zum Getränk.
Sie streckte leicht ihr Handgelenk.
Da hörte sie: 'Sehr dumm gelaufen,
wir haben nichts mehr zum verkaufen.'
Die Schlange schlug sich an die Brust.
Dann giftet sie sehr selbstbewusst:
'Sind auch die Glühweinbuden pleite,
mein Flachmann steht mir treu zur Seite.'
Eine Eule
Mir redet eine Eule ins Gewissen.
Verbreitet ist ihr guter Ruf.
Sie hat nie auf Granit gebissen,
egal was sie mit Worten schuf.
Die Weisheit hat ihr Hirn gepachtet.
Und keiner macht ihr etwas vor.
Sie war bislang noch nie umnachtet.
Und war kein Ochse vor dem Tor.
Markant ist ihre Lesebrille.
Sie schützt sie vor dem Sonnenlicht.
Im tiefen Wald herrscht immer Stille,
wenn ihre Prophezeiung spricht.
Ihr kluger Rat hat mich gerettet.
Doch Zaster hat sie nicht verlangt.
(und darauf hätte ich gewettet)
Dann habe ich mich groß bedankt.
Die deutsche Henne
Die sogenannte deutsche Henne
bewohnt ein DIN-A4-Papier.
Und die, die ich persönlich kenne,
verteidigt immer ihr Revier.
Sie ist verdammt zum Eierlegen
wie jedes andre Federvieh.
Sie kann sich nur beschränkt bewegen
in einer Legebatterie.
Sie träumt ganz häufig von Getreide.
Denn jede Nahrung schmeckt nach Fisch.
Sie hackt aus Frust nach jeder Seite,
und jeder Friede trügerisch.
Das Licht der Welt bleibt ungesehen.
Kein Gockel ist in sie vernarrt.
Sie muss sogar im Schlafen stehen,
und hat niemals im Sand gescharrt.
Ihr Wesen kommt nicht zur Entfaltung.
Es dreht sich alles nur ums Ei.
Doch winkt für sie die Bodenhaltung,
dann hört man ihren Freudenschrei.
Die Feldmaus
Die Feldmaus macht sich auf die Socken.
Und diesmal ist es höchste Zeit.
Denn auf dem Boden liegen Flocken,
und letzte Nacht hat es geschneit.
Darauf war sie nicht vorbereitet.
Das warf sie völlig aus der Bahn.
Ihr siebter Sinn hat nicht geleitet,
gezogen war ihr Weisheitszahn.
Sie handelte anstatt zu fluchen.
Ihr Rückenleiden schmerzte sehr.
Zur Plage wird das Körner-suchen.
Und auch ihr Akku war fast leer.
Vereinzelt tönten Spötterzungen.
Das klang wie Cholera und Pest.
Letztendlich ist ihr Werk gelungen,
Nun liegt sie im gemachten Nest.
Hausarbeiten
Es gilt, die Fehler auszubügeln,
und vor der eignen Tür zu kehren,
das Durcheinander neu zu zügeln,
sowie sich seiner Haut zu wehren.
Ein wenig auf den Putz zu klopfen,
das Brett vorm Kopf in Stücke hacken,
das große Haushaltsloch zu stopfen,
und dann die Brötchen klein zu backen.
Es gilt auch, reinen Tisch zu machen,
und jeden Quälgeist zu vertreiben.
Dann kann man wieder scherzen, lachen.
Doch: Immer auf dem Teppich bleiben!
Das vierte Reich
Das vierte Reich steht vor der Tür.
Bald ist es wieder Sitte:
Ist Bürger Meyer nicht dafür, erhält er
Stiefeltritte.
Schon lodert wild der Fremdenhass.
Es funkt, es bombt, es splittert.
Und Jauche sprudelt aus dem Fass.
Moralisches verwittert.
Die Krankheit hat sich eingeschleppt.
Kein Doktor kann sie heilen.
Sogar am Stammtisch wird ge-REP-t.
(Ein Grund: sich abzuseilen!)
Noch zählt der alte Zapfenstreich
und gut bewährte Bräuche.
Das ändert sich im vierten Reich
durch Maul- und Klauenseuche!
Der Virus
Die letzte Woche war ich sehr
verschnupft und stark erkältet.
Jedoch der Virus niest nicht mehr.
Bald ist er abgemeldet.
Sei auf der Hut, man weiß ja nie
-so viele Pfefferstreuer.
Und außerdem noch Borstenvieh,
und andre Ungeheuer.
Bis bald und bis gelegentlich.
Mein Brief soll zu dir reisen.
Doch wie dein Name heißt, wird sich:
- Erst in der Zukunft weisen.
Etwas später
Die warme Luft kam über Nacht.
Ein Vogel pfeift ein Ständchen.
Und das Ge-Beet ist aufgewacht.
Verliebte halten Händchen.
Die Launen sind jetzt gut gemient.
Am Spielplatz schaukeln Kinder.
Der Schneemann hat längst ausgedient.
Im Abseits schmilzt der Winter.
Bestaunenswert ist die Natur.
Ein zauberhaftes Wunder.
Und darum geht die Sonnenuhr
auch etwas später unter.
Beleidigt
Ich habe dir kein Haar gekrümmt.
Nur meinen Kopf verteidigt.
Und dennoch schaust du missgestimmt.
Mir scheint, du bist beleidigt.
Dein Draht zu mir ist abgezwickt.
Dein Lächeln eingefroren.
Und das Gespräch ist eingenickt,
kein Wort wird mehr verloren.
Ich sei dir auf den Schlips getappt!
Und das gibt dir zu denken.
"Ach, sei doch nicht mehr eingeschnappt!
Ich wollte dich nicht kränken!"
Ein Virus
Ein Virus nimmt mich auf die Schippe.
Ein Fehler im Immunsystem.
Zwei Tage später grast die Grippe.
Ihr Auftritt ist nicht angenehm.
Die Müdigkeit steckt in den Knochen.
Für harte Arbeit fehlt die Kraft.
Es wird nicht aus dem Bett gekrochen.
Ich tue nichts - und bin geschafft.
Zu allem Übel steigt das Fieber.
Der Doktor eilt ans Krankenbett.
"Ich mache Sie gesund, mein Lieber,
und Ihre Schlappheit wieder wett.
Wir werden nun den Virus kränken.
Dadurch wird er gehandikapt.
Dann kann sich auch das Fieber senken.
Ein Kräuterweib- und Hausrezept!"
Ein Unmensch
Ein Unmensch kämpft gerissen,
gemein und abgebrüht.
Es fehlt ihm ein Gewissen,
das nach dem Rechten sieht.
Er nutzt die faulen Schliche,
und hetzt im Untergrund.
Dann gehen seine Sprüche
treppauf, treppab und rund.
Aus Angst entsteht ein Schweigen.
Nun spielt er wilder Mann.
Er kann den Thron besteigen
als Herrscher und Tyrann.
Jetzt wird nicht mehr gefackelt.
Weil das kein Mensch erträgt.
Das erste Stuhlbein wackelt,
es ist schon angesägt.
Himmel auf Erden
Du hast mir den Himmel auf Erden versprochen:
Den hab' ich mir anders vorgestellt.
vielleicht hast du auch dein Wort gebrochen,
und ohne zu zögern, die Zeche geprellt.
Du wolltest mich immer auf Rosen betten.
Und hast jeden Einwand beiseite gedrängt.
Ich weiß es genau, und kann darauf wetten:
Du hast mir nicht eine Blume geschenkt.
Du wolltest mir meinen Alltag verschönen.
Das hat leider nur in der Traumwelt geklappt.
Du wolltest mich rund-um-die-Uhr verwöhnen.
Ich habe dich dabei noch nie ertappt.
Du wolltest mir meine Sehnsucht stillen.
Das war dein erklärtes Lebensziel.
Du wolltest mir alle Wünsche erfüllen.
Du wolltest . . . du wolltest . . . du wolltest so viel.
Du konntest schon immer 'herrlich' schwindeln.
Jetzt wird nur geputzt, gewienert, gekehrt.
Ich schrubbe den Boden,
wasche die Windeln.
Mein Himmel auf Erden - ein Platz am Küchenherd.
Rede mit vierzehn
Wo für mich sich Welten drehen,
ist für euch Vergangenheit.
Und ihr könnt mich nicht verstehen,
weil ihr schon erwachsen seid.
Wie ich fühle und empfinde,
wisst ihr, und begreift ihr kaum.
Denn für alles braucht ihr Gründe.
Ich hingegen - meinen Traum.
Was soll ich mit euch besprechen,
wenn ich vieles besser weiß?
Und bei schwerem Kopfzerbrechen
hilft allein mein Freundeskreis.
Wie oft muss ich euch erklären,
dass es kein Zurück mehr gibt.
Lasst mich endlich mal gewähren,
- - - wie es mir beliebt.
Wo für mich sich Welten drehen,
ist für euch kein Aufenthalt.
Und ihr könnt nicht mit mir gehen,
denn ihr seid dafür zu alt.
Launisch
Ein Sonnenstrahl, dann Wolkenguss.
Das Wetter wechselt stündlich.
Kaum fasst der Himmel den Beschluss,
schon ändert er ihn gründlich.
Erst wird geduscht, dann bläst ein Föhn
die nassen Pflanzen trocken.
Die Blüte macht sich wieder schön,
bis Schneegewölke flocken.
Man fragt umsonst: Was wird gespielt?
Die vorschau kann nichts nützen.
Selbst wenn die Sonne nach uns schielt,
bald ringt es in den Pfützen.
Es heult der Wind, dann schweigt er still.
Die Wiese lässt sich färben.
Denn alle wollen dem April,
die Laune nicht verderben.
Die Welle
Zur Böschung ringt die Welle.
Sie stürzt sich auf den Stein,
und taucht dann auf der Stelle
ins Uferlose ein.
Dort streichelt sie die Algen.
Geschuppte flossen dort.
Die kleinen Gräten balgen
und treiben Wassersport.
Die Welle geht nicht unter
im nassen Element.
Jedoch das ist kein Wunder,
das auf den Nägeln brennt.
Ein Teil des Wellenschlages
ist auf das Grün geschwappt.
Dort wird er eines Tages
vom Sonnenstrahl geschnappt.
Zorn und Zank
Man kommt nicht weit mit Zorn und Zank.
Man stößt an eine Mauer.
Die ähnelt einem Panzerschrank.
Das nervt nach kurzer Dauer.
Das Hindernis steht steif und stock.
(Nur Vögel können fliegen.)
Man muss und wird als sturer Bock
wohl immer unterliegen.
Zerknautscht tritt man den Rückzug an.
Kein Schmettern der Fanfaren!
Denn Hinz und Kunz und Jedermann
will sein Gesicht bewahren.
Man kommt nicht weit mit Zank und Zorn.
Es führt zu einer Schlappe.
Das nimmt man aber schon von vorn-
herein, auf seine eigne Kappe.
Eine Geschichte (noch ohne Happy End)
Bis gestern unter Staatskontrolle
und eingepresst in eine Form.
Die Freiheit spielte keine Rolle,
verpflichtet der Gesellschaftsnorm.
Geimpft bereits im Kindergarten,
damit kein Seuchenherd entsteht,
und die Gedanken nicht entarten.
von klein auf durch den Wolf gedreht.
Und sprengte einer die Schablone,
dann war der gute Mann verratzt.
Denn nach der Strafe, zweifelsohne,
war Leib und Seele angekratzt.
Man hat bespitzelt und belauert.
Es herrschte der totale Staat.
Die Grenzen waren zugemauert
mit Stahlbeton und Stacheldraht.
Der böse Spuk ist ausgeblendet.
Doch alte Wunden sind wie frisch.
Damit es sich zum Guten wendet,
muss noch so einiges vom Tisch.
Nun könnten wir zusammenfinden.
Der Todesschuss ist abgeschafft.
Und Mauern kann man überwinden,
. . . am besten, mit vereinter Kraft.
Aufregendes
Du hast mir oft die Freude
vertraulich eingeflößt.
Du hast mich aber heute
in Tränen aufgelöst.
Was hat dich denn gestochen,
dass du den Schnabel wetzt?
Ich habe nichts verbrochen
und werde nur verletzt.
Mir zittern schon die Beine.
Und 'Wer' kann was dazu?
Der Grund, warum ich weine,
bist ausgerechnet DU.
Du magst und machst mich leiden.
(Ein Gegenlicht des Lichts.)
Lass uns nicht länger streiten,
um nichts und wieder nichts.
Komm her und sei verträglich!
Zum Glück ist deine Wut
nicht stündlich und alltäglich:
Ich bin - dir wieder gut.
Standhaft
Wo ich am liebsten stehe,
vergeht die Zeit im Flug.
Du bist in meiner Nähe,
das ist mir längst genug.
Und stehst du mir zur Seite.
so will ich zu dir steh'n.
Das wäre für uns beide,
beständig zauberschön.
Wo ich am liebsten stünde?
Das ahnst du sicherlich.
Mein Herz erklärt die Gründe,
das heißt, ich steh' auf dich.
Ein Tünchner
Ein Tünchner streicht die Wolkendecke.
Sein Auftrag lautet: Weiß mit Blau.
Er pinselt fleißig eine Ecke
und nimmt die Arbeit sehr genau.
Mit Sorgfalt taucht er in den Eimer.
Das wirkt gekonnt und meisterlich.
'Da staunen meine Pappenheimer.
Bald geht ein dickes Lob an mich. '
Und schließlich ist das Werk geschändet.
Der Maler freut sich wie ein Kind.
Das Grau-in-Grau hat er vollendet.
Der Mann ist nämlich farbenblind.
Man hat ihm fast "das Herz" gebrochen.
Man hat ihn fast dafür gelyncht.
Da hat er Hochs und Tiefs versprochen,
dass er es demnächst anders tüncht.
Zum Stand der "Dinge"
Man kommt auf keinen grünen Zweig.
Die Kälte zwingt die Blätter
zum Nichtstun und zum Bummelstreik.
Ein schauderhaftes Wetter!
Deswegen gleicht der Gartenstrauch
auch Kaiser Karl dem Kahlen.
Für Waldgehölze gilt das auch.
Es fehlen Sonnenstrahlen.
Wo bleibt das unlinierte Blatt?
Ich möchte es beschreiben.
Da sagt zu mir ein Ast doch glatt:
"Ich lasse mich nicht treiben!"
Höhenflug
Ein Höhenflug hat eigenwillig
den Weg zum Gipfel abgekürzt.
Er dachte, das sei recht und billig.
Doch dabei ist er abgestürzt.
Ein Hebel hatte sich verkantet,
und der Pilot stand auf dem Schlauch.
Ein Treffer wurde zwar gelandet,
doch ungewollt - und auf dem Bauch.
Verteufelt wird der Traum vom Fliegen,
wenn er uns aus den Träumen reißt.
Sobald wir auf der Nase liegen,
geht uns die Sache auf den Geist.
Abschied
Du legst auf einmal los
und tanzt mit Freiersfüßen.
Du sagst, du willst dir bloß,
das Einer-lei versüßen.
Du fühlst dich zugeschnürt,
verpackt und eingemottet.
Was schließlich dazu führt,
dass die Beschreibung spottet.
Du redest ungeschminkt,
du möchtest wieder freisein.
Und wo der Rhythmus swingt
mit Haut und Haar dabeisein.
Ich weiß, dass dich nichts hält.
Mir ist nicht wohl zumute.
So schwer es mir auch fällt:
"viel Spaß und alles Gute."
Ich halte dich nicht fest,
das bringt nichts auf die Dauer.
(Doch wenn du dich - nicht "später" sehen lässt,
dann bin ich aber sauer !!!)
Streitsüchtig
Ein dummer Streit nimmt seinen Lauf.
Die Atmosphäre ist vergiftet.
Und alle warten nur darauf,
dass endlich einer Frieden stiftet.
Kaum findet sich ein Schiedsgericht,
haut jede Seite in die Tasten:
"Der Urteilsspruch gefällt mir nicht!
Er geht allein zu meinen Lasten!"
Ob der Gedanke wirklich stimmt,
und ob der Einwand sich bestätigt,
das bleibt, weil man es gründlich nimmt,
auf lange Sicht wohl unerledigt.
Der Streit, der unaufhörlich nervt,
ist leider nicht zu Fall zu bringen.
Im Gegenteil: er wird verschärft
durch aufgescheuchtes Redenschwingen.
Dabei reicht jeder gern die Hand
für einen dauerhaften Frieden.
Doch das vereitelt der Verstand,
er lässt sich nämlich gar nichts bieten.
Das wird sich ändern
Man hat mich in die Knie gezwungen
und auf dem falschen Fuß erwischt.
Gleich haben freche Spötterzungen
mir Quatsch mit Soße aufgetischt.
Am liebsten wär' ich durchgegangen,
die Reden haben mich beschämt.
Doch Fallen hielten mich gefangen.
Ich war betäubt und wie gelähmt.
Ein Prediger hat mir verklickert,
wohin mein morscher Dampfer fährt.
Das ist jedoch im Ohr versickert.
Es hat mich nicht von mir bekehrt.
Man hat mich in die Knie gezwungen
mit einem miesen Hinterhalt.
Die Flucht ist mir noch nicht gelungen.
Doch hoffentlich - gelingt sie bald.
Oh, Jemine
Es wird gemault und laut geplärrt.
Bescheiden ist die Lage.
Wer hat den Frieden ausgesperrt?
so heißt die Schlüsselfrage.
Doch jeder weist es weit von sich.
Man schwört und meinbeeidet.
Weshalb der Frieden fürchterlich
und stark darunter leidet.
Ein Unhold zielt, die Lunte schwelt.
Das Korn sitzt in der Kimme.
Ein Plattschuss - und dem Frieden fehlt
die Sprache und die Stimme.
Den Frieden schickt der Paukenschlag
ganz schnell in die Verbannung.
Zur dicken Luft am nächsten Tag
herrscht noch Gewitterspannung.
Und jeder denkt: Oh, Jemine!
Gleich platzt der enge Kragen.
Da äußert sich die 'Schnapsidee':
"Wir wollen uns vertragen."
Nur für Nicht-Franken
Ein Fremder fährt ins Land der Franken.
Dort wünscht er einen "Guten Tag".
Da räuspern sich schon die Gedanken,
das liegt am welschen Zungenschlag.
Im Anschluss fällt die große Klappe.
Der Gegengruß wird unterdrückt.
Die Geste ist ja nicht aus Pappe,
der Anstand wird im Keim erstickt.
Aus welchem Grund wird so gehandelt?
Herr Knigge wird total blamiert.
Sein Werk entstellt und frech verschandelt.
Er ist im Jenseits und rotiert.
Der Augenschein kann es begründen.
von Hügeln sind wir eingeengt.
Schau nur nach rechts, nach vorn, nach hinten!
Der Horizont ist hier beschränkt.
Blumenstrauß
Ein farbenfroher Blumenstrauß
darf seinen Standort wählen.
Dann duftet er durchs ganze Haus,
um Märchen zu erzählen.
Er schmückt sie aus, und phantasiert
Legenden und Geschichten.
Man bleibt davon nicht unberührt,
denn Gutes will berichten.
Obwohl er teils im Wasser steht,
wird sich das Schicksal rächen.
Er welkt dahin und es vergeht
ihm buntherum das Sprechen.
Moral: Ein schwerer Schock!
"Oh, denkt an den Empfänger!"
verschenkt nur einen Blumenstock,
denn der hält etwas länger.
Ein Ungeborenes erzählt
In einer sternenklaren Nacht
(und das ist nicht gelogen)
hat mich der Klapperstorch gebracht.
Er hat mich hergeflogen.
Wie gut, dass Eine mit mir geht
in meinen ersten Tagen.
Und dass sich alles um mich dreht,
ist einfach zu ertragen.
Ich bin wie Seide und wie Samt.
Und mache kleine Schritte.
Und schlafe nachmittags im Amt,
denn das ist dort so Sitte.
viel weiss ich nicht, ich bin noch klein-
und riesengroß die Erde.
Doch eines weiß ich ganz allein,
ob ich ein Junge oder Mädchen werde.
Wie ist die Lage?
Die Zukunft hast du dir seit Wochen
in bunten Farben ausgemalt.
Du hast dir viel zu viel versprochen.
Der Vorschuss wird nicht ausgezahlt.
Im Luftschloss turnten deine Pläne.
Sie seilten Tänze ohne Netz.
Die Gegenwart zeigt ihre Zähne.
Vergangenes wird zu Geschwätz.
Es säuert die beschwingte Miene.
Zum Teufel geht die Heiterkeit.
Der Himmel weint, und die Gardine
hält eine Predigt -lang und breit-.
Es wird dir "Wunder-was" versprochen,
wenn du den Sachverhalt entfernst.
Die Phantasie war ausgebrochen.
Nun wird die Lage wieder ernst.
Willkommen
Willkommen in Kleinkinderfeld!
Dem Land der Mama- und der Papa-geien,
dem Nabel Deiner neuen Welt:
Zum Teil zum Lachen und zum Schreien.
Du hast Dich nicht im Tag geirrt,
und Deinen Weg gefunden.
Egal was war, egal wie's wird,
wir sind Dir stets verbunden.
Wenn Dich der Sandmann übersieht,
Du weinst und fühlst Dich einsam,
dann summen wir ein Wiegenlied,
und machen durch: gemeinsam.
Doch falls wir Deinen Übermut
gelegentlich beschränken,
dann meinen wir es dennoch gut!
Das mögest Du bedenken.
Du stammst von einem andern Stern.
Nun schreiben wir
Dir hinter beide Ohren:
"Wir haben Dich unsagbar gern,
und sind wie neu-geboren. !
Mehr als ein Ein-druck
Wo schroffe Steine schrammen,
und wo der Flößer steigt,
führt Fels und Fluss zusammen.
Die Wiese zirpt und geigt.
Und wo sich Winter bergen-
mit Pilzen groß und klein -
kann sich ein Hunger stärken,
im Kuhstall kehrt man ein.
Wo gibt es noch dasselbe?-
Natürlich - voller Reiz
. . . wie in Bad Schandau an der Elbe,
in Sachsen, in der Schweiz.
PS: Wo steile Wege pfaden,
sich treppend zur Bastei,
auch dazu kann ich Rathen:
Die Fernsicht - einwandfrei.
Frühstücksbuffet
Im Halbschlaf, matt und traumumnebelt.
Die Nase schnuppert schon Kaffee.
Das Sprachrohr stumm, wie zugeknebelt.
Man lädt zum Frühstück ans Buffet.
Die Auswahl: riesengroß und reichlich.
Das Auge schaut, der Wunsch hält still.
Und folglich ist es unausweichlich:
Mein Magen weiß nicht, was er will.
Der Hintermann kennt keine Gnade.
Er schubst mich. Die Entscheidung fällt.
Die Hand greift Brötchen, Marmelade.
Ein Ei wird noch dazugesellt.
Genug fürs Erste und fürs Zweite.
"Ein Fensterplatz, das wäre toll."
Mein Blick schweift nah und in die Weite.
Die Aussicht: wenig aussichtsvoll.
Ein kleines Plätzchen ganz, ganz hinten.
Bepackt mit Frühstücksallerlei
bin ich dabei, dorthin zu finden.
"Gestatten Sie. . ?" - ". . . hier ist nicht frei!"
Man gibt sich hin dem Kaffeetrinken,
und tankt die heiße Morgenkraft.
Man lässt nicht gern die Tasse sinken.
Ich habe Zeit . . . es ist geschafft.
Nun aber auf zum Brötchen-essen,
denn das war schwer verdientes Brot.
Die Butter habe ich vergessen.
Es geht auch ohne - in der Not.
Ach ja . . .
Ich kann dich nur von weitem grüßen.
Gedanklich bin ich noch bei dir.
Ich läge gern zu deinen Füßen.
Doch du bist dort, und ich bin hier.
Wir könnten nett spazierengehen
im Mondenschein auf schmalem Pfad.
Jedoch du wohnst, so kann ich sehen
auf einem andern Längengrad.
Es sind so viele Kilometer
und morgen früh ein Arbeitstag.
Nun nehme ich Papier und Feder,
und schreibe dir, dass ich dich mag.
Noch immer ohne Herzbeschwerden.
Ein Lebe-wohl mit Gänsewein.
Und heute soll es heiter werden:
Es könnte gar nicht schöner sein.
Noch immer ohne Liebeskrise.
Ganz hübsch und herrlich, wunderbar.
Und Blumen winken aus der Wiese.
Unglaublich, aber traumhaft wahr.
Noch immer fröhlich, guter Dinge.
Ich bin ein Glückspilz, ungepflückt.
Kein Maschendraht und keine Schlinge,
die mir brutal die Luft abdrückt.
Ich reite oben auf der Welle.
Gelöst, vergnügt und unbeschwert.
----Und ich verdränge jene Fälle,
----wo mich ein Frust zur Hölle fährt.
Traumtänzer
Weitab von Gut und Böse.
Auf Neudeutsch: Mega-out.
Kein Krach und kein Getöse,
das mich vom Hocker haut.
vom Alltag abgeschnitten.
Entronnen dem Verlies.
Und das ist unbestritten
wie einst im Paradies.
Beurlaubt für drei Wochen.
Die Seele räkelt sich.
Und auch die müden Knochen.
sind wieder jugendlich.
Es scheppert nicht der Wecker,
bevor der Morgen tagt.
Ich habe seinem Stecker
die Stromzufuhr versagt.
Ganz fern die ungelöste
und aufgetürmte Pflicht.
Und das ist wohl das Größte:
Es stört mich nicht!
Die weit verbreitete Gattung der Nervensäger
Die ritsche-ratsche Nervensäge
geht mir gehörig auf den Geist.
Sie stört mich mehr als Niederschläge,
weil die Geduld bekanntlich reißt.
Doch auch der große Nervensäger
ist nicht viel besser als sein Weib.
Er ist ein Vogel, ein ganz schräger,
und stichelt nur zum Zeitvertreib.
Das putzig, süße Nervensägchen
gibt mir, wenn's krumm geht, auch den Rest.
Und dabei ist es nur ein Häkchen
im aufgeräumten Eltern-Nest.
Die Gattung treibt es auf die Spitze.
Das wirkt am Anfang "lustig" bunt.
Man lacht noch über ihre Witze,
und übersieht den "Hintergrund".
Sie tummeln sich an allen Plätzen.
Zum Nervensägen stets bereit,
indem sie dumme Sachen schwätzen
bei "passender Gelegenheit".
Das Rätsel
Ich bin im Ungewissen
bei Vor- und Hin(t)ernissen.
Kein Durchblick fühlt und spürt:
Wohin das ganze führt?
Verzehre ich die Reste?
Und liegt vielleicht das Beste
längst abgehakt und weit
in der Vergangenheit?
Die Antwort mischt die Karten.
Ein Weilchen muss ich warten.
Dann hüstelt sie ganz leis',
dass sie das Rätsel
-nicht zu lösen weiß
Die fremde Stadt
Gerade eingetroffen,
natürlich leicht gehemmt.
Für alles Neue offen.
Noch wirkt es kalt und fremd.
Es wechseln die Gesichter.
Es sieht hier anders aus.
Nur bunte Neonlichter
erinnern an zu Haus.
Es dauert eine Weile,
und dann gewöhnt man sich
an "seine" Straßenzeile.
Es schmilzt der Trennungsstrich.
Zwei Wochen sind verflossen.
vergangen wie im Flug.
Man hat die Stadt genossen
und längst ins Herz geschlossen.
Um zehn Uhr fährt der Zug.
Jahreszeugnis
In Schriftdeutsch einen vierer.
In "Plattdeutsch" eine Eins.
Jedoch als Fremdenführer
am Ende des Lateins.
Noch einen Gnadendreier
in Bio und Physik.
In Mathe - hol's der Geier -
ein glattes Missgeschick.
Am Wahlfach teilgenommen.
Die Schule nie geschwänzt.
Betragen: teils willkommen.
Mit Fleiß nicht groß geglänzt.
Das Zeugnis hat bewertet.
(Die Spannung steigt!)
Versetzung nicht gefährdet,
das Klassenziel erreicht.
P. S. : Enthält der letzte Satz ein nicht,
dann sei dir hier empfohlen
(sofern kein Grund dagegenspricht),
den Spaß zu wiederholen.
Versöhnungs-Gespräch
"Du hast mir unbegründet
ein dickes Ei verpasst!
Einst waren wir verbündet.
Jetzt bist du mir verhasst.
Ich fiel aus unsrer Wolke.
Der Aufprall: sturzbrutal.
Und das hat nun zur Folge:
Mein Freund, du kannst mich mal.
"Es tut mir leid, ich mache
mit Absicht nichts verkehrt!"
Na gut, dann ist die Sache,
nicht mehr der Rede wert."
Die Sache ist schon halb geritzt.
Der Stoff zurechtgeschneidert.
Der Bleistift hat sich zugespitzt,
damit sein Strich nicht scheitert.
Ein Pinsel taucht ins Farbenmeer,
um sich ins Bild zu setzen.
Das weiße Blatt legt sich nicht quer,
sonst fliegen seine Fetzen.
Die Phantasie hat freie Bahn.
(Dem Schema F wird's bange.)
Es reift ein dünnskizzierter Plan.
Das wünsche ich schon lange.
Ich mache mir kein eignes Bild,
- kein Grund um stolz zu prahlen -
doch ohne jeden Zweifel gilt:
Es fehlt mir dein Talent zum Malen!
Vom Urlaub zurück
Der Schreibtisch: voll und aufgetürmt.
Es stutzt die Urlaubsmiene.
Mit Arbeit wird man gleich bestürmt.
Noch fehlt es an Routine.
Die dicken Brocken obenauf.
Und mittendrin ein Hammer.
Man nimmt es hin und auch in Kauf,
sonst maunzt der Katzenjammer.
Auf einmal ist der Tag verplant.
Man muss sich Formen fügen.
Man muss, viel schneller als man ahnt,
der Arbeitswelt genügen.
Der erste Streich: ein Aktensturz,
mit Wiegen, Zählen, Messen.
Der lange Urlaub war zu kurz.
Und bald ist er vergessen.
Endlich Sommer
Im Sommer wird am Badestrand
die faule Haut getoastet.
Getränke schatten sich im Sand.
Dem Durst wird zugeprostet.
Ein Mark-Stück und die Kugel fällt.
Man schleckt in aller Ruhe.
Beliebt ist in der heißen Welt:
Das Eis der Tiefkühltruhe!
Das Picknick krümelt auf die Haut
und brockt nach allen Seiten.
Dann wird es langgestreckt verdaut,
Es plätschern die Gezeiten.
Die Badekappe schwimmt und taucht.
An Zehen wachsen Flossen.
Die Boote sind total geschlaucht.
Ein Wetter - für die Sommersprosssen!
Reif für die Insel
Ich sehne mich nach fernen Inseln,
umringt vom stillen Ozean.
Wo Blumen in die Sonne blinzeln,
verträumt und ohne Stundenplan.
Ich sehne mich nach Meeresrauschen:
Am Horizont ein Segelboot.
Nach Möwen, die den Wind belauschen,
und seewärts zieh'n im Abendrot.
Ich sehne mich nach Gischt und Brandung,
nach steilen Dünen, Palmenstrand.
Nach Höhenflügen ohne Landung,
nach Muschelschalen auf dem Sand.
Gepackt, geurlaubt, abgeflogen!
Die Sehnsucht hielt es nicht mehr aus,
und ist aufs Eiland umgezogen.
Dort sehnt sie sich nach Haus.
Finanzkrise
Den Staat verfolgt ein Pleitegeier.
Die Kasse rutscht ins Haushaltsloch.
Das kommt dem Bürger maßlos teuer.
Er murrt. Man kriegt sein Scherflein doch.
Verpulvert hat man die Milliarden.
Ein Fenster auf - und raus damit.
Das Polster mit dem Angesparten
kauft nun auf Pump und auf Kredit.
Jetzt wird "Soziales" kahlgeschoren,
gekürzt, gestrichen und versagt.
Ein Einwand stößt auf taube Ohren.
Ein Widerspruch wird prompt vertagt.
Aus Bonn:
"Wir sehen an den Schlussbilanzen:
Der Wirtschaft droht ein Herzinfarkt.
Das wirkt auch auf die Staatsfinanzen.
Es boomt im 'Aus' der Binnenmarkt. "
Das heißt konkret: Der Staat ist pleite.
Es reicht nur noch für Magerquark.
Bei Banken steht er in der Kreide.
Im Portemonnaie fehlt jede müde Mark.
Es soll dich nichts und niemand kränken.
Sogar im schwarzen Wolkenmeer
soll dir der Tag ein Lächeln schenken
und guten Rat: Nimm's halb so schwer.
Ist alles krumm und schief gewickelt,
verzwickt, missraten und verhunzt.
Bevor es dich zerreißt, zerstückelt:
In der Geduld besteht die Kunst.
Und bist du völlig von den Socken.
Ein Tiefschlag und ein "fast" knocked out.
Dann denke bei den dicken Brocken:
Das Ganze ist bald durchgekaut.
Es sollen dir die kleinen Wunder
tagaus, tagein zur Seite steh'n.
Bald fällt ein Stern vom Himmel runter.
Du glaubst es nicht? - Du wirst es seh'n.
Vorboten
In Straßenbahnen schneuzt der Schnupfen.
Bazillen gehen auf die Jagd.
Die Blätter mit den bunten Tupfen
hat Wind-und-Wetter abgenagt.
Das Nachtgespenst schruppt Überstunden.
Und zwingt den Tag zur Kurzarbeit.
Die Sonne dreht verkürzte Runden.
Wer mit der Mode geht - ersteht
ein wollig-warmes Winterkleid.
Tipp-Klick
Der Rechner piepst und murrt und muckt.
Doch pfeilschnell jagt die Maus.
Ein Fingerklick, der Bildschirm zuckt,
der Lesekopf fährt aus.
Dann geht er auf Erkundungs-Tour.
Ein Laufwerk saust im Kreis.
Im Sektor sucht er eine Spur,
die wird allmählich heiß.
Adressen ohne Postleitzahl,
kein Ziffern-Alphabet.
Der Lesekopf versteht dual:
Magnet und Nicht-Magnet.
Weil alles schnell ins Hauptwerk muss,
nimmt er das nächste Byte,
und hinterher den Datenbus.
Das kostet seine Zeit.
Nun blinkt der Cursor rot auf grau.
Der Mausherr schaut gedrückt.
Denn er erkennt nun haargenau,
die Sache ist missklickt.
Der Tag
Der Tag steht früh am Morgen auf.
Noch schaut er recht verschlafen.
Die Möwe krächzt im Hafen.
Der Tag nimmt seinen Lauf.
Ein Gockel kräht sein Lieblingslied.
Die Hennen auf der Stange
erschrecken vom Gesange
und schimpfen: "Störenfried!"
Die Kinder schlüpfen aus dem Bett
und lupfen die Gardinen.
Es summen Honigbienen.
Der Wettergott strahlt nett.
Der Nachmittag döst dumpf und lang.
Er schlürft die Langeweile.
Dann kommt der Tag in Eile
und dann der Sonnenuntergang.
Der Tag hat seine Pflicht getan.
Jetzt spielt er mit den Zwergen
dort hinter jenen Bergen.
Und morgen -
fängt er ganz von vorne an.
März
Im Frühling schmilzt die Sonne
die weiße Winterpracht.
Es plätschert allerorten.
Es gluckert durch die Nacht.
Am Wegrand wachsen Blumen
ins helle Sonnenlicht.
Und viele Menschen zeigen
ein Feiertagsgesicht.
Von Zweigen zwitschern Vögel,
sie zogen bis hierher.
Sie weilten in der Ferne
und flogen übers Meer.
Im Frühling blüht das Leben
in jedem grünen Keim.
Ich staune gottergeben
und fühle mich in der Natur - daheim.
Traum
Die Standuhr schlägt. Der Kirchturm schmollt.
Die Post geht ab. Ein Donner grollt.
Das Wetter heiter, teils bewölkert.
Straßenbahnen - übervölkert.
Und der Nachbar Trampeltier
spielt auf seinem Klangklavier.
Grinsend äugt der Mond durchs Fenster.
Katzen maunzen wie Gespenster.
Auf einmal stoppt der dumme Traum.
Mein Radio swingt im Nebenraum.
Ich unterbreche etwas später
die Klanggebilde aus dem Äther.
Dann schlägt der Kirchturm und
die Standuhr tickt.
Alles in Ordnung .... und .... eingenickt.
Frühling
Die Blätter schlüpfen aus den Zweigen.
Sie waren lange zugedeckt.
Nun ist es Zeit, das Grün zu zeigen,
das Schlafende wird aufgeweckt.
Wer Federn hat, putzt sein Gefieder.
Dem Winter geht die Puste aus.
Die Vogelschar singt frohe Lieder.
Ein Buchfink baut sein Vogelhaus.
Die Sonne winkt auf ihren Wegen
dem grünen Treiben freundlich zu.
Der Frühling blumt uns sehr gelegen.
Er lädt uns ein zum Rendezvous.
Arbeitstag
Wir wühlen in Gesetzen.
Wir zeigen großen Fleiß.
Wir sichten die Papiere
und suchen schwarz-auf-weiß.
Wir stochern in den Akten.
- Ein kleines Missgeschick.
Nun reißt der rote Faden,
das bricht uns das "Genick".
Der Antrag ist verknotet,
verflixt und zugenäht.
So kommt man leicht ins Schwitzen.
Das spürt das Schreibgerät.
Am Abend sind wir müde,
verbraucht und gliederschwer.
Der Trott geht morgen weiter.
Was will man mehr?
Wünsche
Ich wünsche dir fürs neue Jahr:
Gesundheit, Glück und Gottes Segen,
den Sternenglanz auf deinen Wegen
und einen Retter bei Gefahr.
Ich wünsche dir den Kinderblick,
das Staunen über kleine Sachen,
den Spaß, die Freude und das Lachen
bei Ärger oder Missgeschick.
Ich wünsche dir auf wilder See,
dass du den Weg zum Hafen findest
und alle Stürme überwindest.
Dein Lotse sei die gute Fee.
Ich wünsche dir Geborgenheit.
Die Möglichkeit zum lauten Klagen
und Trost in deinen schweren Tagen
des Kummers und der Bitterkeit.
Was du dir wünscht, das werde wahr.
Es mögen deine Träumereien
im Garten sprießen und gedeihen.
Mein Wunsch für dich: ein gutes Jahr.
Es möge dir wohl ergehen
Es treffe dich kein Hagelschauer,
kein Tiefschlag und kein Fliegendreck,
kein Backstein einer morschen Mauer
und auch kein brauner Kaffeefleck.
Sei hoffnungsvoll an trüben Tagen.
Sei frohgemut zu jeder Zeit.
Nichts Schweres liege dir im Magen,
und pflege die Gemütlichkeit.
Es blühe dir auf deinen Pfaden
die kunterbunte Blumenpracht.
Und sei verschont von jedem Schaden,
der deinem Herzen Kummer macht.
Das nennt sich Herbst
Wenn Schattenspender ihr Laub verlieren,
wenn Landstreicher nachts auf den Parkbänken frieren,
wenn auf Hügeln, in Tälern, in sumpfigen Auen
Gespenster nach dem Rechten schauen.
Wenn Krähen krächzen auf Ackerfurchen,
wenn Ranzen und Kinder zur Schule schlurchen,
dann wird der Sommer trotz heftiger Klagen
zu Grabe getragen.
Was du von ihm erbst,
das bringt der Herbst.
Der Drache - ist ein Weib
Es keift in einem Amt ein Drachen.
Die Höhle liegt im zweiten Stock.
Man hört ihn hämisch, gellend lachen.
Auf Arbeit hat er keinen Bock.
Er ist die größte Null von allen.
Im Trockenen hat er sein Schaf.
Er dampft und rosst und will gefallen,
und wenn ein Chef grüßt, nickt er brav.
Statt Feuer spuckt er dreiste Lügen.
Er meckert scheppernd durch das Haus.
Er scheut sich nicht vor dem Betrügen.
Ein Esel wiehert ihm Applaus.
Der Drache frisst sich fett und fetter.
Er schick-(s)-aniert und er entehrt.
Dem Himmel Dank für einen Retter,
der mit dem Schwert dazwischenfährt.
Das Ungetüm treibt unverfroren
sein falsches, tückenhaftes Spiel.
So lebt sein Schafskopf ungeschoren,
so kommt er frech zu seinem Ziel.
Oh, dürft' ich diesem Geiferdrachen
mitsamt der blinden Drachenbrut
von hinternwärts ein Feuer machen.
- Ach, täte das gut.
Kennst du das?
Kennst du ab und zu die Tage,
ohne Last und Seelenplage,
wo sich keine Frage stellt,
und ein Stern vom Himmel fällt?
Wenn die zähen Nichtigkeiten
fern von deiner Heimat streiten.
Siehst du herrlich, wunderbar,
alles Schöne deutlich klar.
Fühlst du dann mit Wohlbehagen
- ohne Murren, ohne Klagen -,
dass das Träge sich bewegt,
und sich das Erstarrte regt?
Pfeifst du fröhlich neue Noten
und auf alle Idioten,
die dich in die Formen zwängen,
und das Beste aus dir drängen?
Kennst du ab und zu die Tage,
wo sich deine Lebenslage
nur mit roten Rosen schmückt,
und dir das Leben glückt?
Ideale
Mein Traumgespinst vom Ideal
hat viele, tiefe Macken.
Die Zeit schert seine Krone kahl.
Es fehlen hübsche Zacken.
Der Glaube an den Sinn der Welt
erwies sich oft als Niete.
Er hat sich auf den Kopf gestellt
und fordert dafür Miete.
Dem bunt geblümten Kindertraum
fehlt manche weiche Feder.
Die Wirklichkeit beherrscht den Raum,
sie ist der Übeltäter.
Die Rassefrau der Utopie,
die musste ich begraben.
Ihr Enkel sitzt auf meinem Knie
und lacht mich an.
Man muss ihn gerne haben.
In der Stadt
Das Leben flutet kreuz und quer.
Es watschelt und es kriecht daher.
Vereinsamt grünt ein kleines Blatt
- im Herzen einer großen Stadt.
Es strömt und stockt. Es brodelt wild.
Was führt der Menschenschwarm im Schild?
Nach Augen-Blicken strömt er fort
Er sucht sein Glück mal hier, mal dort.
Die Menschen wogen hin und her.
Die Stadt gleicht einem Menschenmeer.
Das Meer versiegt und dann der Fluss.
Die Glocke schlägt zum Ladenschluss.
Der alte Iglu
Der alte Iglu ist verwaist.
Er spielt mit sich verstecken.
Am Eingang knurrt ein Hund, der beißt.
Das Einstiegsloch ist stark vereist.
Mich jammert's beim Entdecken.
Der Hund, der früher hier gebellt,
der liegt im Eis begraben.
Das Kläffen hat er eingestellt.
Er ruht sich aus von dieser Welt.
Den Frieden soll er haben.
Das Feuer wurde oft entfacht
bei Sturm und Hagelschauern.
Der Iglu schützte mich bei Nacht.
Er hat mir meinen Schlaf bewacht
mit seinen kühlen Mauern.
Doch eines Tags, da ging ich fort.
Ich musste mich entfernen.
Der Iglu war ein Lieblingsort,
nun fehlt davon das erste Wort.
Mein Schlitten folgt den Sternen.
Mein Weg lief heute auf ihn zu.
Den Namen wollt' ich nennen.
Da merkte ich beim Rendez-vous.
Wir beide sind nicht mehr per du.
Was uns verband: ist nicht mehr zu erkennen.
Ein Wohnort
Heißt es Obdachlosquartier,
schaut man schnell zur andren Seite.
Oder kratzt sein rechtes Ohr.
Oder sucht gekonnt das Weite.
Sag ich: "Meine Obdach bin ich los!"
Runzeln sich die Sorgenfalten.
Und die Augen rollen quer.
Und der Blick ist am Erkalten.
Nenne ich mein neues Heim,
schließt man hurtig alle Kassen,
sichert hastig Hab und Gut
- selbst die alten Kaffeetassen.
Spreche ich von dem Asyl,
welches mir ein Amt gewiesen,
wird der Ton polareis-kühl,
sachlich knapp. - Das ist zum Schießen.
Löge ich: "Ich heiße Hinz,
wohne Steintal Nummer sieben
an der Ecke Parkallee.
Und mein Haus ist abgeschrieben,
zögen manche gleich den Hut.
Lerne:
Wohnort macht den Menschen gut.
Die Zeit ist da und fern
Die Zeit dreht ihre Runden
im immergleichen Takt.
Die Zeit lebt ungebunden.
Sie regelt die Sekunden
zu jeder Zeit - exakt.
Die Zeit ist dein Begleiter.
Doch niemand nimmt sie wahr.
Die Zeit trägt keine Kleider,
sie findet keinen Schneider
und sucht seit Tag und Jahr.
Was würde nur geschehen,
wenn sie nicht gehen will?
Blieb sie am Mittag stehen,
um einmal nachzugehen?
Wär' alles totenstill?
Lässt sich die Zeit vertreiben?
Wer schenkt der Zeit die Zeit?
Wer kann die Zeit beschreiben
und immer bei ihr bleiben?
- Wohl nur die Ewigkeit.
Es ändern sich die Zeiten.
Die Zeit bleibt stets modern.
Sie regelt die Gezeiten,
das L(i)eben und sich-Streiten.
Die Zeit ist da und fern.
QQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQ
Ich liebe Unsinn und auch Quatsch.
Mein Fuß stapft frohgemut durch Matsch.
Trotz allem bin ich quietschvergnügt.
Und wüsste nicht, woran das liegt.
Doch wenn der Dreck zum Knöchel quillt,
ist mir die Pfützen-Lust gestillt.
Das nächste Nass wird überquert.
Zuviel ist immer grundverkehrt.
Ich eile fuß-benässt zur Quelle
und wasch' die Füße auf der Stelle.
Das Wasser ist zwar erste Wahl,
doch seine Kühle eine Qual.
Es naht sich nun aus Fleisch ein Quader.
Sucht dieses Monstrum - Streit und Hader?
Nun brüllt das Etwas lauthals: Muh.
Da wird mir klar:
Es handelt sich um eine Q.
Empfehlungen
Gib nicht acht auf fremdes Unken.
Glaube keiner Litanei,
die verkündet, laut und trunken,
dass es anders besser sei.
Lausche nicht den hohlen Lehren,
die ein andrer in dich zwängt.
Jeder Stein wird dich beschweren,
wenn er erst im Rucksack hängt.
Tanze nicht nach fremden Pfeifen.
Harmlos tönt die Melodie.
Doch ein Ohrwurm wird dich greifen,
und dann pfeifst du so wie sie.
Schaue hinter die Kulissen,
spielt man dir ein Stück vom Glück.
Dadurch kannst du schneller wissen:
Ist das Glück ein Gauklerstück?
Lass dir von dir selber raten.
Sei vor Dummheit auf der Hut.
Meistens gehst du mit ihr baden.
Und statt Ebbe kommt die Flut.
Rede-Wendung
Wenn dein Spiegel im Bad dich nicht mehr erkennt,
und wenn dir die Suppe im Topf anbrennt,
wenn höchstens dein Wasserhahn nach dir kräht,
und wenn dir das Wasser bis zum Halse steht,
wenn dein Rindvieh in dir in Grasbüschel beißt,
und wenn deiner Geduld der Faden reißt,
wenn du linken Fußes das Bett verlässt,
und wenn du dich bettest im Ameisennest,
wenn dir selbst die Zunge zum Halse raushängt,
und wenn deine Laus auf der Leber zu rennen anfängt,
und wenn du mit deinem letzten Verstand
jede Mücke verzauberst zum Elefant,
und alles geht krumm und schmeißt dich nieder
- dann lach mal wieder!
Die Zukunft wird es weisen
Du haderst über fremde Schuld.
Frech zeigst du deine Zähne.
Du wartest voller Ungeduld
und weinst so manche Träne.
Es mangelt dir in dieser Zeit
an deinem Selbst-Vertrauen.
Du pflegst bei jeder Zwistigkeit,
stets Mauern aufzubauen.
Der Zukunft bist du nicht geneigt.
"Die ist mir nicht zu willen."
So spricht dein Hier und Jetzt - und schweigt.
Die Wahrheit lacht im Stillen.
Was wird wohl übermorgen sein,
so fragt die Zukunft heute.
Die Antwort gibst du nur zum Schein.
Du wirst des Wahnsinns Beute.
Wenn du dir selber Glauben schenkst,
so will das nicht viel heißen.
Ganz gleich, was du im Herzen denkst.
Die Zukunft wird es weisen.
Du weißt nichts
Du weißt nie, mit welchen Sorgen,
dich dein Schicksal übermannt.
Denn die Zukunft lebt verborgen,
ungewusst und unerkannt.
Du weißt nie, was wird wohl werden.
Eine Stimme sagt dir dann:
"Liebesglück und Herzbeschwerden
fangen stets von neuem an!"
Du weißt nie, folgt nun ein Regen,
wird die heiße Liebe kühl,
kommt das Kommende gelegen,
führt der Weg zum rechten Ziel.
Du weißt nichts von deinem Ende.
Doch du weißt: es kommt der Tag,
da erlahmen deine Hände,
und dein Herz -
macht seinen letzten Schlag.
Herbst
Nun wird der Nebel dichter.
Es milcht das enge Tal.
Die Weiden trauern lichter.
Und morgen sind sie kahl.
Die langen Sonnentage -
verblüht und ausgezehrt.
Die traubensüße Lage -
in Fässer eingekehrt.
Den Wäldern und den Fluren
entfleucht die Vogelwelt.
Der Wind jagt ihre Spuren.
Das Nestgeflecht zerfällt.
Nun wird der Nebel dichter.
Und diesig dampft die Stadt.
Schon frösteln die Gesichter.
Bald reift das welke Blatt.
Mit allen Wassern
Mit allen Wassern bin ich nicht gewaschen.
Die sieben Meere sind mir nicht vertraut,
so manche Schlange wollte mich vernaschen,
doch deren Blicke habe ich durchschaut.
Nicht jede Mühle hat mich kleingemahlen,
nicht jeder Lumpenhund hat mich besiegt,
gar manches wäre noch zurückzuzahlen,
da eine große Rechnung offenliegt.
Auf roten Rosen bin ich nicht gebettet,
doch alle Wunder werden wahr,
und alle Wogen sind geglättet,
wenn nicht sofort, dann bestimmt
im nächsten Jahr.
Dezembermorgen
Die Kälte will den Herbst vertreiben.
Statt Tau und Nebel glitzert Reif.
An den vereisten Fensterscheiben
erblühen Blumen - starr und steif.
Die Wedel junger Tannenbäume
sind wegen ihres Grüns begehrt.
Sie zieren ofenwarme Räume.
Ein Hauch von Frühling - bis er wiederkehrt.
Der Zeitvertrag
Hände falten, bitten, flehen,
unterwürfig bis zum Zehen,
dienstbeflissen, akkurat,
emsig, eifrig, stets auf Draht.
Weder Schmutz noch Arbeit scheuen,
sich am Aktenstaub erfreuen,
freundlich sein bei jedem Schritt
und sogar beim Pferdetritt.
Demutsvoll das Schicksal tragen,
niemals murren, niemals klagen,
bis der letzte Hammer fällt,
bis es feststeht: "Ausgestellt!"
Hände falten, bitten, flehen,
keinem auf die Nerven gehen,
denn es steht im Zeitvertrag:
Morgen - letzter Arbeitstag.
Sehnsucht
Man sehnt sich sehr nach Zweisamkeit.
Weiß Gott, es will nicht glücken.
Die Liebe hat so wenig Zeit,
das tut uns tief im Herzen leid,
das kann uns nicht entzücken.
Das Herz schrumpft uns zum Trauerkloß.
Es ist ein wahrer Jammer.
Wir schluchzen und wir weinen los -
daheim in stiller Kammer.
Für jeden blüht einmal der Mai.
Die Seele wird erweitert.
Dann geht die schöne Liebelei
bestimmt nicht mehr vorbei.
Wenn doch:
Dann ist sie halt gescheitert.
Wenn ich wüsste
Wenn ich wüsste, wohin der Wind mein Segelboot treibt.
Wenn ich wüsste, wo mein Fuss im Sand steckenbleibt.
Wenn ich wüsste, an welchen Tagen
meine Kräfte versagen,
dann würd ich zuweilen ängstlich erwachen,
und meine Sorgen würden mir Sorgen machen.
Wenn ich wüsste, wann ein Sturm die Ziegel abdeckt.
Wenn ich wüsste, was hinter den schönen Worten steckt.
Wenn ich wüsste, es gäbe keine Hoffnung mehr.
Wenn ich wüsste, von nun an wird alles untragbar schwer.
Dann würden all meine Kräfte versiegen,
und ich würde krank darniederliegen.
Wenn ich wüsste, dass mich keiner vom Dunkel befreit.
Wenn ich wüsste, es naht eine trostlose Zeit.
Wenn ich wüsste, es reicht mir niemand die Hände,
und das bis an mein Lebensende.
Dann wären alle meine Tage
angefüllt mit Jammer und Klage.
Fall net hie
Fall net hie, wenn de über dein Schattn springst.
Fall net hie, wenn de vor Kummer Rotwein trinkst.
Fall net hie auf deiner Flucht ins Waldversteck.
Und wenn de fällst, fall net nein Dreck.
Fall net hie, wenn de e ruiche Kuchel schiebst.
Fall net hie, wenn de dich unglücklich ver-liebst statt liebst.
Fall net hie, schickt des Lebn en blauen Brief.
Und wenn de fällst, dann fall net tief.
Fall net hie, beim Galopp auf deim Steckenpferd.
Fall net hie, wenn enner dicht hinner dir fährt.
Fall net hie, wenn dir a Saumensch an die Gurchel will.
Und wenn de fällst, sei bloß nit still.
Fall net hie bei der Suche nachm Sinn der Welt.
Fall net hie, wenn bei dir der Groschn fällt.
Fall net hie in dem verzwickte Lebnslauf.
Und wenn de fällst, dann steh widder auf.
Du hast die Wahl
Wer niemals kramt in Kleinlichkeiten.
Wer niemals fordert, was er selbst nicht hält,
dem grollen keine Schattenseiten
und keine Sicht wird ihm verstellt.
Wer einen Bogen macht um all die Sorgen
wie eine Katze um den heißen Brei,
der fühlt sich wunderbar geborgen,
der fühlt sich gut und wohl dabei.
Wer seinem Pech und deren Strähne
mit Wagemut zu Leibe rückt,
dem kullert nur die Freudenträne,
der wird von keiner Not erdrückt.
Dem Glücklichen schlägt keine Stunde,
und alle Zweifel jagt er aus dem Haus.
Im Unglück beißen dich die Hunde.
Du hast die Wahl. Nun wähle aus.
Jeder
Jeder bohrt mal in der Nase,
jeder putzt sein Hinterteil.
Und die schönste Blumenvase
bleibt nur eine Weile heil.
Jeder findet seinen Meister,
jeder Deckel seinen Topf.
Und sogar Tapetenkleister
findet einen Eierkopf.
Jeder speichert Stroh im Schädel,
jeder macht zuweilen Mist.
Jeder Junge küsst sein Mädel,
bis die Liebe -
außer Rand und Band geraten ist.
Unverständliches
Du tappst in jede Mausefalle
und jede Lüge schnappst du auf.
Du liebst das Chaos und Krawalle.
Den Bockmist nimmst du gern in Kauf.
Im Wirrwarr pflegst du, dich zu baden.
Du schwimmst dich für Sekunden frei.
Statt Wohlgenuss grüßt dich der Schaden,
du trauerst tief und lachst dabei.
In tiefe Täler jagt dein Wagen.
Der Abgrund leckt sein breites Maul.
Das kostet dir erst Kopf dann Kragen.
Die Sache stinkt, denn sie ist faul.
Wer zwingt dich, diesen Weg zu wählen?
Wie heißt der Teufel, der dich packt?
Wen willst du bloß mit all dem quälen?
Ist dies ein Plan, ein Racheakt?
Du suchst im Trubel deine Ruhe.
Du suchst das Sonnenlicht bei Nacht.
Und in der alten Wäschetruhe -
die ungezählte Sternenpracht.
Ein Kind fragt
"Weißt du, ob auch Tiere einsam sind?
Warum bringt ein Kuhstall Milch und Mist?
Wie entsteht in einer Frau ein Kind?
Was kommt hinter einer Hinterlist?
Ob wohl kleine Blumen lernen müssen?
Wieviel Sterne waren gestern krank?
Kitzelt es den Papst, wenn Fremde ihm die Füße küssen?
Warum heißt der Nachttisch nicht Nachtschrank?
Weißt du, ob die Pflanzen heimlich sprechen?
Wieviel Schritte sind es bis zum Mond?
Wo kann man Gedanken unterbrechen?
Warum ist das große Haus dort - unbewohnt?
Was verspricht mir diese Schokoladentorte?
Warum kitzelt mich der Sonnenschein?
Woher kommen all die großen Worte?
Weißt du:
- Eigentlich würde ich gern eine Antwort sein!"
Die Gedanken sind frei
Die Gedanken trommeln leise,
schnattern aufgeregt und toll,
drehen sich verzwickt im Kreise,
tönen hohl- und würdevoll.
Keiner kann sich in dich denken.
Denke wie es dir beliebt.
Niemand kann dein Denken lenken,
wenn dein Vogel in dir piept.
Was du denkst, denkst du alleine.
Heimlich schleicht Gedachtes fort.
Doch Gedanken haben Beine,
sprichst du über sie ein Wort.
Die Gedanken brummeln leise.
Manche träumen wunderbar.
Manche stehen auf dem Abstellgleise.
Und manche werden wahr.
Der perfekte Tag
Steinern schmeckt der Hefezopf.
"Wasser!" schreit der Blumentopf.
Dafür macht mein Müll Gestank.
Und mein Portemonnaie ist krank.
Lampenbirnen sind verglüht.
Blütenblätter: welk, verblüht.
Selbst das Fahrrad lächelt platt,
weil es keine Luft mehr hat.
Tassen kriegen einen Sprung.
Und vom Strom die Sicherung
rastet aus, was mich erschreckt.
Dieser Tag ist echt perfekt.
Deshalb raus zum Baggersee.
Doch ein Steinchen reibt am Zeh.
Und ein Muskel macht mir Dampf,
denn er windet sich im Krampf.
Alles wendet sich
Alles wird sich wenden.
Lass dem Umschwung Zeit.
Stürme werden enden.
Falsches wird uns blenden
oder Schmerz und Leid.
Salz kann herrlich würzen.
Doch zuviel ist schlecht.
Langes wird sich kürzen.
Und das Hohe stürzen.
Unrecht wird zu Recht.
Nichts hält auf die Dauer.
Alles wendet sich.
Nachher sind wir schlauer.
Nichts hält auf die Dauer.
Und das wohl ewiglich.
Auf allen Wegen
Es wächst auf allen Wegen,
Bekümmernis und Leid.
Man fragt sich oft: Weswegen?
Die Antwort lässt sich Zeit.
Man frisst gekränkten Kummer
und spült mit Kleingeist nach.
Es naht ein dicker Brummer,
der hält den Humbug wach.
Man wandert leicht verdrossen.
Man denkt enttäuscht zurück.
Ein Pudel bellt begossen
und geht mit uns ein Stück.
Die Augen nehmen Bäume
seit langem nicht mehr wahr.
Und bunte Blütenträume -
die übersieht man gar.
Es wächst auf allen Wegen,
ein Augenblick vom Glück.
Man trottet ihm entgegen
und schaut erst sehr viel später
mit klarem Blick -
erstaunt zurück.
Du hältst zu mir
Du hältst zu mir, wenn niemand zu mir hält.
Du bist bei mir, wenn keiner sich zu mir gesellt.
Du wischt mir meine Tränen vom Gesicht.
Und manchmal denke ich: Es gibt dich nicht.
Du grüßt mich, wenn mich keiner grüßen mag.
Du bist ein Regenschirm an einem trüben Tag.
In jeder Pflanze bist du unergründlich nah.
Und manchmal denke ich: Du bist nicht da.
Du klagst nicht, wenn ich dich nicht sehen will.
Du bleibst mir wohlgesinnt und wartest still.
Doch wenn ich traurig bin, dann hast du Zeit.
So spüre ich ein Stück von deiner - Wirklichkeit.
Wir leben fett und wohlgenährt
Wir leben fett und wohlgenährt.
Wir kennen keinen Jammer.
Wir sind als Wohlstandsland begehrt.
Der braune Geist lebt unversehrt:
Obwohl man weiß, der ist nichts wert.
Das ist der Hammer.
Wir leben fett und monoton.
Wir haben unsre Schwächen.
Wir geiern gierig nach dem Lohn.
Wir kaufen Plastikquatsch davon.
Die Umwelt wird sich rächen.
Wir schielen stets nach Räucherspeck.
Wir kosten Leckerbissen.
Wir schimpfen lauthals über Dreck.
Wir kehren ihn nie selber weg.
Wir sind da sehr gerissen.
Gegen Dummheit - sind wir längst immun.
Wir lassen uns nicht stören.
Wir wollen nichts dagegen tun:
"Es ist so schön sich auszuruhn!"
Das Schlummerlied - ist nicht zu überhören.
Der Irrsinn
Der Irrsinn schaufelt tiefe Schützengräben,
verwahrt das Strandgut hinter Gitterstäben,
verseucht die Erde und die Luft,
vergrößert täglich neu die Kluft,
die zwischen Arm und Reich besteht.
Und keiner weiß:
Wie weit er morgen geht.
Die Kinder werden still und dumm gehalten.
Die Lüge darf sich ungehemmt entfalten.
Sie wird verkabelt durch den Staat
und störungsfrei empfangen
mit dem Fernsehapparat.
Die Meinungsmache übergeht
den Unsinn, der durch diesen Mist entsteht.
Der Irrsinn spinnt sein Netz aus tausend Fäden,
verschweigt mit List die schweren Folgeschäden.
Sein Wort gilt viel, es hat Gewicht.
Weshalb kein Mensch ihm widerspricht.
Der Irrsinn kommt sich daher sinnvoll vor.
Und schießt ein Eigentor nach einem Eigentor.
Der Regen
Der Regen tropft aufs Ziegeldach,
auf graue Häuserwände.
Auf Wellblechhütten schlägt er Krach.
Von Büschen tröpfelt er nur schwach
auf braunes Matschgelände.
Der Regen wolkt, wann es ihm passt.
Es gießt so manche Stunde.
Der Regen trommelt ohne Hast
und bleibt ein Weilchen unser Gast.
Wir fluchen eine Runde.
Der Regen tropft aufs Häusermeer
und auf die Sonnenblende.
Die Wolke weint. - Jetzt ist sie leer.
Von nun an tropft es gar nicht mehr.
Der Regen hat ein Ende.
Ein Schicksalsbrief
Die Wege eines Lebens
sind unberechenbar.
Den Sinn sucht man vergebens,
die Summe allen Strebens
heißt immer: Sonderbar.
Das Schicksal greift uns hitzig
am kahlen Hinterkopf.
Dann wieder sprudelt spritzig
das Lachen, hell und witzig
und Schalk packt uns beim Schopf.
Das Leben unsrer Ahnen
war ähnlich oder gleich.
Das Schicksal hisst die Fahnen
auf allen unsren Bahnen
bis hin ins Himmelreich.
Die ungestimmten Töne,
die Klänge schräg und schief.
Das Wimmern, das Gestöhne
- und auch das Wunderschöne -
sind stets: ein Schicksalsbrief
Wir, wir, wir
Wir ziehen unsre Kreise
auf diesem Erdenball.
Wir treten in die Scheiße.
Wir kommen so zu Fall.
Wir stehen an den Ecken.
Wir suchen einen Schatz.
Der ist nicht zu entdecken.
Wir schlagen laut Rabbatz.
Wir rudern auf den Meeren
der Ich-Vergangenheit.
Wir können uns nicht wehren.
Das Wasser macht sich breit.
Wir tanzen für Sekunden.
Wir juchzen laut und hell.
Wir drehen kleine Runden
im Kinderkarussell.
Wir schielen zu den Sternen.
Wir sehnen uns zum Mond.
Wir wollen uns entfernen
von dem, was sich nicht lohnt.
Wir klimpern mit Moneten.
Wir jagen nach dem Geld
Wir glauben den Gebeten:
"Nur Moos regiert die Welt."
Wir werden täglich älter.
Es welkt ein Blumenstrauß.
Es blühen die Gehälter.
Das Leben fällt -
wegen dichter Nebelschwaden -
auf unbestimmte Dauer aus.
Bitte, bitte
Lass dich lächelnd unterkriegen.
Lass den Sieg der Frechheit zu.
Wenn die Lügen Balken biegen,
höre hin und schweig dazu.
Lass dir deine Felle stehlen.
Schwimm nicht angstvoll hinterher.
Lass die Bosheit an dir fehlen.
Nimm es tragisch - doch nicht schwer.
Lass dem Unrecht Rechte haben,
selbst wenn dir ein Nachteil droht.
Lass den Schweinekram begraben,
denn sonst sieht ein Hornochs rot.
Lass dich frevelhaft belügen.
Lass dem Schwachsinn seinen Sinn.
Lass dich jederzeit betrügen.
Lass der Gier den Hauptgewinn.
Aber:
Lass dich nie von dir bescheißen.
Hasse jeden Selbstbetrug.
Von den Guten lass dich weisen,
denn nur dadurch wirst du klug.
Blauer Montag
Blauer Montag, müde Beine.
Ungewohnt der Alltagstrott.
Nur die schwarze Kaffeebohne
macht mich für Sekunden flott.
Blauer Montag - ohne Ende.
Alles fällt unheimlich schwer.
Selbst das Augen-offen-halten
klappt nur halb und ungefähr.
Blauer Montag, sei mir gnädig.
Sei ein Schatz und geh' vorbei.
Grüße, wenn es geht nur flüchtig
und bewahre mich vor einer Schufterei.
Keine Zeit
Keine Zeit, um Zeit zu haben.
Keine Zeit, für milde Gaben.
Keine Zeit zum Sitzenbleiben.
Keine Zeit zum Briefeschreiben.
Keine Zeit für einen Streit.
Keine Zeit.
Keine Zeit für langes Lachen.
Keine Zeit, zum Unsinn machen
Keine Zeit für Ulk und Spaß.
Keine Zeit für dies und das.
Keine Zeit für Fröhlichkeit.
Keine Zeit.
Keine Zeit, sich zu besinnen.
Keine Zeit - neu zu beginnen.
Keine Zeit für Fluchtgedanken.
Keine Zeit für einen Kranken.
Keine Zeit für Dankbarkeit.
Keine Zeit.
Keine Zeit für unsre Lieben.
"Keine Zeit!" hat sie geschrieben.
Keine Zeit zum Blumen-gießen.
Keine Zeit, um zu genießen.
Keine Zeit für Herzlichkeit.
Keine Zeit.
Keine Zeit - im ganzen Leben.
Keine Zeit, um nachzugeben.
Keine Zeit für die Geduld
und der Zeit gibt man die Schuld.
Eines Tages steht der Sarg bereit -
und auf einmal: Zeit, Zeit, Zeit.
Manchmal
Manchmal Stille, manchmal Krach.
Manchmal schläfrig, manchmal wach.
Manchmal traute Einigkeit.
Manchmal Hader, Zwist und Streit.
Manchmal hurtig, manchmal lahm.
Manchmal wild und manchmal zahm.
Manchmal schrankenlos und frei.
Manchmal Druck und Gängelei.
Manchmal traurig, manchmal froh.
Manchmal hohl wie dürres Stroh.
Manchmal weise, lebensklug.
Manchmal wenig, mal genug.
Manchmal zänkisch, kleinlich, dumm.
Manchmal aufrecht, manchmal krumm.
Manchmal gut und manchmal schlecht.
Manchmal nüchtern, mal bezecht.
Manchmal so, dass man sich schämt
und sein Bestes in sich lähmt.
Und man schießt ein Eigen-Tor.
Doch das kommt nur manchmal vor.
Unterschiedlich
Manchmal rechne ich in Stunden.
Manchmal zähle ich das Jahr.
Manchmal denk` ich für Sekunden:
"Traumhaft, herrlich, wunderbar!"
Manchmal ist ein Tag in Eile.
Manchmal steht er trotzig still.
Manchmal folgt die lange-Weile,
ohne dass ich diese will.
Manchmal träume ich am Tage.
Manchmal bin ich nächtens wach.
Manchmal geht mir eine Frage
mehr als eine Woche nach.
Manchmal dauern die Sekunden
---------- tagelang.
Doch sie drehen ihren Runden
- stets im Takt -
vom Sonnenauf- zum Sonnenuntergang.
Wenn es ...
Wenn es tobt, wenn es kracht.
Wenn der Himmel Tränen lacht.
Wenn die Sphinx mich berät.
Wenn der Wind Stürme sät.
Wenn ein Wolf heulend jault.
Wenn mich eine Hexe grault.
Wenn die Traurigkeit beginnt
und die Nacht ihr Spiel gewinnt.
Bleibt der Stuhl an meiner Seite leer.
Denn einen Freund -
den gibt's nicht mehr.
Kleine Leute
Kleine Leute denken leise,
halten viel von unserm Staat.
Klatschen Beifall für die Scheiße,
die der Staat geschissen hat.
Loben aufgeblähte Ratten,
die die Kleinen voller Hohn -
jagen, bis sie schlapp ermatten.
Und der Klugschiss dient als Lohn.
Auf der Bühne wird geschlagen.
Kaviar gibt's hinterher.
Denn man weiß sich zu betragen,
denn man ist ja schließlich wer.
Leute muss man frech belügen,
denn die sind nur Stimmenvieh.
Selber übt man das Vergnügen,
doch das wissen Kleine nie.
Wortreich werden sie gefangen.
Jeder Trick wird ausprobiert.
Stets wird man zum Ziel gelangen,
weil man Mist mit Blumen ziert.
Kleine Leute denken leise.
Kleine Leute schimpfen nicht.
Kleine fressen jede Scheiße
und die großen, fetten Herren
zeigen grinsend ihr Gesicht.
Oder etwa nicht?
Wo
Die Türen sind verschlossen.
Wer heute fliehen will,
der lässt es - leicht verdrossen
und hält bis morgen still.
Die Fenster sind vergittert.
Wer diesen Ausstieg sucht,
der schimpft und ist verbittert,
der hadert und der flucht.
Die Wege - abgeschnitten.
Die Brücken - überschwemmt.
Das Lachen ist entglitten.
Die Tränendrüse klemmt.
Der Himmel ist verloren.
Der Teufel klatscht Applaus.
Ach wär' ich ungeboren.
Die Welt ist mir ein Irrenhaus.
Das Leben ist ein Fragezeichen
Das Leben ist ein Fragezeichen.
Manchmal läuft es krumm.
Und man flucht dann ohnegleichen:
"Oh, wie blöd, wie dumm,
wie beschissen, oh wie schwer,
oh wie hirnlos, oh wie leer,
wie verflucht und zugenäht,
oh wie doof, wie aufgebläht,
wie verhext und feenfern,
nur der Teufel hat mich gern.
Das Leben ist ein Fragezeichen,
das unter allem Krummem funkt:
Punkt.
Ein Sturm
Wenn sich ein Sturm zusammenbraut,
verlässt mich die Zufriedenheit.
Egal wohin mein Auge schaut:
Im Blickfeld thront die Traurigkeit.
Wenn meine Hoffnung schläfrig döst,
steigt übelriechender Geruch
in meine Nase. Dies entblößt
mein vollgerotztes Taschentuch.
Wenn meine Schwermut zahnlos lacht,
versinkt mein Mut im Untergrund.
Er treibt sein Spiel im Brunnenschacht
und steckt mir Knebel in den Mund.
Wenn sich ein Sturm zur Ruhe legt
und sich mit Sonnenschein bedeckt.
Wenn mich das Tief nicht mehr bewegt,
bemerke ich: Wie mir das Leben schmeckt.
Das Recht
Das Recht pisst in die Windel
der armen, kleinen Leute.
Es herrscht ein Staatsgesindel.
Das Recht ist seine Beute.
Der Kleine schleppt die Bürde
der großen, hohen Herren.
Das Geld in Amt und Würde
wird stets das Recht versperren.
Das Recht zieht seine Grenzen.
Die sind nicht zu umlaufen.
Nach außen soll es glänzen.
Mit Geld kannst du es kaufen.
Das Recht ist eine Hure.
Der Arme weint - getreten.
Im Grunde hilft nur eines:
nämlich beten.
Das Sozial-Amt
Das Amt wirkt sehr geschäftig,
soweit das Auge schaut.
Die Akten wiehern heftig
und Türen schlagen laut.
Die Menschen stehen Schlange.
Sie schweigen vor sich hin.
Sie warten - brav und lange.
Sie glauben: Das macht Sinn.
Es schwirren tausend Fragen.
Sie surren durch den Gang.
Als Antwort kommen Klagen
und fremder Stimmenklang.
Man wechselt viele Worte,
die man für wichtig hält.
Dann schließt das Amt die Pforte,
worauf es bald:
in einen tiefen Schlummer fällt.
Das Leben
Wir hetzen durch die Jahre.
Und schimpfen allezeit.
Es lösen sich die Haare.
Sie sind schon Mangelware.
Die Glatze macht sich breit.
Es eilen die Sekunden.
Wir rennen hinterher
und denken: Schöne Stunden,
wie wir sie einst empfunden,
die gibt es heut' nicht mehr.
Ganz langsam rieselt Leben
wie Sand durch unsre Hand.
Es wird nur eines geben.
Wir stehen stumm daneben
und träumen vom Schlaraffenland.
Der Lebensstil
Ein Luftikus, ein Spring-ins-Feld,
ein Zirkusclown, ein Mann von Welt,
ein Naseweis, Dreikäsehoch,
ein Penner aus dem letzten Loch,
ein Vorstadtkönig, ein Barbier,
ein leichtes Mädchen vom Revier,
ein Stänkerer aus Leidenschaft,
ein Jogger ohne Saft und Kraft,
ein Walfischfänger, ein Pirat,
ein Gaunertrio auf der Tat,
ein Brotzeitholer mit Elan,
ein Reisender der Eisenbahn:
Sie alle halten immer viel
von ihrem sogenannten Lebensstil.
Was sich ändert
Großes wird auf Dauer klein,
glatt wird jeder Zacken.
Schmutz und Dreck wird wieder rein
und die Vielzahl lebt allein
in den Steinbaracken.
Doofes nennt man später klug.
Hartes wird erweichen.
Weniges ist auch genug.
Wahrheit wechselt zum Betrug
hinter Fragezeichen.
Gutes wird durch Grobheit schlecht.
Schönheit runzelt Falten.
Und ein Unrecht nennt man Recht.
Doppelt falsch ist einfach echt.
Hier darf Logik walten.
Wissen redet und wird stumm.
Immer naht die Wende.
Stille herrscht und dann Gebrumm.
Nur der Mensch bleibt ewig dumm
- bis ans Lebensende.
Schwere Stunden
In deinen schwersten Stunden
will keiner bei dir sein.
Die Freunde sind verschwunden.
Du bist mit dir allein.
Es fehlen Seelenretter.
Die Schwermut greift dich an.
Das allerschönste Wetter
- es ändert nichts daran.
Du kannst vor Gram nicht weinen.
Die Tränen sind versiegt,
weil dir dein Herz mit Steinen
im dunklen Magen liegt.
In deinen schwersten Stunden
hält niemand an dir fest.
Du kratzt an deinen Wunden
und gibst dir noch
den letzten Rest.
Reiche Leute
Reiche könnten Steuern zahlen
und mit ihren Konten prahlen.
Doch sie heucheln außer Haus:
Ich bin so arm wie eine Kirchenmaus.
Reiche könnten Armut lindern
und die Hungersnot verhindern.
"Arme haben nichts davon!",
sagen sie zu ihren Kindern,
"Und außerdem - sie ernten
eines Tages Gottes Lohn!"
Reiche könnten Frieden senden
und das Unrecht so beenden.
Doch es zählt auf dieser Welt
nicht der Großmut - sondern Geld.
Die Wahl
Ein Weibsbild ziemlich kurz berockt,
mit langen Wimpern, leicht gelockt,
die dachte sich: "Ich brauch 'nen Mann.
Dann bin ich sicher besser dran.
Man nennt mich Frau von Hoppsassa
und süße Bengel wären da.
Die ganzen Sorgen bin ich los.
Wo finde ich ein Männchen bloß?"
Das Wählen ist die ärgste Qual.
Ein Raubzug führt sie durch's Lokal.
Der eine lächelt lieb und nett,
doch sicher schnarcht er nachts im Bett.
Der Freund von ihm wirkt kühl und scheu,
doch wie man hört: Er schwimmt im Heu!
Sie liebt den Duft von trocknem Gras
und außerdem: Im Heu macht's Spaß.
Gelacht, geblinzelt, kokettiert.
Das Heu wacht auf und ist verführt.
Und turtelnd wird die Zeit verbracht.
Zumindest bis zur Hochzeitsnacht.
Dann kehrt der müde Alltag ein.
Die Frau, sie schläft im Heu allein.
Der Ehegatte frisst sich fett.
Es wackelt längst das Ehebett.
Ein Frauenzimmer lang berockt,
hat sich 'ne Suppe eingebrockt.
Sie nimmt sich selbst die Sache krumm
und schimpft: Ich, dumme Kuh,
ich wählte Heu. Oh, bin ich dumm.
Der Clown und die Leiter
Voller Faxen - froh und heiter,
fällt ein Clown von seiner Leiter.
Nimmt den Kampf mitsamt den Tücken
auf - zu unserem Entzücken.
Steigt und fällt - und irgendwie
schafft er jenen Aufstieg nie.
Legt die Leiter dann zu Boden.
---
Zirkusclowne und Idioten
handeln auf der Lebensreise
auf besond're Art und Weise.
Steigen witzig und gekonnt
über alle Sprossen weg.
Fallen letztlich aber doch
in ein Häufchen Hundedreck.
Der Baum
Das Leben ist ein großer Baum.
Man will ihn flott besteigen.
Der Stamm ist glatt, man glaubt es kaum,
man irrt verzweifelt um den Baum.
Man wird es ihm schon zeigen.
Die eine Stelle ist gerauht.
Man fand die Aufstiegsstelle
bevor das Leben mahnend schaut,
da tut man längst mit ihm vertraut,
ganz lässig - auf die schnelle.
Der Baum, er gibt mit viel Genuss
die Früchte seiner Jahre.
Man zieht den ersten falschen Schluss,
dass es noch bess'res geben muss
und sucht die Wunder-Ware.
Am Gipfel liegt das wahre Glück.
Wo sollte es sonst liegen?
Man kraxelt hoch - ein kurzer Blick
hier weilt vom Irrtum nur ein Stück,
auf den wir alle fliegen.
Ein kleines Rätsel häutet sich
und kann sich so vermehren.
Der Irrtum führt zum ersten Stich.
Das juckt und kribbelt fürchterlich.
Man übt sich im Beschweren.
Man geht erneut auf Sternenjagd.
Die Zeit hilft beim Vergessen.
Ein Aststück lächelt nett und sagt:
Komm doch zu mir, sei unverzagt.
Mit mir ist prima Kirschenessen.
Man kennt sich aus, bleibt reserviert.
Man hat da seine Gründe.
Die Kirschen werden ausprobiert.
Dann langt man zu - ganz ungeniert.
Der Ast zeigt seine Rinde.
Man grast die Blätterlandschaft kahl
und häufelt sich den Teller.
Man mosert: Dies ist zweite Wahl.
Man wird zum Ärgernis - zur Qual
und dann zum Aststückfäller.
Der Fall war gut - und hinterher,
beachtet man das Leben mehr.
Man freut sich über jeden Ast
und ist sich klar, man bleibt stets Gast.
Man gießt und hegt den Lebensbaum.
Er freut sich und er schüttelt
aus seinen Zweigen einen Traum.
Die Zeit
Die Zeit rollt in die Ewigkeit
und nimmt die Tränen mit.
Sie lästert nie. Sie lächelt breit.
Wir halten mit ihr Schritt.
Sie kennt kein Ruhen, keine Rast.
- Sie macht sich nichts daraus.
Sie trödelt nie, weil das nicht passt.
und schläft in keinem Haus.
Die Zeit winkt allen freundlich zu.
Nicht jeder winkt zurück.
Sie lädt uns ein zum Rendez-vous.
Zuweilen lacht das Glück.
Die Zeit rollt ohne Pferdekraft.
Es scheint: Sie hat noch Zeit.
Sie schenkt uns manchmal neue Kraft.
Und führt uns fort - aus der Vergangenheit.
Der Starke
Der Starke schlägt den Schwachen.
Dem Schwachen geht es schlecht.
Da ist nichts dran zu machen.
Der Stärkere hat recht.
Gewalt kennt keine Gnade.
Sie wütet überall.
Das Recht wird zur Fassade.
Der Starke ist am Ball.
Ein Fausthieb in den Magen
verschließt so manchen Mund.
Jetzt kann er nichts mehr sagen.
Es fehlt die Luft für einen Grund.
Der Schwache kann nichts werden.
Der Starke überwacht
mit seinen Drohgebärden
das Recht. So bleibt er ewig
an der Macht.
Am Morgen
Am Morgen schweigt die Welt noch still.
Sie träumt vom Seelenfrieden.
Es fehlt der schroffe Alltagsdrill.
Die Welt kann machen, was sie will.
Es ist ihr Glück beschieden.
Kein Auspuffknattern schreckt sie wach.
Kein Fließband in der Halle.
Nur bunte Vögel trällern schwach.
Das endet bald und kurz danach
entstehen Lärmkrawalle.
Die Ampelfarben blinken grell.
Ein Schutzmann pfeift nach Noten.
Die Autos rasen - jagend schnell.
Der Notarzt schwingt schon sein Skalpell
und denkt: "Ihr Idioten!"
Doch irgendwann erwacht die Nacht.
Es herrscht erneut die Stille.
Die Welt ruht friedlich und gibt acht,
dass niemand ein Getöse macht.
Dann putzt sie ihre Brille.
Ich brauche keine ...
Ich brauche keine Ordnungsmacht,
die meinen Schlaf bei Nacht bewacht.
Und die bei jeder Kleinigkeit
in meine tauben Ohren schreit.
Ich brauche keine Polizei,
die schon beim ersten Hahnenschrei
mich aus den warmen Federn holt
und mir das Hinterteil versohlt.
Ich brauche auch kein Militär
mit Marschmusik und Schießgewehr,
das meinen Frieden garantiert,
indem es Bomben produziert.
Ich brauche keinen Bundestag,
der nur mein Kreuz am Wahltag mag.
Und anderntags ein Süppchen braut,
das jeder schluckt und schlecht verdaut.
Ich brauche keine Staatsgewalt,
die Knüppel schwingt und ballernd knallt,
wenn Menschen auf die Straße gehen,
um dort nach ihrem Recht zu sehen.
Reden
Wir wetzen unsren Schnabel.
Wir sind so furchtbar klug.
Die Dummheit rollt vom Stapel.
Das Schiff heißt "Selbstbetrug".
Wir spucken große Töne.
Wir sind unheimlich schlau.
Das Wunderbare, Schöne
zerquatscht die Tagesschau.
Wir wussten es schon lange,
wenn jemand etwas meint.
Die Lüge ist zugange.
Worauf die Wahrheit weint.
Wir plappern wie die Kinder.
Wir sind darauf noch stolz.
Die Herren mit Zylinder
sind aus dem gleichen Holz.
Wir glauben unsren Reden
und warten auf Applaus.
Dann glotzen wir betreten.
Denn:
Es bleibt der Beifall aus.
Ein Jahr
Ein Jahr kennt viele Tage;
die Hitze auf dem Feld,
vom Wein die beste Lage,
den Clown im Zirkuszelt.
Es kennt die großen Namen,
den kleinsten Fliegendreck,
vom Baum den feinen Samen,
vom Rebhuhn das Versteck.
Es könnte viel erzählen;
von Habgier, Missgunst, Neid;
vom Lügen und vom Stehlen,
von Zwietracht und von Streit.
Es kennt: den Witz, das Lachen,
die Zartheit, die Geduld,
vom Kind den bunten Drachen,
die Unschuld mancher Schuld.
Es kennt nicht das Verweilen.
Es schreitet täglich fort.
Kein Mensch kann ihm enteilen.
Es folgt an jeden Ort.
Ein Jahr ist voll an Leben.
Ein Teil ist wunderbar.
Doch Narben kann es geben!
Ein Jahr bleibt stets ein Jahr.
Das Recht
Alle Welt fühlt sich betrogen.
Jeder, der dem Recht misstraut.
Denn man wird zu oft belogen
oder übers Ohr gehaut.
Ungebeten tauchen Fragen
aus dem Meer des Zweifels auf.
Dieses führt zu lauten Klagen
und das Leid nimmt seinen Lauf.
Immer fühlt man sich verraten.
Unrecht blüht im Gartenbeet.
Weder Sichel, Sense, Spaten -
helfen, dass ein Blatt sich dreht.
Alle Hoffnung lässt man fahren.
Was man riecht, stinkt nach Morast.
Und wo sonst sich Geier scharen,
hockt man quengelnd als ihr Gast.
Aus der Traum: vom wahren Leben.
Aus der Traum: Zufriedenheit.
Keine Weitsicht wird es geben
auf dem Schiff: Behäbigkeit.
Schuld und Unschuld. Wer soll richten?
Wer bemisst das Strafurteil?
Wer soll je ein Unrecht schlichten
mit dem Maßstab: Seelenheil.
Die Wogen
Die Wogen sind geglättet.
Ein Sturm hat sie erregt.
Der Flussrand neu gebettet,
mit Tausendschönchen übersät.
Ich weiß noch, wie die Wogen grollten,
den tiefen Grund vom Wellental.
Ich kenne noch genau die Brecher,
wie sie stetig rollten,
mit voller Wucht und überaus brutal.
Das Strudeln, Zerren, Toben und das Schlingern.
Ein unliebsamer starker Sog.
Das Auf und Ab, das Taumeln und Befingern,
wobei das Ab das Auf stets überwog.
Das schlimmste war - in einem Boot zu sitzen.
Das Ufer fern, in weiter Sicht.
Ich spürte Wasser stechend spritzen
und fürchtete, dass dieses Boot zusammenbricht.
Das Schicksal ließ mich leben,
ich strandete auf Sand.
Und danke ganz ergeben
der wunderbaren Retterhand.
Die Wogen wiegen friedlich.
Sie lecken ab und zu den Kahn.
Sie turteln zart und niedlich.
- Und manchmal:
lacht mich eine an.
Das macht Spaß
Juchzen, jubilieren.
Trällern nur aus Spaß.
Neues ausprobieren.
Einmal dies - mal das.
Fröhlich durch das Dunkel.
Lachend durch die Nacht.
Hell das Sterngefunkel,
das uns treu bewacht.
Pfeifen - frei nach Schnauze.
Inwendig und laut -
auf das Hundsgegauze,
dem man gar nicht traut.
Juchzen, jubilieren,
zwitschern ohne Metermaß.
Lachend sich verlieren.
Das macht Spaß, Spaß, Spaß.
Die Zeit
Die Zeit ist nie Eile.
Sie hat für jeden Zeit.
Sie kennt die Lange-Weile
und steht für uns bereit.
Sie lässt sich niemals hetzen.
Und rückwärts geht sie nicht.
Sie ist nicht zu ersetzen.
Sie ändert ihr Gesicht.
Die Zeit lässt sich nicht halten.
Sie schreitet stündlich fort.
Sie lässt sich nicht verwalten
und weilt an jedem Ort.
Die Zeit ist sehr bescheiden.
Sie hält getreulich Wacht.
Zu allen Tageszeiten
und auch im Dunkel
einer sternenlosen Nacht.
Namenlos
Wir sind für viele: namenlos.
Wir haben kein Gewicht.
Wir treiben auf dem Rettungsfloss.
- Man sieht uns nicht.
Wir schweigen bis zum Untergang.
Wir heucheln: "Uns geht's gut!"
Wir schluchzen kurz - sekundenlang.
Und schlucken unsre Wut.
Zum Hofknicks werden wir dressiert.
Wir dienern tief gebückt.
Wir wissen, dass ein Nachbar friert.
Doch Geld macht uns verrückt.
Wir bleiben ewig namenlos.
Wir üben die Geduld.
Wir treiben auf dem Rettungsfloß
und glauben dummen Sprüchen:
"Ihr seid doch selber schuld."
Die Arbeit
Die Arbeit ist kein Hase.
Sie hoppelt nicht davon.
Sie läuft nicht auf die Straße.
Sie erntet selten Lohn.
Sie hüpft meist auf der Stelle.
Sie trinkt aus Kummer Bier.
Sie winkt dir: "auf die schnelle".
Sie zeigt dir ihr Revier.
Die Arbeit ist kein Hase.
Sie flitzt nicht übers Feld.
Sie fällt auf deine Nase.
Sie bringt dir Schmerzensgeld.
Sie frisst nie gelbe Rüben.
Sie lächelt nur verschwitzt.
Sie fischt bei Tag im Trüben.
Sie wärmt und sie erhitzt.
Die Arbeit ist kein Hase,
die flugs von dannen streift.
Sie liegt meist faul im Grase,
bis einer sie ergreift.
In dreißig Jahren
Wie wird es sein in dreißig Jahren?
Ob mich ein Rückenleiden plagt?
Was wird aus meinen grauen Haaren?
Hat sie der Zeitgeist abgenagt?
Gibt es noch Menschen, die mich lieben,
die mir vertraut sind, die ich mag,
die gerne meinen Rollstuhl schieben
an einem warmen Frühlingstag?
Kann ich das Leben noch ertragen?
Kann ich noch lachen wie ein Kind?
Bin ich verkalkt in jenen Tagen?
Bin ich für alles Schöne blind?
Bin ich enttäuscht, als Mensch gebrochen?
Ein Biest, das in der Stube hockt?
Ein Geifergreis aus Haut und Knochen
- verbittert, lieblos und verstockt?
Wie wird es sein in dreißig Jahren?
Streicht mir ein Mädchen durch mein Haar?
Ich werde es vielleicht erfahren.
Dann frage ich bestimmt:
Wie es vor dreißig Jahren war?
Ein Fremder
Ein Fremder lebt in unserm Land
als Bürger vierter Klasse.
Er wird missbraucht am Förderband.
Er kehrt den Dreck vom Gehsteigrand
und Blätter aus der Gasse.
Man zollt dem Fremden keinen Dank,
wenn er den Gehsteig reinigt.
Man schimpft: Du riechst nur nach Gestank,
nach Kloblauchduft im Kleiderschrank
mit Arbeitsschweiß vereinigt.
Der Mohr hat seine Pflicht getan.
Jetzt soll er schnell verschwinden.
Und brauchen wir ihn irgendwann,
dann rufen wir halt einfach an.
Ein Dummer - lässt sich finden.
Wie kleinkariert ist diese Sicht.
Wie hirnlos und umnachtet.
Wie hohl tönt dieser Sachbericht
- aus dem die Dummheit grunzend spricht -
und die den Gast missachtet.
Er war gefragt. Jetzt soll er geh'n.
Er ließ sich von uns blenden.
Er war am Anfang gern geseh'n.
Doch jetzt, da sich die Winde dreh'n,
da will man ihn,
zurück in seine Heimat senden.
Das Kind, das in den Brunnen fiel
Ein Kind fiel in den Brunnen
und weinte jämmerlich.
Am Anfang still und leise.
Es schämte sich.
Dann schrie es laut um Hilfe.
Verzweiflung gab ihm Kraft.
Es hallte durch den Brunnen:
Ein Schreien - schauderhaft.
Das Rufen und das Klagen
verebbte nach und nach.
Das Wimmern, Schluchzen, Stöhnen
wurd' heiser und dann schwach.
Bald herrschte Totenstille.
Es folgte tiefe Nacht.
An einem Vollmond-Abend
fiel Sternenglanz in jenen Brunnenschacht.
Nach vielen Fehlversuchen
gelang bei Nacht die Flucht.
Den Brunnen gibt's noch immer.
Er ist beliebt bei Kindern.
Und wird zum Spielen aufgesucht.
Das Sommerende
Vom Sommer spürt man nur noch einen Hauch.
Die Wärme neigt sich langsam ihrem Ende.
Der Garten lechzt nicht mehr nach seinem Gartenschlauch.
Und morgens frieren schon die Hände.
So gegen Mittag ahnt man noch die Kraft
der Sonnenhitze.
Doch fehlt die heiße Leidenschaft,
von der ich schwitze.
Das Blattwerk hat wohl seine Pflicht getan.
Denn Schatten wird gemieden.
Der Herbst fängt unaufhaltsam an
und nebelt unzufrieden.
Es schweigt, verebbt der Vogelsang.
Der Sommer schnieft vom Schnupfen.
Der Arzt, der kommt, heißt: Herbstanfang
und impft jetzt Blatt nach Blatt
mit rötlich-gelben Tupfen.
Pfeifen
Es pfeift ein Wagen um die Ecke.
Ein Vogel pfeift sein Lied
versteckt in einer Dornenhecke
- doch nie an seinem Brutgebiet.
Es pfeift der Wind um blaue Ohren.
Ein Kind bei Dunkelheit.
Die Trillerpfeife schrillt verloren
an Orten reger Fröhlichkeit.
Beim Orgeln pfeifen dünne Röhren.
Der Wassertopf pfeift lang und laut.
Er ist selbst noch im Schlaf zu hören,
so dass man schleunigst nach ihm schaut.
Ein Künstler pfeift gekonnt nach Noten.
Der Saal pfeift Beifall, wenn es ihm gefällt.
Man pfeift bei Redner-Idioten.
Doch keiner pfeift
auf schwerverdientes Geld.
Frühlingszeit
Warme, milde Meeresluft,
Himmelszauber, Blütenduft.
Leise läuten Osterglocken,
die uns in die Sonne locken.
Grün umrankt ist jeder Strauch.
Allerorten - Frühlingshauch.
Eiernd hoppelt auf der Straße
der bebrillte Osterhase.
Und ein feuchtes Wieseneck
wird zum bunten Blumenfleck.
Kater miezen und miauen,
während sie nach Kätzchen schauen.
Bienen summen hin und her,
angelockt vom Blütenmeer.
Und sie schlürfen mit Erfahrung
jene zuckersüße Nahrung.
Alles grünt, ob alt ob jung.
Alles fühlt den frischen Schwung.
Und das Leben macht sich breit.
- Frühlingszeit.
Herbststimmung
Die Vögel ziehen in die warme Zone.
Den Bäumen fehlen Blätter in der Krone.
Und graue Nebel wallen durch das Tal
wie Schlossgespenster nachts im Rittersaal.
Nun heißt es Abschiednehmen von den Wäldern,
von Blumen, Hecken, Sträuchern, Feldern,
von jedem Blatt, von jedem grünen Kraut,
das uns am Wegrand in die Augen schaut.
Der Tag ist kurz. Und lange währt das Dunkel.
Nur hoch am Himmel, fern, ein Sterngefunkel.
Der kühle Tau legt sich zum Sommerstaub
und auf das welke, buntgefärbte Laub.
Herbstanfang
Der Herbst gräbt erste Spuren
ins grüne Blätterdach.
Die Felder - abgeerntet.
Die Fluren liegen brach.
Die Hitze ist gebrochen.
Die Wolken wiegen schwer.
Sie treiben hoch am Himmel
wie Schiffe auf dem Meer.
Auf steilen, schrägen Lagen
gedeiht der herbe Wein.
Er trinkt für seine Reife
den letzten Sonnenschein.
Der Sommer ist gegangen.
Die Nächte werden lang.
Die welken Blätter fallen.
Herbstanfang.
Herbst
Die Bäume sind entblättert.
Das welke, braune Laub
bedeckt den grünen Rasen
und grauen Straßenstaub.
Die Menschen in den Gassen
sind dick und fest vermummt.
Die Vögel sind im Süden.
Ihr Zwitschern ist verstummt.
Die weißen Nebelschwaden
verzaubern Berg und Tal.
Die Nächte werden schwanger.
Der Tag hingegen - schmal.
Ich kenne ...
Ich kenne meine Wünsche,
mein Sehnen und mein Ziel.
Die Wahrheit meiner Worte
und meinen Lebensstil.
Ich kenne meine Tränen,
mein Schicksal und mein Leid,
die Schmerzen schwarzer Tage
und meine Traurigkeit.
Ich kenne meine Stärken,
mein erstes Liebesglück.
Den Rausch aus jenen Tagen
und meinen Rückwärtsblick.
Ich kenne meine Schwächen,
den Weg zum Untergang.
Mein Irren und mein Tasten
- am "Blinden"-Stock entlang.
Ich finde ...
Ich finde eine Blume, einen Schlüsselbund,
ich finde meine Brille, ich finde einen Hund,
ich finde eine Düne, ich finde ein Meer:
Ich finde ein Anfang fällt unheimlich schwer.
Ich finde einen Zettel und ein Schreibgerät,
ich finde eine Wiese, die ein Bauer mäht,
ich finde eine Lichtung, ich finde einen See,
ich finde einen Baum und dann die Allee.
Ich finde eine Straße, einen Pfad zum Strand,
ich finde eine Muschel im weichen Sand,
ich finde eine Träne in meinem Gesicht.
Vielleicht gehört sie dir, ich weiß es nicht.
Im Rattennest
Die Last der Trübsal wiegt so schwer.
Du kriechst am Boden, kannst nicht mehr.
Sogar daheim in deiner Kammer
belästigt dich der Katzenjammer.
Die Sonne fehlt schon jahrelang.
Du sprichst mit dir: von Untergang.
Die Hoffnung lässt du talwärts fahren.
Du bist dir selbst nicht mehr im Klaren.
Dann schimpfst du laut in einer Tour:
"Was soll die ganze Scheiße nur!"
Geweint wird heimlich in der Stube.
Dein Herz wird dir zur Mördergrube.
Nach außen zeigst du ein Gesicht,
das deinem Innern widerspricht.
Dein Äußeres wird zur Fassade.
Du schlitterst langsam - ohne Gnade
mit einem Bein ins Rattennest.
Dort klebst du - für eine Weile - fest.
In der Ruhe liegt die Kraft
Kurz nach acht. Man ist in Eile.
Keine Zeit für Lange-Weile.
Kaffee trinken, Brötchen essen.
Zähneputzen nicht vergessen.
Schnell ein Schluck Orangensaft.
- In der Ruhe liegt die Kraft.
Wo befindet sich mein Schlüssel?
Sicher liegt er in der Schüssel,
wo sich Kleinigkeiten türmen,
und vereint den Gipfel stürmen.
Krimskrams wuchert sagenhaft.
- In der Ruhe liegt die Kraft.
Nächtens hat man schlecht geschlafen.
Ausgemüdet - hageln Strafen.
Jede Arbeit wird misslingen,
Und statt Lob nur Tadel bringen.
Man ist müde - abgeschlafft.
- In der Ruhe liegt die Kraft.
Gott-sei-Dank es blinken Sterne
in des Himmels weiter Ferne.
Alle Eile, die wir haben,
wird bis morgen früh begraben.
Diesen Tag hat man geschafft.
- In der Ruhe liegt die Kraft.
Ich lernte ...
Ich lernte Schreien, Atmen, Schnaufen.
Und wie man einen Schnuller hält.
Das Weinen, Lachen und das Laufen.
Und dass es wehtut, wenn man fällt.
Ich lernte Zählen, Sprechen, Reden,
ein Spiel zu spielen, ganz allein.
Im Gottesdienst: das fromme Beten,
das Glücklich- und das Traurigsein.
Ich lernte Rechnen, Lesen, Schreiben,
das Einmaleins, die Notenschrift.
Die Kunst mir selber treu zu bleiben,
wenn mich ein Schlag vom Schicksal trifft.
Ich hab gelernt mich zu entfalten
trotz Regen, Wind und Sturmgebraus.
Nun soll ich meine Schnauze halten,
das schlägt dem Fass den Boden aus.
Immerhin
Alte Fehler kehren wieder,
machen sich im Sessel breit.
Stöhnen freche Lästerlieder
voller Unerträglichkeit.
Keine Dummheit kommt abhanden,
denn sie beißt sich an uns fest.
Schlingt vertraulich alte Banden,
lockt uns zärtlich in ihr Nest.
Vielem kann man sich entwöhnen.
Nur die Kleinsicht bleibt uns treu,
der wir untertänig frönen
- ungezügelt, ohne Scheu.
Dummheit schläft auf unsren Kissen.
Gerne legen wir uns drauf.
Doch wenn wir das Dumme wissen,
schütteln wir das Bettzeug auf.
Immerhin!
In ein paar Tagen
Die Arbeit ruht in ein paar Tagen.
Man schimpft uns wieder arbeitslos.
Man stellt die alten, dummen Fragen:
"Was machen Sie mit Ihrer Freizeit bloß?"
Die Antwort bleibt im Halse stecken.
Die Frage ist ja wirklich dreist.
Man stottert dann:
"Ich fresse, um nicht zu verrecken,
und dünge meinen Lebensgeist."
Die Arbeit bleibt uns bald verschlossen.
Man wird zum Nichtsnutz degradiert.
Nach außen grinst man unverdrossen.
Doch innen - hüstelt man geniert.
Genügend Arbeit ist vorhanden.
Und dennoch wird man ausgestellt.
Ein Schildastreich aus deutschen Landen.
Man schmiert uns ab mit Arbeitslosengeld.
Im Nachhinein
Nimm dein Leben auf die Schulter,
wenn es nicht mehr hüpfen kann.
Wenn es sein muss - auf die leichte.
Fang ein neues Lachen an.
Lass den Kummer böig stürmen,
rette dich - egal wohin.
Dreh im Schlupfloch langsam Däumchen.
Schaff dir somit Zeitgewinn.
Sei nicht allzusehr verwegen.
Zeige Stolz und frohen Mut.
Hab Geduld bei Dauerregen.
Alles renkt sich und wird gut.
Steck den Kopf nicht zwischen Steine.
Leg dich flach zum warmen Sand.
Manchmal fühlst du dich alleine.
Weine Tränen auf die Hand.
Nimm die Sorgen, wie sie kommen.
Rege dich nicht künstlich auf.
Schon von vielem hast du angenommen:
Dieses wird dir schlecht bekommen.
Doch es kam im Nachhinein
anders als du dachtest:
So wird es sein.
Kaffeepause
Beliebt ist eine Kaffeepause,
ob fern der Heimat, ob zuhause.
Denn dieser wohlbekannte Duft
riecht besser als die Zimmerluft.
Was wichtig scheint - wird aufgeschoben
und seiner Wichtigkeit enthoben.
Es zählt allein der Kaffeedurst
und alles andere ist "wurscht".
Ein Kaffee schmeckt selbst Untertassen,
wenn wir zu gierig nach ihm fassen.
Er weckt die Kräfte und zumeist
den ausgelaugten Lebensgeist.
Wie wohlig warm rinnt's durch die Kehle
und wandert weiter bis zur Seele.
Das alles schenkt uns ein Kaffee.
Man freut sich immer. Wie ich seh'.
Beliebt ist eine Kaffee-pause.
Man fühlt sich förmlich wie zu Hause.
- selbst bei der Arbeit im Büro - .
Doch besser schmeckt er anderswo.
In Raten
Das Unglück kommt in Raten.
Es hilft kein Schreckensschrei.
Es kommt auf krummen Pfaden
und schaut bei dir vorbei.
Es steht dir treu zur Seite.
Es hält beharrlich fest.
Das Glück geht langsam pleite.
Der Kummer baut sein Nest.
Es spuckt dir auf den Braten,
das neues Unheil lockt.
Das Unglück kommt in Raten.
Und notfalls wird es aufgestockt.
Kleine Kinder
Kleine Kinder spielen gerne
mit den Großen Blinde-Kuh.
Zählen nachts die Himmelssterne.
Große lächeln nur dazu.
Kleine Kinder stellen Fragen.
Große lügen ungeschminkt.
Achten mehr auf ihr Betragen.
Oder: ob die Windel stinkt.
Kleine Kinder sollen wissen:
Große haben immer Recht.
Kleine werden oft beschissen.
Darum geht es Kleinen schlecht.
Kleine Kinder werden älter,
denken laut: Jetzt bin ich groß.
Und sie schielen auf Gehälter
auf den Reibach und auf Moos.
Lustvoll zeugen sie nun Kinder
- kaum dem Windelnass entflohn -
werden Herren mit Zylinder
und besteigen einen Thron.
Keiner
Keiner kann sein Schicksal zwingen.
Keiner kann ein Loblied singen.
Keiner trägt des andern Last.
Keiner lacht sich einen Ast.
Keiner tanzt an allen Tagen.
Keiner kann sein Leid verjagen.
Keiner kratzt uns unterm Fell -
höchstens einer mit Skalpell.
Keiner löffelt dir die Suppe.
Keiner kauft die Modepuppe.
Keiner juchzt und jubelt laut,
wenn ein Fremder ihn verhaut.
Kurz vor der Entlassung
Wir buckeln um verlauste Kröten.
Wir dienern eifrig, tiefgebückt.
Die Ehre übt beim Teufel flöten.
Von Schwermut werden wir erdrückt.
Wir betteln wie zerlumpte Gören:
"Ihr hohen Herren, seid uns gut.
Verzeiht, wenn unsre Bitten stören."
Uns fehlt allmählich jeder Mut.
Wir kriechen wie die Weinbergschnecken.
Verschleimt und weiß glänzt unsre Spur.
Wir sind geübt im Speichellecken
und sind wie Schafe nach der Schur.
Wir winseln um die Arbeitsstelle.
Wir sehen schwarz und nicht mehr bunt.
Und immer höher schlägt die Welle.
Und morgen liegen wir auf Grund.